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Unabhängigkeit von Spanien: Katalanen demonstrieren für eigenen Staat

Abspaltungstendenzen sind gerade schwer en vogue: In Barcelona demonstrierten am regionalen Nationalfeiertag Hunderttausende Menschen für ein autonomes Katalonien. Das Unabhängigkeitsreferendum Schottlands gab ihnen Rückenwind.

Barcelona - Riesige Demonstration zum 300. Nationalfeiertag Kataloniens: Hunderttausende Menschen sind in der katalanischen Hauptstadt Barcelona für einen eigenen Staat auf die Straßen gegangen. "Unabhängigkeit, Unabhängigkeit", riefen sie im Zentrum der Metropole im Nordosten Spaniens.

Insgesamt sollen nach offiziellen Schätzungen zwischen einer halben Million und bis zu 1,8 Millionen Teilnehmer für einen souveränen Staat demonstriert haben. Der Konflikt spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Die unterschiedlichen Angaben kamen durch die konkurrierenden Verwaltungen in Madrid und Barcelona zustande.

Die Beteiligung bei dem Protest war gigantisch: Auf einer Distanz von elf Kilometern füllte die Bewegung zwei Hauptstraßen im Herzen von Barcelona - viele Demonstranten waren mit den katalanischen Nationalfarben Gelb und Rot bekleidet. Aus der Luft zeigte sich, weshalb die Protestler gerade die beiden Straßen ausgewählt hatten: An der Plaça de les Glòries liefen die Avenida Diagonal und die Gran Vía zusammen - der Menschenstrom bildeten ein symbolisches "V" - von "Victoria" (Sieg) oder "Vote" (Abstimmen).

Die Befürworter der katalanischen Unabhängigkeit fühlen sich bestärkt vom schottischen Unabhängigkeitsreferendum, über dessen Ausgang am 18. September entschieden wird: Neben den rot-gelben Farben der Katalanen waren auch blau-weiße schottische Nationalflaggen zu sehen. Das Motto der Kundgebung lautete "Jetzt ist die Zeit!". Aktuellen Umfragen zufolge ist eine knappe Mehrheit in Schottland für die Loslösung von Großbritannien.

Konkret forderten die Demonstranten, dass das vom Chef der Regionalregierung Artur Mas für den 9. November angekündigte Referendum über die politische Zukunft Kataloniens stattfinden darf. Die Zentralregierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy in Madrid weist diese Volksbefragung als illegal zurück. Die Katalanen fordern bereits seit Jahren ein eigenes Staatsgebiet, losgelöst von Spanien.

José Luis Rodríguez Zapatero war nach dem Wahlsieg der Sozialisten vor zehn Jahren damit gescheitert, die regionalen Rechte der autonomen Gemeinschaft in Spanien im Nordosten zu erweitern. Der spanische Soziologe Salvador Cardús rechnet jedoch nicht damit, dass die Minderheit ihren Willen mit gewaltsamen Mitteln durchzusetzen versuchen könnte.

"Die meisten Katalanen würden Gewalt nicht unterstützen. Wir wissen ja, dass das Referendum ohnehin nicht bindend wäre. Klar wäre die Frustration groß. Aber keiner bezweifelt, dass eine vorgezogene Regionalwahl, die legal wäre, als Plebiszit dienen könnte", sagte Cardús im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Der jährliche Nationalfeiertag Kataloniens - genannt: Diada - erinnert an die Eroberung Barcelonas am 11. September 1714 durch Truppen aus Spanien und Frankreich während des spanischen Erbfolgekriegs. Das Datum wird von vielen Katalanen als Schicksalstag betrachtet, an dem sie ihre Selbstbestimmung verloren hatten.

daf/dpa/AFP

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1. für ein Europa der Regionen
syracusa 11.09.2014
Dass Spanien jede Form des Abspaltungsversuchs als illegal und verfassungswidrig erklärt, lässt den Katalanen keine andere Wahl als sich zu radikalisieren. Das wollen weder die Spanier noch die Katalanen noch die Europäer. Spanien ist, was die Macht- und Herrschaftsansprüche eines Staates über seine Bürger angeht, im vorletzten Jahrhundert steckengeblieben. Die Katalanen haben eine eigene Sprache und eine eigene Kultur, und es geht uns auch gar nichts an, warum sie sich nicht mehr vom spanischen Zentralstaat verwalten lassen wollen. Jeder hinreichend großen Region eines jeden Staates, die sich selbst versorgen kann, und deren Bevölkerung mehrheitlich von der anderer Regionen unterschieden werden kann, hat ein Recht darauf, sich vom Nationalstaat abzuspalten. Wenn dieses Recht verweigert wird, dann droht letztlich ein Bürgerkrieg.
2. Wie im Mittelalter
Mr.Marcus 11.09.2014
...wird das, wenn jeden Region sich einfach abspalten kann. Wollen wir wirklich zurück zu 100en von Staaten, die nachher doch wieder nicht ganz alleine können...!
3. 7. August 1532
bretone 11.09.2014
Auch in der Bretagne gibt es seit langer Zeit schwelende Wiederherstellungsbestrebungen der vormaligen Unabhängigkeit. Für viele hier Lebende ist der 7. August der 'Schicksalstag', an dem das vormals stolze Land vor 482 Jahren zu einer Domäne des französischen Königreichs wurde. Wetten, dass wenn die Schotten es schaffen, ihrerseits den vormaligen, ihnen näher stehenden Zustand wiederherzustellen, die Bretagne eine der nächsten Nationen sein wird?
4. Was soll an einer Volksentscheidung illegal sein ?
ecbert 11.09.2014
Wenn sich die Mehrheit einer Region für oder gegen etwas entscheidet dann ist das eben so ! Wenn sich also Katalanen, Venezier, Schotten, Ostukrainer usw. in einer freien und geheimen Wahl für die Selbstständigkeit entscheiden gibt es daran nichts zu bemängeln und die Endscheidung ist umzusetzen.
5. Respekt den Katalanen!
whs40 11.09.2014
hier ist zu sehen ist das positive Gegenbeispiel zur Ostukraine zu sehen. Menschenmassen stehen hinter dem Wunsch für Selbstständigkeit. Im Osten fehlen die Menschenansammlungen. Dafür rennen Leute mit Gewehren durch die Gegend uns beschießen die Regierungstruppen. Die Katalanen wollen echte Unabhängigkeit während in der Ostukraine durch Russland gesteuert ein Anschluss vorangetrieben wird.
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