Katar-Krise Ein Jahr Trotz, was nun?

Saudi-Arabien und andere arabische Länder blockieren Katar - sie werfen dem reichen Zwergstaat zu enge Beziehungen zu Iran vor. Katar bezichtigt die Nachbarn der Menschenrechtsverletzungen. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Doha
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Vor einem Jahr hat Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman eine arabische Allianz aus Autokraten und Warlords gebildet, um das aufstrebende Katar zu isolieren. Die sunnitischen Bündnispartner sind damit bislang gescheitert. Das kleine Emirat trotzt der politischen und wirtschaftlichen Blockade - und wirft seinen Golf-Nachbarn nun Menschenrechtsverletzungen vor.

Saudi-Arabien und andere Staaten "hindern unsere Bürger am Reisen, am Arbeiten und am Studieren", sagte Saud bin Abdulrahman, der Botschafter des Emirats in Berlin. "Die Blockade zerschneidet Verbindungen zwischen Familien in den Ländern, die sich seit einem Jahr nicht gesehen haben. Das sind Menschrechtsverletzungen."

Diplomatische Bemühungen erfolglos

Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten werfen Katar seit dem 5. Juni 2017 unter anderem Terrorunterstützung und zu enge Beziehungen zum schiitischen Iran vor. Katar weist die Vorwürfe zurück und hat nach eigenen Angaben seinerseits auf Maßnahmen gegen Bürger der Blockade-Staaten verzichtet. Alle diplomatischen Bemühungen um eine Lösung der Krise am Golf waren bisher erfolglos.

Katar selbst könne mit der jetzigen Situation über Jahre leben, auch wenn das nicht das Ziel sei, sagt Abdulrahman. Das Emirat wolle einen Dialog: "Das ist der einzige Weg zur Lösung der Angelegenheit." Sein Land sei durch die Blockade stärker und unabhängiger geworden: "Katar produziert nun die meisten benötigten Lebensmittel selbst. Wir haben auch den Import breiter aufgestellt."

Katar ist der weltweit größte Exporteur von Flüssiggas und will die Produktion deutlich steigern. Nach dem Pro-Kopf-Einkommen ist der Gastgeber der Fußball-WM 2022 das reichste Land der Welt. Die Blockade hatte zunächst zu einem Engpass bei Importwaren geführt. Finanzielle Ausfälle konnte das Emirat aber aus seinem milliardenschweren Staatsfonds ausgleichen. In diesem Jahr rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einem Wachstum von 2,6 Prozent.

dop/dpa



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