Schabab-Massaker an Studenten Der Terror kehrt nach Kenia zurück

Es ist der bislang verheerendste Anschlag der Schabab-Miliz in Kenia: Beim Überfall auf eine Universität töteten die Dschihadisten 147 Studenten. Die USA fürchten weitere Massaker der Islamisten in Afrika.

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Den Sicherheitskräften bot sich ein Bild des Schreckens: Haus für Haus, Raum für Raum durchkämmten sie das Gelände der Universität von Garissa. Und je weiter sie sich vorarbeiteten, umso mehr Leichen zählten sie.

147 Tote zählte Kenias Armee am Ende des Donnerstags. Bis zuletzt versuchten die vier Terroristen, so viele Leute wie möglich umzubringen. Als sie von den Soldaten umkreist waren, zündeten sie ihre Sprengstoffwesten, mehrere Sicherheitskräfte wurden von herumfliegenden Splittern verletzt.

Die Angreifer waren am Donnerstagmorgen auf den Campus der Universität von Garissa vorgedrungen, einer Stadt knapp 200 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt. Dort hat die Schabab-Miliz ihr Hauptquartier, eine islamistische Terrorgruppe, die sich zu dem Anschlag bekannt hat.

Die Attentäter von Garissa machten am Gründonnerstag gezielt Jagd auf christliche Studenten. Laut Augenzeugen zwangen sie ihre Opfer mit vorgehaltener Waffe, Koranverse zu rezitieren. Wer das nicht konnte, wurde erschossen.

Dieses Muster ähnelt dem Vorgehen der Schabab-Miliz bei ihrem letzten spektakulären Terroranschlag in Kenia. Im September 2013 überfiel ein Kommando das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi. Auch damals wählten sie gezielt Christen als Opfer aus. Bei dem viertägigen Geiseldrama wurden 71 Menschen getötet, darunter vier Milizionäre.

Mit dem Überfall auf die Universität meldet sich al-Schabab im zynischen Wettstreit der islamistischen Terrororganisationen zurück. Während der "Islamische Staat" (IS), al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel, Boko Haram und die pakistanischen Taliban mit Enthauptungen, den Anschlägen von Paris, Entführungen und dem Massaker an einer in Peschawar für Aufsehen sorgten, trat al-Schabab zuletzt kaum international in Erscheinung. Doch die permanente Erzeugung von Aufmerksamkeit und Schrecken ist für die Terrorgruppen wichtig beim Werben um Spenden und Kämpfer.

Nach Angaben der Regierung in Nairobi ist das Massaker von Garissa der 17. Anschlag von al-Schabab in Kenia seit 2012. Dabei sind insgesamt knapp 500 Menschen getötet worden. Die Dschihadisten rechtfertigen ihre Terrorkampagne mit der Präsenz kenianischer Truppen in Somalia. Die Friedensmission der Afrikanischen Union (AU) stützt die Übergangsregierung in Mogadischu.

Kenia und seine Verbündeten können bei ihrem Einsatz durchaus Erfolge verbuchen. Zwar ist Somalia weit davon entfernt, eine stabile Regierung zu haben, die Autorität über das ganze Land ausübt. Es ist den Truppen aber gelungen, al-Schabab aus Mogadischu und anderen Landesteilen zurückzudrängen.

Kenias Regierung brandmarkt Somalis

In Kenia selbst leben Hunderttausende somalische Flüchtlinge unter schwierigsten Bedingungen. In der Umgebung von Dadaab, einem Wüstenort auf halbem Wege zwischen Garissa und der Grenze, leben mehr als eine halbe Million Somalier in Flüchtlingscamps.

Nicht nur sie, auch einheimische Kenianer aus dem Grenzgebiet fühlen sich von der Zentralregierung in Nairobi vernachlässigt. Auch in Garissa leben viele ethnische Somalis, sie werden wegen der Anschläge der Schabab-Miliz pauschal als potentielle Terroristen gebrandmarkt. Das treibe den Dschihadisten erst recht Nachwuchskämpfer in die Arme, sagt Peter Alingo vom Kenianischen Institut für Sicherheitsstudien. "Wir brauchen einen nationalen Dialog um der kenianischen Jugend ein Selbstwert- und Zugehörigkeitsgefühl zu geben."

