Staatsbesuch in Berlin Emir von Katar bestreitet Finanzhilfe für "Islamischer Staat"

Dieser Besucher ist unergründlich: Der Emir von Katar ist zu Gast in Berlin. Vorwürfe, sein Land finanziere die Terrormiliz "Islamischer Staat", wies er zurück. Glaubt ihm die Kanzlerin?


Berlin - Katars Emir Tamim Bin Hamad Al Thani hat bei seinem Staatsbesuch in Berlin versucht, sich als verlässlicher Partner des Westens im Nahen Osten zu präsentieren.

Besonders wichtig war dem erst 34-jährigen Herrscher folgender Punkt: "Katar finanziert und unterstützt keine Terrorgruppen in Syrien und im Irak und hat dies auch nie getan", betonte Scheich Tamim nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwochmittag. "Ich habe keinen Grund, ihm nicht zu glauben", sagte die CDU-Politikerin. Sie hob hervor, dass Katar sich der internationalen Koalition gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" angeschlossen habe.

Das Golfemirat steht unter Verdacht, den IS in Syrien und im Irak aufgerüstet zu haben. Katar reagiert auf diese Vorwürfe jedoch höchst empfindlich. Als Bundesentwicklungsminister Gerd Müller öffentlich entsprechende Andeutungen gemacht hatte, bestellte das Emirat die deutsche Botschafterin in Doha ein.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck hatte den Emir am Mittwochmorgen auf eine angebliche IS-Unterstützung angesprochen. Das gut 20-minütige Gespräch wurde als ausgesprochen offen beschrieben.

Merkel lobt Katars Investitionen in Deutschland

Nun betonte Merkel, dass der Golfstaat ein wichtiger strategischer Partner der Bundesrepublik sei - ein Land, "das Gesprächskontakte in alle Richtungen hat". Zur Frage nach Waffenlieferungen an das Emirat sagte die Kanzlerin: "Das ist immer eine Einzelfallentscheidung." Allein im ersten Halbjahr 2013 erteilte die Bundesregierung Ausfuhrgenehmigungen im Wert von rund 635 Millionen Euro nach Katar.

Merkel lobte ausdrücklich die Beteiligungen des Emirats in deutschen Wirtschaftsunternehmen. Katar sei an strategischen Investitionen interessiert, die langfristig angelegt sind.

Weitere Unternehmensbeteiligungen hat der reiche Öl- und Gasexporteur am Rande des Treffens bereits angekündigt: "Wir erwarten in der nächsten Zukunft, dass die Investitionssumme Katars in der deutschen Wirtschaft weiter wachsen wird", sagte Wirtschafts- und Handelsminister Scheich Ahmed Bin Jassim Bin Mohammed Al Thani in Berlin. Derzeit hält Katars Herrscherhaus unter anderem Anteile an der Deutschen Bank, Volkswagen und Hochtief. Der Golfstaat ist damit nach eigenen Angaben mit 18 Milliarden Dollar (13,9 Mrd. Euro) der größte arabische Investor in Deutschland.

syd/heb/dpa

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insgesamt 18 Beiträge
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dalethewhale 17.09.2014
1. intersssant
kein forum ist regt sich auf. der Finanzier von Isis ist nun mal Waffen Käufer und Investor in Deutschland. und wird bald gas liefern. da kann man ein Auge ruhig zumachen.
Promet 17.09.2014
2. Alles ist gut!
""Ich habe keinen Grund, ihm nicht zu glauben", sagte die CDU-Politikerin." Ich glaube diesen beiden einschlägig bekannten Philanthropen. Alles andere wäre ja auch dummes Zeug.
aalf 17.09.2014
3. Menschenrechte
Das Gespräch mit unserem Bundespräsidenten müsste sehr heftig gewesen sein bei all den Menschenrechtsverletzungen in Katar.
mehdihusseini 17.09.2014
4. Die Kanzlerin..
..muss ihm glauben, denn Katar sichert ja durch die Finzanzhilfe an die IS den Waffenexport der westlichen Staaten an Gruppen, die wiederrum die IS bekämpfen. Das ist die Kriegstaktik, ein Teufelskreislauf der bewusst durch beide Seiten angetrieben wird, um Profit daraus zu schlagen!
Andrea.M 17.09.2014
5. Wozu
gibt es den BND? Die könnten wenn keine/wenig Erkenntnisse vorliegen ähh befreundete Dienste fragen. Zur Erinnerung: Das ist der Mann der zum Teil an den vielen toten Gastarbeitern mit Schuld hat. Denn er ist ein autokratischer Herrscher. Das Kefala(?) System erlaubt nicht nur in Katar das versklaven von Arbeitern und Angestellten. Nachzulesen in SPIEGELonline. Zur Erinnerung 2: Katar gehört zu den 9 Ländern in denen die Todesstrafe auf Apostasie (Glaubensabfall) herrscht. Der Nachweist ist unter wikipedia.de/Todesstrafe/Straftatbestände zu finden. Das "Problemchen": Katar ist in nicht wenigen großen deutschen Firmen "fett" drin. Da überlegt jeder ob er so einen Investor/Werbekunden auch nur ermahnt. Z. B. gut zu sehen an den Vorwürfen der "Homophobie" an Russland. Zeitweise gefühlt wöchentlich. An Katar, oder gar Saudi Arabien? Nix. Licet Jovi, non licet bovi. Pecunia non olet. Näääeech?!
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