"Katrina"-Gedenken "Wir stehen aufrecht, wir geben nicht auf"

Vor fünf Jahren wütete der Hurrikan "Katrina" - und machte aus der Jazz-Stadt New Orleans einen Trümmerhaufen, mehr als 1800 Menschen starben. Bei einer Trauerfeier gedenken US-Präsident Obama und Hinterbliebene nun der Opfer. Aber hat die Region aus der Katastrophe gelernt?


Washington - Unzählige Menschen sind gekommen, um "Katrina" symbolisch zu Grabe zu tragen: Sie legen Briefe mit Abschiedsbotschaften in einen Sarg, der anschließend mit den Zeugnissen der Trauer und des Zorns beerdigt wird. "Geh weg von uns!", steht auf einem Zettel in roter Kinderschrift. "Ruhe in Frieden" ist auf einem anderen notiert. Es ist ein Gedenkgottesdienst in Chalmette im US-Staat Louisiana.

Fünf Jahre nach dem verheerenden Wirbelsturm "Katrina" haben die Menschen an der Südostküste der Vereinigten Staaten am Sonntag der Opfer des verheerenden Wirbelsturms gedacht. In vielen Städten in den US-Staaten Mississippi und Louisiana wurde in öffentlichen Veranstaltungen an die 1800 Todesopfer erinnert.

Die zentrale Gedenkfeier fand in New Orleans statt, wo der Hurrikan die größten Schäden angerichtet hatte - und die jüngst durch die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko erneut von einem Umweltdesaster heimgesucht wurde. Auch US-Präsident Barack Obama kam zu der Veranstaltung.

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Fünf Jahre nach "Katrina": Gedenken und neu anfangen

Er versprach den Bürgern von New Orleans weitere Unterstützung beim Wiederaufbau. "Meine Regierung wird Ihnen beistehen und an Ihrer Seite kämpfen, bis der Job erledigt ist", sagte Obama an der örtlichen Xavier University. Ihm zufolge werden Milliarden in den Aufbau von Schulen, Straßen, Kanalisationen, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Einrichtungen investiert. Derzeit seien mehr als 170 solcher Projekte in Arbeit. Zudem werde ein neues System aus Schutzwällen New Orleans ab 2011 vor dem nächsten Jahrhundertsturm schützen. "Wir sollten nicht in jeder Hurrikan-Saison wieder Russisches Roulette spielen", sagte Obama. Es war der erste öffentliche Auftritt des Präsidenten nach seinem Sommerurlaub.

Ein Großteil der Opfer war arm und schwarz

Neben dem Präsidenten reisten auch Hollywoodstars nach New Orleans. Der Schauspieler Brad Pitt schaute sich Öko-Häuser an, deren Bau er mit seiner "Make it right"-Stiftung finanziert hatte. Oscar-Preisträgerin Sandra Bullock nahm am Sonntag an der Eröffnung eines neuen Krankenhauses teil, das sie mit Spenden unterstützt hatte. Country-Star Faith Hill hatte bereits am Dienstag ein Konzert gegeben, dessen Einnahmen in Projekte zum Wiederaufbau der Stadt fließen sollen.

Die Woche über hatte Amerika bereits auf die schrecklichen Ereignisse um den Hurrikan zurückgeblickt. Alle großen Fernsehsender berichteten in Sondersendungen über den Jahrestag.

Der Wirbelsturm war im August 2005 mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Stundenkilometern über die Region gefegt. Am schlimmsten hatte es New Orleans getroffen: Die Stadt mit ihren rund 355.000 Einwohnern stand damals fast vollständig unter Wasser, mehr als 130.000 Häuser wurden zerstört oder beschädigt. Fast die Hälfte der Todesopfer in New Orleans lebte im Stadtviertel Lower Ninth Ward, dessen Bewohner überwiegend arm und schwarz sind. Für viele Bürger sind die Folgen bis heute nicht überwunden. Auch fünf Jahre nach dem Sturm ist Lower Ninth Ward erst wieder zu 25 Prozent bewohnt.

Obama kritisiert Bushs Krisenmanagement

New Orleans' Bürgermeister Mitch Landrieu appellierte an den Mut der Bürger. "Wir stehen immer noch aufrecht, und wir werden niemals, niemals aufgeben", sagte er bei einer Trauerfeuer in dem Stadtteil. "Wenn wir Lower Ninth nicht wiederaufbauen können, können wir Amerika nicht wiederaufbauen."

Experten hatten damals kritisiert, dass New Orleans schlecht vorbereitet war. Die Hilfen seien viel zu spät gekommen. So seien Evakuierungen nur zögerlich angelaufen, die Behörden seien wie gelähmt gewesen und hätten planlos bis chaotisch gehandelt. Dem damaligen Präsidenten George W. Bush wurde vorgehalten, er habe sich zunächst gar nicht um die Katastrophe gekümmert. Erst als der öffentliche Druck zu groß geworden war, handelte seine Regierung. Das sprach jetzt auch Bushs Nachfolger Obama an: Er bezeichnete den Wirbelsturm und seine Folgen als "von Menschenhand geschaffene Katastrophe, ein schändliches Versagen der Regierung, die zahllose Männer, Frauen und Kinder sich selbst überließ". New Orleans sei danach zu einem Symbol der Ausdauer und der Gemeinschaft geworden.