Die USA rechnen mit weiteren Anschlägen von al-Schabab in Afrika. Bereits Ende März warnte Washingtons Botschaft in Uganda westliche Ausländer vor Attentaten. Es gebe Hinweise, dass Selbstmordattentäter versuchten, in das Land zu gelangen. 2010 hatte waren bei einem Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Kampala 76 Menschen getötet worden, die auf einer Videoleinwand das WM-Finale anschauten.

Uganda gehört neben Kenia zu den größten Truppenstellern für die Friedensmission in Somalia. Die Regierung in Kampala hat die meisten öffentlichen Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres untersagt.


Zusammengefasst: Mit dem Massaker an einer Universität in Kenia meldet sich die somalische Miliz al-Schabab zurück im zynischen Wettstreit der islamistischen Terrororganisationen. Mit weiteren Anschlägen in Afrika ist zu rechnen.

Boko Haram (Nigeria, Kamerun, Tschad, Niger)

Ziele: Boko Haram kämpft für einen islamischen Gottesstaat im Norden Nigerias und in den angrenzenden Nachbarländern Kamerun, Tschad und Niger.

Geschichte: Seit 2009 bekämpft Boko Haram mit Terroranschlägen und regulären Militärmanövern den Staat und die Zivilbevölkerung in Nordnigeria, seit 2014 vermehrt auch in Nachbarländern. Inzwischen kontrollieren die Milizen nahezu den gesamten Bundesstaat Borno, seit Anfang 2015 gehen dort auch Soldaten aus Niger, Tschad und Kamerun gegen die Terroristen vor. Zwischen 2009 und 2015 fielen mehr als 13.000 Menschen Boko Haram zum Opfer, zudem hat die Gruppe Hunderte Kinder entführt.

Bedeutung: Boko Haram zählt zu den weltweit gefährlichsten Terrororganisationen. Die Sekte hat den nigerianischen Staat erheblich destabilisiert und die gesamte Region in Aufruhr versetzt. Im März 2015 schwor Anführer Abubakar Shekau der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) die Treue, die 2014 in großen Teilen Syriens und des Iraks ein islamistisches Terrorregime errichtet hat. Durch diesen Pakt dürfte Boko Haram seine Attraktivität für Dschihadisten weiter erhöht haben.

(Quelle: Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin)

Schabab-Miliz (Somalia und Kenia)

Ziele: Die "Somalische Bewegung der Mudschahidin-Jugend", kurz Schabab-Miliz, will am Horn von Afrika einen islamischen Gottesstaat etablieren. Dieser soll in der Tradition der Sultane von Sansibar stehen, die einst über große Gebiete in den heutigen Staaten Somalia, Kenia und Tansania herrschten.

Geschichte: 2004 gegründet, verübte die Organisation seit 2008 immer häufiger Anschläge. Seit 2012 ist sie Mitglied des Terrornetzwerks al-Qaida. Die Schabab-Miliz agiert jedoch autonom, nutzt das Qaida-Label lediglich für Rekrutierung und Propaganda.

Bedeutung: Schabab-Anführer Ahmed Abdi Godane wurde im September 2014 bei einem US-Drohnenangriff getötet. Das schwächte die Gruppe, bedeutete aber nicht ihr Ende: Im Frühjahr 2015 gehörten schätzungsweise zwischen 7000 und 15.000 Kämpfern der Miliz an.

(Quelle: Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin)

Aqim - Al-Qaida im islamischen Maghreb (Algerien)

Ziele: Das Terrornetzwerk "Al-Qaida im islamischen Maghreb" (Aqim) kämpft für eine Durchsetzung radikalislamischer Prinzipien – vor allem in Algerien, langfristig will die Organisation aber global expandieren. Ihr Anführer Abdalmalik Droukdal, der sich als "Emir" Abu Musab Abd al-Wudud bezeichnet, hat sich im Konkurrenzkampf zwischen IS und al-Qaida hinter letztere gestellt.

