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Anschlag in Kenia: Schabab-Miliz probte Attacke in Nairobi schon vor Wochen

Der Überfall auf die Westgate-Mall in Nairobi war nach US-Angaben akribisch vorbereitet. Laut "New York Times" hat die Schabab-Miliz die Attacke vorher durchgespielt. Die Terroristen konnten zudem ungehindert Maschinengewehre und Wechselkleidung in dem Einkaufszentrum verstecken.

Hamburg/Nairobi - Über Tage terrorisierte ein Team von Angreifern der radikalislamischen Schabab-Miliz ein Einkaufszentrum in Kenias Hauptstadt Nairobi, die Sicherheitskräfte waren machtlos. Die Terroristen konnten wohl auch deswegen so ungehindert zuschlagen, weil die Attacke seit Wochen oder gar Monaten vorbereitet wurde. Die "New York Times" zitiert namentlich nicht genannte US-Behördenquellen, die von akribischen Planungen berichten.

So habe eine Gruppe von Schabab-Strategen von Somalia aus ein Team von englischsprachigen ausländischen Kämpfern rekrutiert und sorgfältig das Ziel ausgesucht: die Westgate-Mall in Nairobi. Die Baupläne des Gebäudes seien bis hin zu den Lüftungsschächten durchforstet worden. Die Terroristen hätten den Angriff sogar einmal durchgespielt, dann sei die Truppe ins Nachbarland eingeschleust worden. Dies sei recht einfach, weil die Grenzer unterbezahlt und korrupt seien.

Den Angaben der Zeitung zufolge gelang es den Schabab-Leuten zudem, ein oder zwei Tage vor dem Überfall ungehindert Maschinengewehre und Wechselkleidung in dem Einkaufzentrum zu verstecken. Ein Mitarbeiter der Mall soll dabei behilflich gewesen sein. Die Kleidung sei von den Angreifern dann womöglich dazu benutzt worden, im Schutz der fliehenden Menschen unerkannt zu entkommen. "Es war alles vorbereitet", wird die Quelle zitiert.

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Geiselnahme in Kenia: Vier Tage Schabab-Terror in Nairobi

Eine minutiöse Vorbereitung dürfte zumindest zum Teil erklären, wie es einer Gruppe von 10 bis 15 Extremisten gelingen konnte, das Einkaufszentrum über vier Tage besetzt zu halten. Immer wieder verkündeten die kenianischen Sicherheitsbehörden, die Attentäter seien überwältigt worden - nur um dies dann wieder korrigieren zu müssen.

Auch am Dienstag war noch Gefechtslärm zu hören. Offiziell hieß es, die Schüsse seien von den Soldaten, die das Gebäude durchkämmten und dabei in jeden Raum feuerten, um ihn zu sichern. Inoffiziell jedoch gab es Zweifel an dieser Version und Spekulationen, ob nicht vielleicht doch noch bewaffnete Angreifer in der Mall unterwegs seien.

Unter den Toten und Verletzten sind viele Kenianer, aber auch Franzosen, Briten, Kanadier, Südafrikaner und US-Amerikaner. Wie viele Menschen bei dem Überfall ums Leben gekommen sind, ist unklar. Nach Angaben des Roten Kreuzes vom Montag sind es mindestens 61, die Anzahl der Todesopfer könnte aber massiv ansteigen. Bei den Kämpfen stürzte ein Teil des Gebäudes ein, womöglich befinden sich weitere Leichen unter den Trümmern. Dutzende Menschen werden noch vermisst.

Unter den Terroristen auch Westler

Die Schabab-Miliz jedenfalls ließ via Twitter wissen, es seien insgesamt 137 Menschen getötet worden - und Schuld daran sei die kenianische Regierung. Diese habe mit dem Einsatz von Sprengstoff den Einsturz eines Gebäudeteils verursacht und außerdem Giftgas freigesetzt. Ein Regierungssprecher dementierte den Einsatz von Chemiewaffen umgehend, der Einsturz sei auf ein Feuer zurückzuführen, das die Schabab-Leute gelegt hätten.

