Katar-Reise: Rösler im Wunderland

Aus Doha berichtet

Katar gehört zu den reichsten Ländern der Welt: Öl und Gas fließen, die Wirtschaft blüht, 2022 findet hier die WM statt. Vizekanzler Philipp Rösler hat für einen Tag die Probleme in der Heimat hinter sich gelassen - und den Wüstenstaat besucht. Auch deutsche Investoren sollen vom Boom profitieren.

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dapd

Rösler in Doha: "Hier kann man Visionen erleben"

Doha - Im 61. Stock des Hotel Kempinski geht der Blick über das Meer und die glitzernden Lichter der Stadt. Da unten liegt Doha, die Hauptstadt von Katar, einem der reichsten Länder der Welt. Gas und Öl gehören zu den Bodenschätzen, die das Emirat reich gemacht haben. Hier oben eröffnet Philipp Rösler die Qatar-German Partnership. Es ist ein Abend der freundlichen Worte. "Hier in Katar kann man erleben, dass es Visionen gibt und man sofort daran arbeitet, sie umzusetzen", sagt der Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister.

Unten, in der Dunkelheit, leuchten hell die vielen Baustellen. Die neue Skyline der Stadt ist in den letzten zehn Jahren rasant gewachsen. Das pyramidenförmige Sheraton-Hotel, einst ein Wahrzeichen, verschwindet hinter den Wolkenkratzern. Auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel stehen Bauarbeiter am Straßenrand und warten darauf, abgeholt zu werden. Der Boom des kleinen Wüstenstaats fußt nicht zuletzt auf den Arbeitskräften, vornehmlich vom indischen Subkontinent. Fast 80 Prozent des Emirats sind Ausländer.

Katar ist ein Land reich an Ressourcen, eine Boom-Region, es hat nach Russland und Iran die drittgrößten Erdgasreserven der Welt. 2022 wird hier die Fußball-WM stattfinden. Im Empfangsraum des Flughafens, wo Rösler und die Delegation kurz warten, bevor es in die Stadt weitergeht, läuft ein Fernseher und überträgt ein lokales Spiel.

Die Deutschen sind bei der WM schon jetzt dabei: wie Albert Speer junior, weltweit tätiger Architekt aus Frankfurt am Main, der mit seinem Büro das Bewerbungskonzept für die WM mitplante. Und der nun mit einem Konzept wieder abbaubarer Stadien, die dann in andere Länder exportiert werden könnten, neue Maßstäbe setzen will. Speer ist auch einer der Gäste an diesem Abend hoch über Doha, er ist Mitglied in Röslers kleiner Wirtschaftsdelegation.

Milliarden fließen ins Emirat

Die Zahlen, die Katar zu bieten hat, sind furchteinflößend - verglichen mit den Wirtschaften des alten Europas. 16 Prozent Wachstum allein in diesem Jahr, 20 Prozent sollen es 2012 sein. Der Emir von Katar hat seinem Land eine "Vision 2030" verordnet: 190 Milliarden US Dollar sollen bis dahin in neue Bauten, vor allem in Bildungseinrichtungen, und Infrastruktur fließen. Allein die Deutsche Bahn AG kann hier auf Investitionen in Höhe von 17 Milliarden hoffen, in Doha ist eine Untergrundbahn geplant.

Die Deutschen genießen hier einen ausgezeichneten Ruf - Katar hat sich vor zwei Jahren auch als Aktionär an Volkswagen beteiligt, also im Heimatland des Niedersachsen Rösler, der als damaliger Landeswirtschaftminister auch im Aufsichtsrat des Konzerns saß.

Im kommenden Jahr ist, voraussichtlich in Berlin, von Katar eine Investitionskonferenz geplant - um weiteres deutsches Geld und vor allem Wissen an den Golf zu bringen. Die Katarer würden gerne auch Flüssiggas liefern. Doch die langen Bindungen der Verträge von 25 Jahren und die hohen Preise sind für deutsche Unternehmen wenig attraktiv. Zumal Deutschland sein Gas aus Russland und Norwegen bezieht.

