Kenia Wo Korruptionsfahnder um ihr Leben fürchten

Viele Milliarden Dollar Entwicklungshilfe sind nach Kenia geflossen - und in die Taschen der jeweiligen Herrscher. Eine britische Journalistin hat jetzt ein Buch über den mutigen Ermittler geschrieben, der das System aufdeckte - und aus Angst um sein Leben aus Afrika floh.

Kenias Präsident Mwai Kibaki: Die Eliten füllen sich die Taschen - seit Jahrzehnten
DPA

Kenias Präsident Mwai Kibaki: Die Eliten füllen sich die Taschen - seit Jahrzehnten

Von , Nairobi


In Nairobi gab es das Buch nur unter dem Ladentisch, die Buchhändler bekamen deutliche Warnungen und unfreundliche Hinweise, jetzt ist es auf Deutsch erschienen. "Jetzt sind wir dran", heißt das Werk der britischen Journalistin Michela Wrong, die den Kampf des kenianischen Korruptionsbekämpfers John Githongo nachgezeichnet hat.

Githongo wurde 2003 nach dem Wahlsieg von Mwai Kibaki zum General des Kampfes gegen die Korruption berufen. Es war zu einer Zeit, als alle Welt dachte, Kibaki würde sein Land kräftig durchlüften, energisch die Armut bekämpfen, die Korruption angehen und Kenia so zu neuer Blüte zu verhelfen.

Doch die Hoffnung trog. Nach nur wenigen Monaten war der Elan dahin, auch Kibaki und seine Helfer, insbesondere vom Stamm der Kikuyu, füllten sich die Taschen. Sie taten es ohne jedes Unrechtsbewusstsein, genau wie es die Eliten jahrzehntelang zuvor getan hatten.

"Jetzt sind wir dran", hieß das Motto - und heißt es heute noch.

Je weiter Githongo recherchierte, desto sumpfiger wurde das Terrain. Veruntreute Gelder, milliardenteure Einkäufe ohne Ausschreibung und Kontrollen, dafür mit klebrigen Zwischenhändlern und dubiosen Briefkastenfirmen. Die Mechanik war kompliziert, aber ungeheuer ertragreich. Allein der sogenannte Anglo-Leasing-Skandal, eine Ansammlung überteuerter, fragwürdiger und überflüssiger Einkäufe, kostete das Land 750 Millionen Dollar. Immer wieder waren bekannte kenianische Politgrößen beteiligt.

Und der Präsident deckte sie.

Geschmeidiges System von Geben und Nehmen

Als Githongo, der alle seine Informationen aufgezeichnet, manche Gespräche mit bestechlichen Ministern sogar heimlich mitgeschnitten hatte, begriffen hatte, dass Präsident Kibaki nicht mehr hinter ihm stand, floh er schließlich nach London. Das System hatte ihn bezwungen, er fürchtete um sein Leben.

Bisweilen schweift Michaela Wrong weit ab von ihrem eigentlichen Thema, kritisiert die Naivität der Geber und bezweifelt den Sinn einer stetig steigenden Entwicklungshilfe. Sie tut es zurecht, denn natürlich stellt sich die Frage: Wo versickert all das Geld in einem Land, das inzwischen mehr Hilfsgelder bekommen hat, als ganz Westeuropa nach 1945 aus dem amerikanischen Marshallplan?

Doch ihr Ausholen wird kaum langatmig, denn zum einen liefert sie quasi beiläufig ein anschauliches Soziogramm der kenianischen Gesellschaft und politischen Kultur, zum anderen ist es höchst aufschlussreich, wie sich schon Kibakis Vorgänger Daniel arap Moi die Gebergemeinde gefügig machte. Auch er soll den kenianischen Steuerzahler um Milliarden betrogen haben.

So drängt sich am Ende der Lektüre die bittere Frage auf: Wie lange soll eine srkupelfreie Regierung, die sich im bestehenden System von Geben und Nehmen eingerichtet hat, noch milliardenschwer alimentiert werden?

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
juergw. 15.06.2010
1. Korruption nicht nur in Kenia...............!
Das ist wohl in allen afrikanischen Staaten üblich !Da sind schon Milliarden versickert-hoffendlich ist das Geld zum Teil an die Geberstaaten zurück geflossen-für unsinnige Projekte.........!
Benjowi 15.06.2010
2. Korruptionskumpanei!
Es ist seit Jahren bekannt, dass "Entwicklungshilfe" von den Armen in den Industrieländern an die Reichen in den Entwicklungsländern (und evt zurück an die Reichen in den eigenen Ländern) gezahlt wird. Im Grunde betrügen die Politiker in den Geberstaaten ihre eigenen Wähler, wenn sie noch Steuern für Entwicklungshilfe ausgeben!
Regulisssima 15.06.2010
3. Ein Glück,
dass solche Zustände in Deutschland undenkbar sind !
Pinarello, 15.06.2010
4. Liegt wohl alles in den Bergen äh der Schweiz.
Zitat von juergw.Das ist wohl in allen afrikanischen Staaten üblich !Da sind schon Milliarden versickert-hoffendlich ist das Geld zum Teil an die Geberstaaten zurück geflossen-für unsinnige Projekte.........!
Nee, das glaube ich bestimmt nicht, der wohl allergrößte Teil der Hunderte von Milliarden liegt sicher in der Schweiz, weshalb glauben Sie denn,daß die Schweizer Banken zu den größten gehören? Von den Einlagen der Almbauern (MüllerMilch) - und der korrupten europäischen Politiker gewiß nicht, bestes Beispiel hierfür war ja der erfolglose Kampf der damaligen ähtiopischen Regierung um das Mulit-Milliardenvermögen des Haile Selassie! Haben die Schweizer Banken alles behalten!
attivar 15.06.2010
5. Der Mensch
Das viele Geld allein reicht nicht aus. Ohne aufrichtige Menschen an den Stellen vor Ort, die diese Gelder verantworten, wird es nicht funktionieren. Menschen, denen es um die Sache geht. Um das Land nämlich und den Menschen , die dort leben. Die mit ganzem Herzen dabei sind und eine Art Vision für die Zukunft haben. Aber wo sind sie ?
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