Die genaue Identität und die Zahl der Täter ist noch unklar. Kenias Außenministerin Amina Mohamed sagte, zwei oder drei junge Amerikaner im Alter von etwa 18 und 19 Jahren zählten zu den Angreifern. Die international gesuchte britische Terroristin Samantha Lewthwaite soll Berichten zufolge zu den Drahtziehern gehören. Zu den Angreifern habe eine Frau gehört, die in einer frühen Phase getötet worden sei, berichtete ein ranghoher kenianischer Beamter dem US-Sender CNN. Ihre Identität könne erst bei der Obduktion geklärt werden.

Elf Verdächtige wurden im Zusammenhang mit der Attacke festgenommen. Nicht mitgeteilt wurde, wo die Verdächtigen gefasst worden, ob es Angreifer oder mutmaßliche Helfer waren. Al-Schabab fordert einen Abzug kenianischer Truppen aus dem Nachbarland. Diese waren 2011 in Somalia einmarschiert, um die Islamisten zu bekämpfen.

ffr/dpa

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1. Warum hat das die NSA nicht gewusst?
MeineMeinungist... 25.09.2013
Die USA spionieren die ganze Welt aus, aber dort, wo sie gebraucht würden, erreichen sie nichts. Daran erkennt man doch den Unsinn dieser angeblichen Suche nach Terrorristen.
2. Ob ich noch erleben werde,
Marcus_XXL, 25.09.2013
dass ein Deutscher Journalist den Unterschied zwischen Maschinengewehr, Maschinenpistole und Sturmgewehr begreift? Wikipedia erklärt es doch so einfach und verständlich. Ist also wirklich nicht schwer zu verstehen.
3.
regensommer 25.09.2013
Wie soll man das verstehen? Sind das Erkenntnisse die man jetzt gewonnen hat? Oder sind das Erkenntnisse die schon vorher bekannt waren? Wenn die vorher bekannt waren, wieso wurde es nicht verhindert? Was wußte die NSA? Ist deren Aufgabe nicht die Terrorbekämpfung? Die NSA scheint ja nicht besonders wirkungsvoll zu sein wenn es um echten Terror geht.
4.
Obi-Wan-Kenobi 25.09.2013
Zitat von sysopAPDer Überfall auf die Westgate-Mall in Nairobi war nach US-Angaben akribisch vorbereitet. Laut "New York Times" hat die Schabab-Miliz die Attacke vorher durchgespielt. Die Terroristen konnten zudem ungehindert Maschinengewehre und Wechselkleidung in dem Einkaufszentrum verstecken. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kenia-schabab-miliz-plante-attacke-in-nairobi-seit-wochen-a-924407.html
Und wenn die Geheimdienste das alles gewusst haben und sie scheinen ja, laut diesem Artikel, detaillierte Kenntnisse von dem Anschlag gehabt zu haben, warum wurde er nicht verhindert? Genau für solche Fälle wird ja der ganze Apparat unterhalten. Oder ist es antiamerikanisch wenn man sich diese Frage stellt? Ich finde es etwas verstörend, wen auf der einen Seite eine abgestellte Tasche einen kompletten Flughafen lahm legen kann und auf der anderen Seite "beobachtet" man Terroristen bei der Planung eines Anschlages und nichts passiert.
5. Es passierte das Gleiche wie in Syrien
carolian 25.09.2013
Aber diesmal spricht keine westliche Zeitung von "Demonstranten", "Deserteuren" und "Menschenrechtsaktivisten". Obwohl das Regime in Kenia wesentlich schlimmer ist als das in Syrien. Gegen Assad ist in Den Haag nie eine Ermittlung eingeleitet worden...
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Fläche: 571.416 km²

Bevölkerung: 45,546 Mio.

Hauptstadt: Nairobi

Staatsoberhaupt und Regierungschef:
Uhuru Kenyatta

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