Geschichte: Im Jahr 2006 benannte sich die algerische Terrorzelle Groupe Salafiste pour la Prédication et la Combat (GSPC) in Aqim um. Im Dezember 2007 verübte sie Anschläge auf ein Uno-Gebäude und den Regierungssitz in der Hauptstadt Algier mit Dutzenden Toten. Aqim finanziert sich über Schmuggel, Schutzgelder sowie Lösegelder für die Freilassung westlicher Touristen.

Bedeutung: Aqim ist zu einem der einflussreichsten Terrornetzwerke des Kontinents aufgestiegen, bekommt seit einigen Jahren jedoch wachsende Konkurrenz in Nordafrika. Zudem sinkt wegen vieler Schutzgelderpressungen der Rückhalt in der Bevölkerung, weshalb regelmäßig Aqim-Dschihadisten denunziert und gestellt werden. Dank zahlreicher Einnahmequellen kann die Organisation ihre Kämpfer jedoch gut bezahlen und so auch ideologisch weniger überzeugte Anhänger rekrutieren. In Algerien verfügt die Organisation Schätzungen zufolge über bis zu tausend Kämpfer.

(Quelle: Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin)

Ansar al-Scharia (Libyen und Tunesien)

Ziele: Ansar al-Scharia ("Anhänger des islamischen Rechts") kämpft für die Durchsetzung einer radikalislamischen Idee. Die salafistische Miliz stammt aus Libyen, kooperiert aber mit zahlreichen anderen Gruppen in Nordafrika und ist auch mit der Terrormiliz IS in Syrien und im Irak lose verbunden.

Geschichte: Die Gruppe entstand während des libyschen Bürgerkriegs 2011 und war zunächst zwei Jahre lang als legale Organisation mit karikativen Einrichtungen in ihren Hochburgen sehr beliebt. Im Zuge einer fortschreitenden Radikalisierung bis zum Verbot im August 2013 gingen aus dem Umfeld der Miliz mehrere libysche IS-Ableger hervor. Ansar al-Scharia finanziert sich offenbar über Zuwendungen etwa aus Mali, Libyen und dem Jemen. Auch aus Saudi-Arabien und Kuwait soll Geld geflossen sein.

Bedeutung: Der Einfluss der Gruppe in Libyen ist zwar beschränkt, da dort etliche Gruppen und Milizen aktiv sind. Doch für den internationalen Dschihadismus ist die Gruppe sehr bedeutend: Sie kooperiert mit dem IS und ist Teil eines Netzwerks islamistischer Gruppen in ganz Nordafrika. Zudem ist die Gruppe zahlenmäßig stark: Anfang 2013 soll sie bis zu 10.000 Anhänger gehabt haben.

(Quelle: Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin)

Dschund al-Chilafa (Algerien)

Ziele: Die "Soldaten des Kalifats" (Dschund al-Chilafa) kämpfen im äußersten Westen Algeriens für einen islamischen Gottesstaat – mit äußerster Brutalität.

Geschichte: Der Dschihadist Khaled Abu Suleiman gründete im September 2014 Dschund al-Chilafa als Abspaltung des afrikanischen Qaida-Ablegers Aqim, die Gruppe schloss sich daraufhin dem IS an. Große Bekanntheit erlangte sie, nachdem sie im Herbst desselben Jahres die französische Geisel Hervé Gourdel enthauptet hatte.

Bedeutung: Die Terrororganisation ist eine kleine Gruppe. Der Treueschwur auf IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi zeigt jedoch beispielhaft, wie sehr der IS die Vormachtstellung der Qaida und anderer Dschihadistengruppen in Nordafrika bedroht – und dass daher mit einer Ausweitung einer äußerst brutalen Form des militanten Dschihadismus in Afrika zu rechnen ist.

(Quelle: Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin)

Mujao - Movement for Unity and Jihad in West Africa (Nordwestafrika)

Ziele: Die "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" (Movement for Unity and Jihad in West Africa, kurz Mujao) kämpft im Norden Malis und in den angrenzenden Ländern für einen islamischen Staat auf der Grundlage ihrer strengen Auslegung der Scharia: Straftätern werden Berichten zufolge die Gliedmaßen abgehackt, auch öffentliche Auspeitschungen sind an der Tagesordnung. Frauen dürfen nur noch komplett verschleiert auf die Straße gehen.

