Geiseldrama in Kenia Explosion und Feuergefechte in Nairobis Einkaufszentrum

68 Menschen starben, 175 wurden verletzt und noch immer verschanzen sich die Attentäter mit Geiseln im Westgate-Center von Nairobi. In den frühen Morgenstunden erschütterten heftige Schusswechsel das Gebäude.


Nairobi - Am Sonntag hatten Kenias Sicherheitskräfte schweres Gerät aufgefahren: Mit Kampfhubschraubern und Spezialeinheiten leiteten sie ein, was das Militär auf Twitter als "rasches Ende" des Geiseldramas in Nairobi bezeichnete. Komplett erfolgreich waren sie offenbar nicht. Am frühen Montagmorgen waren in dem Einkaufszentrum der kenianischen Hauptstadt erneut schwere Gefechte zu hören.

Ein AFP-Reporter berichtete, er habe eine Viertelstunde lang anhaltende intensive Schusswechsel gehört. Im weiteren Verlauf des Morgens waren vereinzelte kleinere Explosionen aus dem Zentrum zu vernehmen. Die Nachrichtenagentur Reuters bestätigte den Zwischenfall. Aus Kreisen der kenianischen Sicherheitskräfte hieß es, ein Angriff auf die islamistischen Geiselnehmer der Terrorgruppe al-Schabab laufe.

Laut Reuters konzentriert sich die Attacke auf einen Supermarkt, in dem sich noch immer zahlreiche Angreifer verschanzt halten sollen. Beobachter gehen davon aus, dass sie noch rund zehn Geiseln bei sich haben könnten.

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Geiselnahme in Nairobi: Schüsse und Explosionen im Morgengrauen
Offen ist auch noch, ob die kenianischen Sicherheitskräfte bereits Angreifer festnehmen konnten. Am Sonntag erklärte Präsident Uhuru Kenyatta, der bei der Attacke selbst einen Neffen verloren hat, man werde die Hintermänner des Angriffs "rasch und schmerzhaft" bestrafen.

Die kenianische Armee hatte am Sonntag nach eigenen Angaben die Mehrzahl der von islamistischen Extremisten festgehaltenen Geiseln befreit. Die Soldaten hätten den Großteil des Gebäudes unter ihre Kontrolle gebracht, erklärte ein Militärsprecher am Sonntagabend.

Bei der Geiselbefreiung waren demnach neben der nationalen Eliteeinheit Recce auch Spezialkräfte aus Israel und den USA einbezogen. Dabei ging es anscheinend vor allem um Aufklärung. Ob ausländische Spezialkräfte mit in das Gebäude eindrangen, blieb unklar. Offen ließ der Militärsprecher, ob auch Terroristen aus anderen Staaten zu den Geiselnehmern gehörten.

Bei der am Samstagmittag gestarteten Attacke der Terroristen waren mindestens 68 Menschen getötet sowie 175 weitere verletzt worden. Mehr als 1000 Menschen sollen sich zum Zeitpunkt des Angriffs in dem Gebäude befunden haben. Der Überfall war der schwerste Terroranschlag in Kenia seit einem Sprengstoffanschlag auf die US-Botschaft vor 15 Jahren.

Auch Frauen unter den Angreifern

Unter den etwa 10 bis 15 Tätern waren Präsident Kenyatta zufolge anscheinend auch Frauen. Die Terroristen hatten unter Einsatz von Maschinenpistolen und Handgranaten das luxuriöse Einkaufszentrum Westgate gestürmt. Dort kaufen vor allem Ausländer und reiche Kenianer ein, mehrere Geschäfte sind in israelischem Besitz. Ein Augenzeuge in Nairobi sagte der dpa: "Sie zeigten uns arabische Schriften. Wenn man sie lesen konnte, war man gerettet. Wenn man sie nicht lesen konnte, erschossen sie einen."

Offenbar verlangten die Geiselnehmer einen Abzug der kenianischen Truppen aus Somalia, dem Heimatland von al-Schabab. Präsident Kenyatta hatte jegliche "Verhandlungen mit Terroristen" abgelehnt.

Mehrere Ausländer befinden sich unter den Toten, darunter drei Briten, zwei Französinnen, zwei Kanadier und eine Niederländerin. Mehrere US-Bürger wurden verletzt. Auch der bekannte ghanaische Dichter Kofi Awoonor kam ums Leben. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte zunächst keine Hinweise darauf, dass Deutsche betroffen sind. Interpol und viele Regierungen der Welt boten Kenia ihre Hilfe bei der Strafverfolgung der Täter an.

jok/Reuters/AFP/dpa

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americanangel 23.09.2013
1. Sind das nicht die gleichen Terroristen die in Syrien
Gegen Präsident Assad kämpfen? Warum werden die hier bekämpft und dort unterstützt?
winston2411 23.09.2013
2. Auch Frauen unter den Angreifern
Da soll noch einer behaupten, es gäbe im Islam keine Emanzipation. Dass Personen überleben konnten, die Arabisch lesen konnten, zeigt die Notwendigkeit, in den Schulen Arabisch einzuführen. Man ist ja schon auf einem Guten Weg, da in NRW eine Schulklasse statt zum Kirchenbesuch in eine Moschee ging.Da die Kleinen noch nicht so fit in Arabisch (oder war´s Türkisch) waren, wurden Teile freundlicherweise übersetzt. Das zeigt doch auch die Toleranz.
suckerpunch 23.09.2013
3. ausrotten
wer nicht arabisch lesen konnte, wurde erschossen. tolle erwartungshaltung, haben unsere lokalen araber glück, dass wir das nicht umgekehrt genauso machen. es ist leider so, wie es ist: islam is, what islam does!
oisndoivnpsdv 23.09.2013
4. Die Religion des Friedens
Der Islam ist die Religion des Friedens, hier kann sich die Welt mal wieder davon überzeugen. Auch deutsche Vertreter dieser Weltreligion werden sicher noch heute vor die Presse treten, um diesen feigen Terrorakt zu verurteilen. Oder auch nicht...?
kannmanauchsosehen 23.09.2013
5. Verkehrte Welt
Zitat von sysopAFP68 Menschen starben, 175 wurden verletzt und noch immer verschanzen sich die Attentäter mit Geiseln im Westgate-Center von Nairobi. In den frühen Morgenstunden erschütterten heftige Schusswechsel das Gebäude. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kenia-gefechte-um-geiseln-in-nairobis-einkaufszentrum-a-923832.html
Würden sich diese Szenen in Syrien abspielen, hätten die islamistischen Rebellen noch Waffen erhalten, und man hätte nach dem brutalen Eingreifen der Sicherheitskräfte mit Gegenmaßnahmen des Westens gegen das Regime gedroht. Jaja.
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