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Al-Schabab-Angriff in Kenia: Die Gräuel von Garissa

Ein kenianischer Soldat beim Einsatz in Garissa Zur Großansicht
REUTERS

Ein kenianischer Soldat beim Einsatz in Garissa

Sie stürmten den Campus, nahmen Studenten als Geiseln, töteten offenbar gezielt Christen: Mehr als 140 Studenten hat die islamistische Schabab-Miliz nach Regierungsangaben in der kenianischen Stadt Garissa ermordet.

In der kenianischen Stadt Garissa hat die islamistische Schabab-Miliz ein Blutbad angerichtet: Dutzende Studenten wurden an diesem Donnerstag bei dem Angriff der Terroristen umgebracht. Zunächst gaben Behörden die Zahl der Toten mit 70 an, korrigierten sie im Laufe des Abends auf "mindestens 147".

Auch zwei Polizisten kamen nach Angaben der Regierung in Nairobi ums Leben. Wie Innenminister Joseph Nkaiserry mitteilte, wurden vier Angreifer erschossen. "Wir säubern nun die Gegend", fügte er hinzu.

Vermummte Kämpfer der vorwiegend im Nachbarland Somalia agierenden Schabab-Miliz, die sich zu der Tat bekannte, hatten den Campus am Morgen gestürmt und nach eigenen Angaben gezielt christliche Studenten getötet oder als Geiseln genommen. Auf einer Aufnahme waren in nur einem Klassensaal der Universität ein Dutzend blutüberströmte Körper zu sehen. "Wir hörten Schüsse, als wir schliefen. Es muss gegen 5 Uhr gewesen sein, und die Jungs sprangen auf und rannten um ihr Leben", sagte einer der Studenten Reuters-TV.

Studenten in Garissa, die dem Terror entkommen konnten Zur Großansicht
AP

Studenten in Garissa, die dem Terror entkommen konnten

Zuletzt verschanzten sich die Angreifer nach Regierungsangaben noch in einem Gebäude, auf das die Armee nach mehr als zwölf Stunden einen Angriff startete. Berichten zufolge nahmen die Angreifer der al-Schabab die Sicherheitskräfte von Dächern aus unter Beschuss, um sie an einem Vorrücken zu hindern. Es folgten stundenlange Feuergefechte.

Wie viele Menschen die Extremisten den Tag über als Geiseln in ihrer Gewalt hatten, war unklar. Es seien zu dem Zeitpunkt aber viele Studenten auf dem Gelände gewesen, hieß es von der Regierung. Nach Angaben von Innenminister Nkaissery meldeten sich 280 der 815 Studenten der Uni nach dem Überfall bei den Behörden. Jetzt werde nach den übrigen gesucht. Ein Schabab-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Gruppe habe die muslimischen Studenten freigelassen und die Christen als Geiseln genommen.

Ein Arzt in einem Krankenhaus in Garissa berichtete, es seien 49 Verletzte mit Schuss- und Granatsplitterwunden behandelt worden. Nach Angaben des Roten Kreuzes konnten 50 Studenten vom Campus fliehen.

Mitarbeiter des kenianischen Roten Kreuzes in Nairobi, wohin viele der Verletzten aus Garissa gebracht wurden Zur Großansicht
AFP

Mitarbeiter des kenianischen Roten Kreuzes in Nairobi, wohin viele der Verletzten aus Garissa gebracht wurden

Einer Studentin der benachbarten Pädagogik-Hochschule zufolge hatte es zuvor Warnungen vor einem drohenden Anschlag gegeben. Am Montag seien sie vom Direktor informiert worden, dass verdächtige Fremde in der Stadt und sogar in der Hochschule gesehen worden seien. Die Hochschule sei daraufhin am Dienstag geschlossen worden, der Universitätscampus aber geöffnet geblieben.

Die kenianischen Sicherheitskräfte haben eine Großfahndung nach dem mutmaßlichen Drahtzieher des Angriffs eingeleitet. Das Innenministerium in Nairobi veröffentlichte das Foto von Mohamed Kuno, einem kenianischen Staatsbürger, der als einer der Top-Kommandeure der somalischen Schabab-Miliz gilt. Auf die Ergreifung Kunos wurde eine Belohnung von 20 Millionen kenianischen Schilling (rund 200.000 Euro) ausgesetzt.

Der in Garissa geborene Islamist, der auch unter dem Namen Mohamed Dulyadin bekannt ist, soll zudem an den Anschlägen auf Zivilisten im Bezirk Mandera im Nordosten Kenias beteiligt gewesen sein, bei denen im vergangenen Jahr 60 Menschen ums Leben gekommen waren. Seither ist er auf der Flucht.

Garissa liegt etwa 150 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt. Seit dem Jahr 2011 verübt die Schabab-Miliz immer wieder Anschläge in Kenia, um sich für die Beteiligung des Landes an der Mission der Afrikanischen Union (AU) in Somalia zu rächen. Die AU-Truppen bekämpfen die Islamisten dort an der Seite der somalischen Armee.

2013 griff die al-Schabab ein Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi an. Dabei wurden mindestens 67 Menschen getötet. Auch im 200 Kilometer von der somalischen Grenze entfernten Garissa gab es wiederholt Anschläge.

anr/dpa/Reuters

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