Krise am Golf Katars Gegner stellen 13 Forderungen

Der Sender Al Jazeera soll geschlossen, Kontakte zu Iran reduziert werden: Arabische Staaten haben Katar insgesamt 13 Forderungen präsentiert, bei deren Umsetzung die Blockade des Emirats beendet würde.

Skyline von Katars Hauptstadt Doha
Getty Images

Skyline von Katars Hauptstadt Doha


Vier arabische Staaten haben Katar Bedingungen gestellt, bei deren Erfüllung die Blockade des Emirats gestoppt würde. Zu den 13 Forderungen gehören demnach die Schließung des Senders Al Jazeera, eine Einschränkung der Beziehungen zu Iran, die Auflösung der türkischen Militärbasis in Katar und die Auslieferung aller designierten Terroristen, sagte ein Vertreter einer der vier Staaten der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag.

Bei den Staaten handelt es sich um Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Ägypten. Katar habe zehn Tage Zeit, um die Forderungen zu erfüllen, hieß es.

Al Jazeera hatte in der Nacht unter Berufung auf Insider berichtet, die Forderungen seien an Katar übergeben worden. Einzelheiten zum Inhalt wurden zwar nicht genannt, es gilt aber als unwahrscheinlich, dass das Emirat auf die Bedingungen seiner Gegner eingeht.

Saudi-Arabien und eine Reihe weiterer arabischer Staaten werfen Katar vor, Extremisten zu unterstützen. Sie haben seit Anfang Juni das Land isoliert. Diplomatische Beziehungen wurden abgebrochen, der Luftverkehr gestoppt und Grenzen geschlossen.

Das Emirat weist die Vorwürfe zurück und wird von Iran - dem Erzrivalen Saudi-Arabiens - und der Türkei unterstützt. Der schiitische Iran und das sunnitische Königshaus von Saudi-Arabien konkurrieren um die Vorherrschaft in der Region.

als/dpa/Reuters

insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
darthmax 23.06.2017
1. Al Jazeera
scheint den Diktatoren , Stammesführern der Länder ja echt zu Schmerzen zuzufügen. Der Rest dürfte verhandelbar sein, da die anderen Staaten die Extrem- Fundamentalisten auch unterstützen. Da hat man doch im Jemen im Bündnis so schön Krieg zusammen gegen die Huthis geführt. Sollte da jemand Kritik an den Fähigkeiten des neuen Kronprizen geäussert haben..,.das geht nun garnicht. Da ist ja ein Konflikt mit Herrn Erdogan um den Führungsanspruch abzusehen.
paulus_georgus 23.06.2017
2. Erpressung
Die egoistischen Staaten um den ach so tollen König von von Saudi-Arabien wollen Al Jazeera entfernen, weil sie Angst haben, dass dieser den Menschen zeigt, dass das Haus Saud wie jahrzehnte lang ausgebeutet hat.
jim_beam 23.06.2017
3. Türkische Militärbasis
Al-Jazeera und Iran, das ist nicht so wirklich überraschend. Aber die "Auflösung der türkischen Militärbasis in Katar" ist schon sehr interessant. Erdogan sollte so langsam mal dämmern, dass er in seinen muslimischen "Bruderstaaten" null komma null Freunde hat. Und auch für die EU ist diese Forderung aus dem gleichen Grund interessant.
mimoun74 23.06.2017
4. Unterwerfung unter Saudis!
Die Forderungen stehen alle dafür das Katar seine Souveränität aufgibt und wie Bahrain sich dem neuen Kronprinzen (der in Wirklichkeit die Macht hat) bedingungslos unterwirft. Die Forderung der Schließung der Medien eines anderen Landes zeigt in welche Richtung der neue Saudische Herrschaftsanspruch geht. Al Dschasira ist im Vergleich zu allen anderen arabischen Staatssendern der einzige der noch unangenehme Wahrheiten anspricht und offene Diskussionsrunden ohne Zensur zulässt. Nicht umsonst mit Abstand der beliebteste Sender in der arabischen Welt. Katar ist auch eine Insel der Freiheit gewesen für viele Saudis die im Nachbarland mehr Freiheiten genießen konnten. Frauen dürfen dort Auto fahren, besseres Freizeitangebot etc. Und auch wenn Katar ein islamischen Land ist gibt es dort Kirchen ( eine vom Emir bezahlte) und mehr fortschrittliche Bildungseinrichtungen als am gesamten Golf. Das Katar keine Probleme haben möchte mit dem anderen mächtigen Nachbar ist auch verständlich und man hat sich miteinander arrragiert statt der agressiven saudischen Iran Politik zu folgen. Das ganze hat mit Terrorismus nicht im geringsten zu tun. Beide unterstützten im Prinzip die selben Gruppen in Syrien und anderen Ländern. Dann noch die Forderung nach Abzug der kleinen Militärpräsenz der Türken beweist das man in Wirklichkeit die Katarische Regierung stürzen möchte, da die Türkischen Soldaten wie eine loyalere Leibwache und Zeugen einer möglichen militärischen Invasion der Saudis sein würden. Alles Dinge die eine fundamentalen Einmischung in die grundlegende Souveränität eines Landes darstellen und nur verurteilt werden können.
eule_neu 23.06.2017
5. Sucht Saudi-Arabien und Co. Kriegsgründe?
Es ist schon seltsam, dass Saudi-Arabien als Katalysator für den IS solche Bedingungen an Katar stellt, die es größtenteils selber nicht erfüllen kann. Saudische Personen unterstützen den IS mit Geld und mit anderen Waren, die dortige Staatsreligion dient als Basis für die irrsinnigen menschenverachtenden Taten des IS und für deren Rechtfertigung. Al-Kaida wurde doch erst durch saudische Bürger und der US-Regierung zu dem, was er dann war, eine mörderische Bande. Nun hat ja Saudi-Arabien einen neuen Führer, der anscheinend in kriegerischen Auseinandersetzungen neue Ziele der Politik sieht. Die Religionsauseinandersetzung zwischen Schiiten und Sunniten steht erst am Anfang und Iran und Saudi-Arabien sind die realen Stellvertreter dieser Religionsauseinandersetzung. Eine kriegerische Auseinandersetzung ist nicht auszuschließen und Trumps Iranbashing samt Würdigung des Staates Saudi-Arabien tut ein Übriges. Es geht nicht nur um eine politische Vorherrschaft, sondern auch im Wesentlichen um eine militärische Vorherrschaft im Nahen Osten. Diese Region wird für die restliche Welt auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, ein ständiges Problemfeld bleiben. Europa sollte sich weitgehend aus dem Konflikten heraushalten und nur in humanitären Bereichen Hilfe leisten. Unter Trump sind die USA in ihrer neuen Außenpolitik unberechenbar und nur schwer einschätzbar. Das erhöht die Probleme auch im Nahen Osten. An Saudi-Arabien sollten zukünftig kein militärisch nutzbares Gerät und Waffensysteme aus Europa geliefert werden. Die Machenschaften von Saudi-Arabien und Co. sollten den Bürgern immer wieder vor Augen geführt werden ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.