Kaukasus-Konflikt: Vorauskommandos stoßen ins Landesinnere

Russische Spezialeinheiten und Panzerkolonnen sind auf tschetschenisches Gebiet vorgedrungen und haben im Norden, Westen und Osten Befestigungen errichtet. Beobachter gehen davon aus, dass Russland bald eine Bodenoffensive in der abtrünnigen Kaukasus-Republik beginnen wird.

Russische Truppen auf dem Weg zur tschetschenischen Grenze
DPA

Russische Truppen auf dem Weg zur tschetschenischen Grenze

Moskau - Mit dem Vorstoß russischer Spezialeinheiten und Panzerkolonnen auf tschetschenisches Gebiet hat sich die militärische Konfrontation zwischen Russland und seiner abtrünnigen Kaukasus- Republik weiter verschärft. Vorauskommandos hätten im Norden, Westen und Osten Tschetscheniens Befestigungen errichtet, berichtete der Fernsehsender NTW am Freitag unter Berufung auf Militärquellen. Während die Luftwaffe den neunten Tag in Folge Stützpunkte moslemischer Rebellen bombardierte, wurde der Vorstoß als Hinweis für den baldigen Beginn einer Bodenoperation gesehen. Immer mehr Zivilisten flüchteten aus Tschetschenien.

Die Truppen seien fünf bis zehn Kilometer auf tschetschenisches Territorium vorgedrungen und hätten strategische Höhen besetzt, berichtete NTW. Angaben über die Zahl der Soldaten gab es nicht. Die Einheiten errichteten nach diesen Angaben Befestigungen nahe Bamut westlich der Hauptstadt Grosny sowie bei Sandak und Galajti östlich von Grosny. Eine Panzerkolonne sei zudem in das nördliche Naurski-Gebiet vorgedrungen.

Die Befestigungen könnten die russischen Truppen im Falle eines Einmarsches in die Republik sichern, meinten Beobachter. Möglicherweise wird aber auch mit der Bildung des von der russischen Führung angekündigten Sicherheitsgürtels rund um Tschetschenien begonnen, mit dem neue Vorstöße der Rebellen in benachbarte Provinzen verhindert werden sollen.

Die Panzerkolonne war nach tschetschenischen Angaben bereits am Donnerstag in die Republik vorgedrungen. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hatte zuvor ausdrücklich die Bereitschaft zu Militäreinsätzen auf tschetschenischem Gebiet betont. Russische Einheiten seien außerdem in den vergangenen Wochen bereits mehrmals auf tschetschenisches Gebiet vorgedrungen, hatte er gesagt.

Bis Freitag seien bereits 88.000 Flüchtlinge in der Nachbarrepublik Inguschetien gezählt worden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Ministerium für Katastrophenschutz in Moskau. Täglich kämen bis zu 3000 Menschen dazu, sagte Inguschetiens Präsident Ruslan Auschew. Ein erster Hilfskonvoi der Vereinten Nationen (UN) mit 80 Tonnen Hilfsgütern traf in der Republik ein. Drei weitere Konvois seien geplant, sagte ein Sprecher. Eine russische Transportmaschine brachte 19 Ärzte, ein Feldlazarett und vier Tonnen Medikamente nach Inguschetien.

Weiterhin saßen etwa 3000 Flüchtlinge an der Grenze zur Nachbarrepublik Dagestan fest. Die Behörden haben die Verwaltungsgrenze aus Angst vor dem Eindringen von Rebellen geschlossen. Etwa 150 Tschetschenen flüchteten seit Donnerstag zu Fuß über die Berge in das benachbarte Georgien, meldete die Agentur Itar- Tass. Die Sicherheitsmaßnahmen an der Grenze wurden verschärft.

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