Zu Hause warten Probleme

Röslers Reise dient in erster Linie der Kontaktpflege. In der arabischen Kultur reagieren Scheichs empfindlich, wenn sie sich nicht angemessen behandelt fühlen. Es ist ein Ausflug in eine andere Welt. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Noch am Dienstagabend hat Rösler im beschaulichen Stuttgart mit dem Initiator des FDP-Mitgliederentscheids, Frank Schäffler, diskutiert. In einem geschlossenen Hotelraum vor rund 130 Zuhörern.

Nächste Woche wird die Partei wissen, ob das Quorum von einem Drittel der Mitglieder erreicht wurde, damit das Basisvotum zu einem Entscheid wird und den Rang eines Parteitagsbeschlusses erhält. Noch fehlen dafür einige tausend Stimmen. Manche in der FDP rechnen nicht mehr damit, dass das geschafft wird.

Sollte Schäffler dennoch mit seiner Kampagne gegen den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM gewinnen und das Quorum sogar erreichen, hat Rösler auf jeden Fall ein Problem. Dann muss er gegensteuern. Und dass ausgerechnet vor Weihnachten und mit Blick auf das traditionelle Dreikönigstreffen der Liberalen am 6. Januar in Stuttgart.

Weltpolitik ist angesagt

Von solchen Sorgen bleibt Rösler auf seiner Reise verschont. In Katar und am Donnerstag und Freitag in Kairo ist Rösler zuallererst als Vizekanzler und Wirtschaftsminister unterwegs. Weltpolitik ist angesagt. Für Rösler sind es weitere Bausteine in der Region. Er war nach dem Sturz Muammar al-Gaddafis mit einer Wirtschaftsdelegation in Libyen, wenig später war er in Bagdad im Irak, begleitet von schwerbewaffneten GSG-9-Männern. Nun steht die vergleichsweise ruhige arabische Halbinsel am Persischen Golf an.

Rösler besucht mit Katar ein Land im Umbruch. Protokollarischer Höhepunkt der Reise ist ein Gespräch mit Scheich Hamad Bin Chalifa Al Thani, dem Emir von Katar, dem höchsten Repräsentanten. Der Emir - Ehemann von drei Frauen und Vater von 18 Kindern - ist ein dem Westen aufgeschlossener Mann. Als erster Golfstaat erhielten vor zwölf Jahren die Frauen das aktive und passive Wahlrecht, an den in letzter Zeit gebauten neuen Universitäten studieren viele Frauen.

Der Emir will seinen Wüstenstaat rüsten für die Zeit, wenn Öl und Gas nicht mehr so reichlich fließen. Der Empfang Röslers zeigt, wie ernst die katarische Seite den Besuch des Vizekanzlers nimmt. Deutsche Politiker haben hier ohnehin Konjunktur, Ende der Woche kommt der Bundespräsident.

Nächster Stopp: Kairo

Eine halbe Nacht und einen halben Tag in Doha, der Glitzerstadt - danach geht es für Rösler in die Krisenregion des Arabischen Frühlings, nach Ägypten. Es ist eine Reise auf die andere Seite der arabischen Welt. Noch weiß niemand, in welche Richtung sich die Revolution entwickeln wird. In Kairo wird sich Rösler mit einer Reihe von Vertretern der neuen, gerade in diesen Tagen gebildeten Übergangsregierung treffen, darunter der Ministerpräsident Kamal al-Ganzuri. Er wird damit der erste deutsche Minister sein, der aus erster Hand etwas über die Probleme des Übergangs erfahren wird.

Zuletzt hatte das Land unruhige Tage hinter sich. Während des andauernden Wahlprozesses, aus dem wohl die islamistische Muslimbrüderschaft als Sieger hervorgehen dürfte, gab es Tote und Verletzte. Für einige Zeit war nicht klar, ob Röslers Reise nach Kairo überhaupt stattfindet. Aus Sicherheitsgründen wurde ein neues Hotel gebucht.

Rösler ist sich der Symbolik der Visite durchaus bewusst. Schon einmal war ein FDP-Parteichef in der Stadt am Nil und sorgte für wundersame Bilder - in Deutschland: Guido Westerwelle. Im Februar ging der Außenminister mit Entwicklungsminister Dirk Niebel über den Tahrir-Platz, das Symbol des Umschwungs, und wurde von Ägyptern lautstark gefeiert.