Mittlerweile wurden in New Orleans Schutzwälle verstärkt und befestigt. Doch selbst wenn die Metropole heute vor einem Sturm besser gewappnet ist denn je - andere Küstenorte haben aus der Katastrophe anscheinend wenig gelernt. Immer noch zerstören neue Bauprojekte schützende Marsch- und Feuchtgebiete, werden Hotels und Casinos zu dicht am Wasser errichtet.

Als ob es ein zweites "Katrina" nicht geben könnte. Doch bei vielen Menschen ist die Angst vor einem ähnlichen Jahrhundertsturm auch fünf Jahre danach noch groß.

New Orleans: Kampf gegen Überschwemmungen
200 Kilometer Deiche
Das Gebiet der US-Südstaatenmetropole New Orleans liegt zwischen dem Mississippi-Delta und dem Lake Pontchartrain. Es wird mit einer Suppenschüssel verglichen: 70 Prozent der Fläche liegen unterhalb des Meeresspiegels. Seit ihrer Gründung im Jahr 1718 muss die Stadt darum gegen Überschwemmungen kämpfen. Heute schützen Deiche mit einer Gesamtlänge von mehr als 200 Kilometern sowie ein System aus Kanälen, Schleusen und Pumpstationen die Metropole. mehr zu New Orleans auf der Themenseite
Trauma "Katrina"
Der letzte Hurrikan, der die Stadt traf, war 2005 "Katrina": Nach Deichbrüchen wurde New Orleans damals fast vollständig überflutet, rund 1800 Menschen kamen ums Leben. Das Krisenmanagement war überfordert. mehr zu "Katrina" auf der Themenseite
1,4 Millionen Menschen im Großraum
New Orleans ist mit rund 470.000 Einwohnern die größte Stadt im US-Bundesstaat Louisiana, im Großraum leben sogar 1,4 Millionen Menschen. Mit ihrem bedeutenden Seehafen ist sie der wichtigste Außenhandelsplatz für die Erzeugnisse der Mississippi-Staaten wie Erdöl, Baumwolle und Zucker. Die Altstadt (French Quarter) mit französischen und spanischen Architektureinflüssen ist Hauptanziehungspunkt für jährlich Hunderttausende Touristen. Der hier Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte New-Orleans-Jazz gilt als erste voll ausgebildete Stilform dieser Musikrichtung.

yes/otr/dpa/apn/AFP

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tbax 30.08.2010
1. Bild
Habt ihr nicht ein noch unbelichteteres Foto von Obama :) Jackson wurde immer heller, Obama wohl immer dunkler. Ihr Schlimmen ihr.
Gandhi, 30.08.2010
2. Man hoert nichts von den Bushisten
bei diesem Gedenken (natuerlich auch nicht von Beck/Palin, denn die Leute dort unten, Opfer des Bush-Regimes, koennen sie nicht verarschen. Interessant ist es aber dennoch. NBC hat Bushs Held "Brownie" interviewed. Der Mann gab unumwunden zu, dass er und seine FEMA nicht in der Lage waren, wirkungsvolle Hilfe zu leisten. Und da auch Bush dies wusste, wurde eben einfach so getan als ob, wobei man ganz genau wusste, dass die Realitaet anders war. Bush war so unfaehig, dass man sich fragen muss, was konnte er eigentlich (ausser luegen). Und weil er so unfaehig war, und die Republikaner das einfach nicht zugeben koennen, setzen sie heute auf Demagogie , um Obama zu demontieren. Einerseits ist es gut, dass Obama nicht auf ihr Niveau abgleitet, andererseits wuerde es vielleicht nicht schaden, wenn er sie nicht mit Samthandschuhen anfasste.
hohensalzburg 30.08.2010
3. Das hohe Risiko einer Stadtlage weitgehend unter Meeresniveau
Bei aller Anteilnahme um das Schicksal der Stadt New Orleans und die Folgen nach dem Wirbelsturm "Katrina" stelle ich mir immer wieder die Frage: Ist es nicht generell ein hohes Risiko, dass eine ganze Stadt UNTER dem Meeresniveau liegt, lediglich geschützt von einem System von Dämmen, Deichen und aufwendigen Pumpwerken. Wenn auch mit hohem finanziellen Aufwand das Schutzsystem wieder aufgebaut wird, gibt es keinerlei Garantie für die Zukunft, dass nicht wieder der nächste Wirbelsturm all die Investitiionen zunichte macht. Meiner Information nach wurde im vergangenen Jhdt. in Texas eine vom Wirbelsturm zerstörte Küstenstadt aufgegeben, dafür weiter im Landesinneren neu aufgebaut.
tbax 30.08.2010
4. sorry
Zitat von tbaxHabt ihr nicht ein noch unbelichteteres Foto von Obama :) Jackson wurde immer heller, Obama wohl immer dunkler. Ihr Schlimmen ihr.
Sorry, ich meinte "unterbelichteteres Foto". Was für ein kompliziertes Wörtchen :)
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