Tauziehen um Atomprogramm: Iran gibt nicht nach

Es wirkt wie ein Spiel auf Zeit: Zuletzt zeigte sich Iran zur Kooperation bereit. Jetzt gibt das Land in den Verhandlungen um sein Nuklearprogramm mit der Atombehörde IAEA wieder keinen Zoll nach. Gespräche am Freitag endeten ohne Ergebnis. Immerhin sollen sie fortgesetzt werden.

IAEA-Chefinspekteur Nackaerts, iranischer Botschafter Soltanieh: Kein Fortschritt Zur Großansicht
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IAEA-Chefinspekteur Nackaerts, iranischer Botschafter Soltanieh: Kein Fortschritt

Wien/Hamburg - Im Tauziehen um das umstrittene iranische Atomprogramm verhärten sich die Fronten. Zwar betonten beide Seiten, man sei in "konstruktivem Geist" in das Gespräch gegangen. Dennoch ist ein weiteres Treffen von Vertretern der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA und Iran am Freitag in Wien ergebnislos geblieben.

"Es hat keinen Fortschritt gegeben", sagte IAEA-Chefinspekteur Herman Nackaerts am Abend vor Journalisten: "Das ist enttäuschend". Er erklärte, die IAEA habe einen neuen Entwurf der Vereinbarung vorgelegt, der frühere Einwände Irans berücksichtigt habe. Die Vertreter Teherans hätten jedoch bereits behandelte Themen wieder in Frage gestellt und neue Fragen aufgeworfen.

Der iranische Botschafter bei der IAEA Ali Asghar Soltanieh sagte, es handle sich um eine sehr heikle Materie. Man benötige mehr Zeit, um Differenzen auszuräumen.

Keine Auskunft zu ausländischen Bezugsquellen für Nukleartechnologie

Vor den Gesprächen hatte China von Iran Flexibilität im Atomstreit gefordert. Bei einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad am Freitag in Peking sagte Staats- und Parteichef Hu Jintao, China befürworte eine Lösung durch Dialog. Doch diese scheint nun wieder in weite Ferne gerückt zu sein. Die Gespräche sollen fortgesetzt werden, ein Termin steht allerdings noch nicht fest.

Bei dem Treffen wurde über eine Vereinbarung verhandelt, die die Modalitäten künftiger Inspektionen regeln soll. Dabei geht es um Zugang zu Anlagen, Dokumenten und Experten. Bei einem Besuch in Teheran am 21. Mai hatte sich IAEA-Chef Yukiya Amano mit dem iranischen Atom-Chefunterhändler Said Dschalili darauf verständigt, dass die bestehenden Meinungsunterschiede darüber einer Einigung nicht im Wege stünden; Iran zeigte sich damals zur Kooperation mit den Atomwächtern bereit.

Nach Informationen von Diplomaten in Wien beharrt Iran nun aber darauf, dass Themen, zu denen Teheran der Behörde bereits einmal Auskunft gegeben hat, nicht wieder geöffnet werden dürfen. Iran will außerdem grundsätzlich keine Auskunft zu ausländischen Bezugsquellen für Nukleartechnologie geben.

Viele Länder verdächtigen das islamische Land, an einem geheimen Atomwaffenprogramm zu arbeiten. Vertreter Teherans haben dies stets bestritten. Der iranische Botschafter erklärte am Freitag erneut, das Atomprogramm des Irans verfolge ausschließlich zivile Ziele.

bos/AFP/dpa

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