Westerwelle nutzte das Ereignis im Landtagswahlkampf. Und versah es mit der peinlichen Erläuterung, der Jubel auf dem Platz habe nicht ihm, sondern dem Ansehen Deutschlands gegolten.

Von Rösler, so viel ist sicher, werden solche Sätze nicht zu erwarten sein.

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insgesamt 6 Beiträge
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1.
prinzkai 08.12.2011
Zitat von sysopKatar gehört zu den reichsten Ländern der Welt: Das Öl sprudelt, die*Wirtschaft blüht, 2022 findet hier die WM statt. Vizekanzler Philipp Rösler hat für einen Tag die Probleme in der Heimat .....
"es hat nach Russland und Iran die drittgrößten Erdölreserven der Welt" eigentlich hat Qatar nur die drittgrössten Gasreserven des Planeten - aber nicht Oel. Super recherchiert Severin....
2. Du lieber Himmel!
capitolversicherung 08.12.2011
Zitat von sysopKatar gehört zu den reichsten Ländern der Welt: Das Öl sprudelt, die*Wirtschaft blüht, 2022 findet hier die WM statt. Vizekanzler Philipp Rösler hat für einen Tag die Probleme in der Heimat hinter sich gelassen - und den Wüstenstaat besucht. Auch deutsche Investoren sollen vom Boom profitieren. Katar-Reise: Rösler im Wunderland - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802401,00.html)
Und wir schicken den Polit-Praktikanten dieser Minimal-Partei.
3. Rösler hat kein Format
kellitom 08.12.2011
Immer wenn ich Rösler sehe oder höre muss ich lachen. Ich kann ihn einfach nicht ernst nehmen, wenn er irgendetwas vor sich hinnuschelt. Das Amt des Wirtschaftsministers ist mehrere Nummern zu groß für Rösler.
4. Fipsi auf Reisen....
kinzigriver 08.12.2011
Zitat von sysopKatar gehört zu den reichsten Ländern der Welt: Das Öl sprudelt, die*Wirtschaft blüht, 2022 findet hier die WM statt. Vizekanzler Philipp Rösler hat für einen Tag die Probleme in der Heimat hinter sich gelassen - und den Wüstenstaat besucht. Auch deutsche Investoren sollen vom Boom profitieren. Katar-Reise: Rösler im Wunderland - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802401,00.html)
.. ist doch einfach schön - nun mal nach Katar - wieder mit einer Wirtschaftsdelegation. Er war vor wenigen Wochen noch in Griechenland und hat dort gewaltiges Potenzial für Investitionen entdeckt - daher mussten Mittelstandsfirmen mitfliegen. Nun ist er im Wunderland Katar und auch dort macht er sofort Potential aus. Nur wenige Tage nachdem er aus Griechenland zurück war, wollte dieser Schelm die Griechen komplett aus der Eurozone und EU werfen. Was mag nun mit Katar geschehen wenn er wieder in Deutschland gelandet ist. Liebe Scheichs - achtet auf die Worte unseres Wirtschaftsministers - nehmt euch in Acht.
5. Warum ?
LJA 08.12.2011
Zitat von kellitomImmer wenn ich Rösler sehe oder höre muss ich lachen. Ich kann ihn einfach nicht ernst nehmen, wenn er irgendetwas vor sich hinnuschelt. Das Amt des Wirtschaftsministers ist mehrere Nummern zu groß für Rösler.
Weil er nicht so laut ist wie ein anderer Deutscher Minister, der schon einmal mit der Kavallerie gedroht hatte ? Oder wie der Aussenminister, dessen Aufmerksamkeit heischende Art ja im Artikel ebenfalls erwähnt wurde ? Das ist den Leuten ja auch nicht recht. Also sollte er sich wohl am besten gar nicht benehmen. Er ist aber nun mal der Bundeswirtschaftsminister, ob es uns gefällt oder nicht. Und deshalb sollte man auch lieber etwas deutlicher hin hören, wenn er was sagt.
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Bevölkerung: 1,759 Mio. Einwohner

Fläche: 11.493 km²

Hauptstadt: Doha

Staatsoberhaupt:
Tamim Bin Hamad Al Thani

Regierungschef: Abdullah Bin Nassir Bin Chalifa Al Thani

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