Geschichte: Mujao gründete sich im Oktober 2011 als Splittergruppe von Aqim und breitete sich im Norden Malis rasch aus. Im März 2012 brachte sie die Stadt Gao unter ihre Kontrolle und konnte erst nach einer militärischen Intervention Frankreichs zurückgeschlagen werden. Viele Mujao-Einheiten stellten sich dem Kampf jedoch nicht und greifen seitdem regelmäßig aus ihren Rückzugsorten in der Wüste ausländische Soldaten an. Aus Mujao ging später die Terrororganisation al-Mourabitoune hervor.

Bedeutung: Nach der Intervention der französischen Armee in Mali haben die Uno und die Europäische Union Hunderte Soldaten und Ausbilder in das Land geschickt, auch die Bundeswehr ist an diesen Missionen beteiligt. Seitdem ist der Einfluss der Mujao-Milizen geschwächt – dennoch kommt es immer wieder zu blutigen Anschlägen, auch im Süden des Landes.

(Quelle: Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin)

Lord's Resistance Army (Uganda, Demokratische Republik Kongo, Zentralafrika)

Ziele: Die christlich-fundamentalistische Lord's Resistance Army ("Widerstandsarmee des Herrn", kurz LRA) bekämpft im Herzen des afrikanischen Kontinents mehrere Regierungen – vor allem die von Uganda.

Geschichte: Die LRA ist für etliche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Uganda, der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik verantwortlich. Seit Jahrzehnten überfällt die Gruppe Dörfer und verschleppt Kinder, um sie als Kämpfer einzusetzen oder als Sexsklaven zu missbrauchen. Die LRA soll mehr als 100.000 Menschen getötet und 60.000 Kinder verschleppt haben. 2005 zog sich die Gruppe aus Uganda zurück, doch im Grenzgebiet zwischen Zentralafrika, dem Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo wütet sie weiter.

Bedeutung: Im Januar 2015 fasste das US-Militär den führenden Kommandeur der Gruppe und kündigte an, Dominic Ongwen vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag stellen zu lassen. Die Festnahme Ongwens, der als einer der wichtigsten Stellvertreter des LRA-Warlords Joseph Kony (Foto) gilt, dürfte die LRA geschwächt haben.

Battar-Brigade (Libyen)

Ziele: Die Battar-Brigade kämpft für einen islamischen Staat und eine radikale Auslegung der Scharia – vor allem in Libyen.

Geschichte: Die 2012 gegründete Gruppe schloss sich schon nach kurzer Zeit der Terrormiliz IS an und kämpfte an deren Seite im syrischen Bürgerkrieg gegen die Nusra-Front, die "Freie Syrische Armee" und den "Islamischen Staat". Als die Kämpfe im Sommer 2014 intensiver wurden, kehrten etliche Battar-Kämpfer ins libysche Bengasi zurück und importierten so den radikalen IS-Dschihadismus.

Bedeutung: Die Aufnahme der lybischen Dschihadisten in die Reihen des IS dürfte maßgeblich zur Radikalisierung des islamistischen Milieus in Libyen beigetragen haben. Deshalb hat die Miliz auch dementsprechend enge Verbindungen zur Dschihadistengruppe Ansar al-Scharia.

Ansar al-Din (Mali)

Ziele: Ansar al-Din, die selbsternannten "Helfer des Glaubens", fordern eine radikale Interpretation der Scharia. Die Rebellen kämpfen für eine Abspaltung des Nordens von Mali: Das Gebiet, das sie für sich beanspruchen, reicht von den Grenzen zu Algerien und Niger bis zum Fluss Niger bei Timbuktu.

Geschichte: Ansar al-Din entstand im Mai 2012 als Zusammenschluss von Tuareg-Rebellen und militanten Islamisten. Großes Aufsehen erregte die Gruppe, als sie gemeinsam mit anderen Dschihadisten im Frühjahr 2012 das malische Timbuktu eroberte und im Norden des Landes eine "Islamische Republik Azawad" ausrief. Dort führte Ansar al-Din eine strenge Form der Scharia ein und zerstörte Jahrhunderte alte Mausoleen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörten.

