Ein Gastbeitrag von Lluis Fox
Diese Wahlkampagne hat den entschiedenen Vorteil, dass sie sich sicher nur um ein Thema dreht. Ein Thema, das die Katalanen beschäftigt, interessiert und beunruhigt. Ein einziges Thema. Wir erörtern es an der Theke, zu Hause, im Geschäft und auf der Straße. Wenn ich einen Sender einstelle, der nicht über das Thema berichtet, frage ich mich bestürzt, ob ich noch in meinem Land lebe.
Das Thema ist allgegenwärtig, es durchdringt und umschließt alles. Im Fernsehen wird ständig und überzeugend davon gesprochen. Das Thema bewegt sich auf allen Ebenen und in alle Richtungen. Ich habe nordamerikanische, britische, deutsche, italienische und schwedische Journalisten empfangen, die mir Fragen dazu stellen.
Es sieht ganz so aus, als ob das Thema, über das am Sonntag abgestimmt wird, auf der Tagesordnung des Weißen Hauses, des Kremls und des Volkspalasts in Peking stehen würde. Paris, London und Berlin hängen an unseren Lippen und verfolgen gespannt unser Thema. Der irische Schriftsteller James Joyce soll einmal einen Landsmann gefragt haben: "Wenn wir schon nicht das Land wechseln können, könnten wir wenigstens das Thema wechseln?" Bei uns lautet die Antwort: Nein, das Thema bleibt das Thema.
Taktiken der Separatisten
Thema ist, dass wir uns am Sonntag für verschiedene Parteien entscheiden können, die eine Befragung über das Entscheidungsrecht ankündigen, ein Euphemismus für die Unabhängigkeit der Region, die einige schon sehr bald sehen, andere für die kommende Legislaturperiode versprechen und die dritten in weiter Ferne wähnen. Die Separatisten haben nicht alle dieselben Taktiken, Strategien und Zeitpläne. Aber die Wahl am Sonntag verleiht ihnen ein gemeinsames Ziel und ein gemeinsames Thema.
Die Gegenfront, die Gegner des Themas, sehen die Lage ganz anders. Die Volkspartei, die die Regierung in Madrid stellt, rührt die politische Medientrommel, als ob der Weltuntergang vor der Tür stünde. Die Ciutadans - anti-nationalistisch, Mitte links - interessieren sich weniger für das Thema, sondern eher für Sujets, die der Regierung peinlich sind. Die Sozialisten wollen die Straßen der Innenstadt besetzen, haben aber so viele Anhänger verloren, dass sie nun am Rand des Abgrunds stehen.
In den Fischhandlungen und Gemüseläden sind kaum Politiker zu sehen. Sie fürchten wohl, man könne ihnen vorwerfen, dass es neben dem Thema noch andere Probleme gibt. Arbeitslosigkeit ist wohl das schwerwiegendste. Sozialhilfe, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, Korruption und Menschlichkeit sind aus dem politischen Diskurs verschwunden.
Übersetzung von Claudia Reinhardt.
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