Katalonien Richterin ordnet Untersuchungshaft gegen führende Separatisten an

Mehrere Angehörige der abgesetzten katalanischen Regionalregierung müssen in Untersuchungshaft. Das hat das spanische Staatsgericht entschieden.

Oriol Junqueras
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Oriol Junqueras


Eine Richterin hat die sofortige Inhaftierung des abgesetzten stellvertretenden katalanischen Regierungschefs Oriol Junqueras und weiterer acht Ex-Minister der vormaligen Regionalregierung angeordnet.

Den Separatisten wird Rebellion, Auflehnung gegen die Staatsgewalt und Veruntreuung öffentlicher Gelder vorgeworfen. Ihnen drohen 30 Jahre Haft. Grund für die Anklage ist unter anderem die einseitige Unabhängigkeitserklärung des katalanischen Parlaments.

Nur einer der Beschuldigten, Santi Vila, darf bei Zahlung einer Kaution von 50.000 Euro auf freien Fuß gesetzt werden. Vila war aus der Regierung ausgetreten, bevor am vergangenen Freitag die Loslösung Kataloniens von Spanien proklamiert wurde. Seither setzte er sich für eine Verhandlungslösung im Unabhängigkeitstreit ein.

Europäischer Haftbefehlt gegen Puigdemont

Der Beschluss von Richterin Carmen Lamela gilt für alle neun Politiker, die der Vorladung am Donnerstag in Madrid Folge geleistet hatten. Darunter war nicht der Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont, weil er sich mit anderen Mitstreitern nach Belgien abgesetzt hatte. Gegen ihn wurde ebenfalls Haftbefehl beantragt, die Richterin hat ihn aber noch nicht ausgefertigt.

Pablo Iglesias, Chef der linken Protestpartei Podemos, schrieb auf Twitter: "Es beschämt mich, dass in meinem Land Oppositionelle eingesperrt werden. Wir sind nicht für die Unabhängigkeit Kataloniens, aber heute sagen wir: Freiheit für politische Gefangene."

In den vergangenen Wochen hatten vor allem Unabhängigkeitsbefürworter die ebenfalls in Untersuchungshaft sitzenden Separatistenführer Jordi Cuixart und Jordi Sànchez Picanyol als "politische Gefangene" bezeichnet.

kev/slü/AFP/dpa/Reuters



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