Bedeutung: In den Wirren des malischen Bürgerkriegs erlangte die Gruppe beträchtliche Bedeutung – allerdings nur bis zur französischen Militärintervention im Jahr 2013. Die Gruppe ist jedoch gut vernetzt und soll auch in Verbindung zu Aqim stehen.

Muwaqiun bi-l Dam (Algerien und Mali)

Ziele: Die Gruppe Muwaqiun bi-l Dam ("Die mit Blut unterschreiben") operiert aus Algerien, tritt aber vor allem in Mali für einen strengen Islam ein – und kämpft in dem westafrikanischen Land für eine Befreiung von westlichen Einflüssen.

Geschichte: Muwaqiun bi-l Dam spaltete sich im Dezember 2012 von Aqim ab. Großes Aufsehen erregte die Gruppe, als sie im Januar 2013 die Gasförderanlage von Ain Amenas im Osten Algeriens angriff und Dutzende Geiseln nahm. Nach drei Tagen beendete die französische Armee die Geiselnahme, mindestens 67 Menschen kamen dabei ums Leben.

Bedeutung: Viel ist über den Hintergrund der kleinen Gruppe nicht bekannt, Experten halten sie für eine zahlenmäßig überschaubare Qaida-Untergruppe im Süden Algeriens. Zudem meldete das tschadische Militär im März 2013 den Tod ihres Anführers Mokhtar Belmokhtar (Foto) in Mali. Die Geiselnahme der Gruppe im Januar 2013 nahe der algerisch-libyschen Grenze als Reaktion auf die französische Intervention in Mali veranschaulicht jedoch die Bedeutung grenzüberschreitender Netzwerke islamistischer Gruppen in Nordwestafrika.

Uqba ibn Nafi (Tunesien und Algerien)

Ziele: Im Westen Tunesiens und in der algerischen Grenzregion kämpft Uqba ibn Nafi für eine radikale Auslegung der Scharia. Die tunesische Regierung erklärte die Gruppe 2012 zu einem Ableger von Aqim, es gibt aber auch Hinweise auf eine Nähe zu Ansar al-Scharia.

Geschichte: Uqba ibn Nafi trat erstmals 2012 in Erscheinung, als bei einer Schießerei ein Grenzpolizist getötet wurde. 2013 kamen bei einem Anschlag der Gruppe acht Soldaten ums Leben. Die Gruppe finanziert sich über den Schmuggel von Waffen, Drogen und Benzin über die tunesisch-algerische Grenze. Trotz enger Zusammenarbeit der dortigen Sicherheitskräfte ist es bislang nicht gelungen, die gut vernetzte Terrorzelle unter Kontrolle zu bekommen.

Bedeutung: Die selbsternannte Katiba (Brigade) ist relativ klein und soll Schätzungen zufolge über höchstens 100 Kämpfer verfügen. Sie gilt jedoch neben Ansar al-Scharia als wichtigste Dschihadistengruppe Tunesiens und hat sich zum ernsten Problem für die tunesischen Streitkräfte entwickelt: Da viele Bewohner der Grenzregion vom weitverzweigten Schmuggel der Islamisten profitieren, genießt Uqba ibn Nafi einen vergleichsweise großen Rückhalt in der Bevölkerung.

(Quelle: Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin)

Ansar Bait al-Makdis (Ägypten)

Ziele: Ansar Bait al-Makdis ("Unterstützer Jerusalems") kämpft auf der ägyptischen Halbinsel Sinai für einen islamischen Staat nach dem Vorbild des IS.

Geschichte: Mit dem Sturz des islamistischen Staatspräsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 begann der Aufstieg von Ansar Bait al-Makdis im Nordsinai, wo sie seitdem etliche Anschläge verübt hat. Im November 2014 schloss sich die Gruppe dem IS an und benannte sich um in Wilaja Sina ("Staat Sinai"). Im Internet verbreitete die Gruppe Banner mit dem Slogan "Islamischer Staat - Provinz Sinai".

Bedeutung: Der geschickt vermarktete Treueschwur auf IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi dürfte die Rolle der Terrorzelle gegenüber anderen dschihadistischen Gruppen auf dem Sinai stärken: Die Gruppe wird dadurch attraktiver für potenzielle Kämpfer und kann auf finanzielle und militärische Unterstützung des IS hoffen.

Mit Material von AP



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