Kenia und Nigeria: Zahlreiche Christen sterben bei Anschlägen auf Gottesdienste

In gleich zwei afrikanischen Ländern haben islamistische Organisationen christliche Gottesdienste angegriffen. Im nigerianischen Kano starben bei einem Anschlag mindestens 16 Gläubige, im kenianischen Nairobi wurde ein Kirchenbesucher getötet.

Kano/Nairobi - Bei einem Anschlag auf Christen sind in Nigeria zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Nach Augenzeugenberichten griffen Unbekannte am Sonntag zwei Freiluft-Gottesdienste an einer Universität in Kano im Norden des Landes an, zündeten Sprengsätze und schossen auf die Flüchtenden. Ein AFP-Korrespondent sah am Tatort etwa 20 Leichen, das nigerianische Rote Kreuz meldete mindestens 16 Tote.

Augenzeugen berichteten, die Angreifer seien in einem Auto und mit Motorrädern auf das Universitätsgelände gefahren, hätten das Feuer eröffnet und die Gläubigen mit Sprengsätzen aufgescheucht. Anschließend hätten sie die fliehenden Gottesdienstbesucher verfolgt und niedergeschossen. Es habe auch "viele Schwerverletzte" gegeben, sagte der Polizeipräsident des Staates Kano, Ibrahim Idris. Einem Augenzeugen zufolge hielten Schüsse und Explosionen mehr als eine halbe Stunde lang an.

Bislang hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt, allerdings ähnelt er früheren Attentaten der islamistischen Sekte Boko Haram, bei denen in diesem Jahr in Nigeria bereits mehrere Hundert Menschen gestorben sind. Allein bei einer Anschlagsserie in der Stadt Kano hatte die Gruppe im Januar mindestens 185 Menschen getötet. Die islamistische Sekte kämpft für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes und verübt regelmäßig Anschläge auf Polizei, Behörden und Kirchen.

Mindestens ein Toter Gläubiger in Kenia

Unterdessen wurden bei einem Anschlag auf eine christliche Kirche in der kenianischen Hauptstadt Nairobi mindestens ein Gläubiger getötet. 15 weitere Kirchgänger wurden verletzt, fünf von ihnen schwer, teilte das kenianische Rote Kreuz mit. Nach Polizeiangaben hatte ein unbekannter Attentäter am Sonntag während der Messe eine Granate in die "House of God Miracle Church" im Stadtteil Ngara geworfen und war geflüchtet.

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Erst vor wenigen Tagen hatte die amerikanische Botschaft in Nairobi eine Terrorwarnung verbreitet. Darin hieß es, dass möglicherweise eine Attacke geplant werde. Amerikanische Staatsbürger wurden aufgefordert, besonders vorsichtig zu sein.

Offiziell bekannte sich noch niemand zu der Tat. Kenia hatte im vergangenen Oktober jedoch Truppen über die Grenze in das benachbarte Somalia geschickt, um gegen die radikalislamische Schabab-Miliz vorzugehen. Seitdem kommt es immer wieder zu Granatenanschlägen in dem Land. Zuletzt waren im März an einem der größten Busbahnhöfe Kenias neun Menschen getötet worden. Ende März waren bei zwei Anschlägen auf eine christliche Gemeinde und ein Restaurant in Orten an der Küste Kenias ein Mensch getötet und zahlreiche weitere verletzt worden.

irb/AFP/dapd/dpa/Reuters

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