US-Dynastien in der Politik: "Bin ich nicht mehr hier, wie wär's mit dir?"

Von , Washington

Clinton, Bush, Kennedy: Amerika hat ein Faible für politische Clans und Dynastien, mehr als jede andere westliche Demokratie. Wenn Hillary Clinton 2016 als Präsidentschaftskandidatin antritt, ist ein ganz besonderes Duell möglich.

US-Polit-Dynastien: Die Clintons Fotos
Getty Images

Manchmal verfolgt ein ganzes Land die Krankheitsgeschichte eines Einzelnen.

So war das gerade, als Hillary Clinton wegen eines Blutgerinnsels im Kopf behandelt werden musste. Die Zeitungen brachten Grafiken, die den Kopf von Amerikas Außenministerin im Profil durchleuchtetet zeigten. Da, hinterm rechten Ohr, der Blutpfropf. Nein, kein Schlaganfall, versicherten die Ärzte und gaben gleich noch ein paar Interviews zur Wirkweise von Blutverdünnern. Die TV-Sender zeigten Clintons Entlassung aus dem Krankenhaus, dann ihren ersten öffentlichen Auftritt.

Alle sprachen über Hillary. Bei der Arbeit, in der U-Bahn, tagelang.

Warum? Weil die 65-Jährige mehr ist als die Außenministerin. Weil Hillary von Polit-Adel ist. Die ehemalige First Lady als Chefin im Weißen Haus? Und Bill Clinton als First Husband? Solche Geschichten liebt das Land.

Bleibt Clinton fit, würde ihr in vier Jahren, sollte sie antreten wollen, wohl kaum jemand die Kandidatur streitig machen. Und dann könnte es zu einem Duell der besonderen Art kommen: Denn bei den Republikanern gilt Jeb Bush als möglicher Kandidat, der Bruder von Präsident Nr. 43 (George W. Bush) und Sohn von Nr. 41 (George H.W. Bush). Der an der Parteibasis beliebte Jeb, verheiratet mit einer gebürtigen Mexikanerin und einst Gouverneur von Florida, könnte 2016 bei der so wichtigen Wählergruppe der Latinos punkten.

Clinton-Clan gegen Bush-Dynastie - welch ein Wahlkampf wäre das! So etwas hat es in der US-Geschichte noch nicht gegeben. Dabei ist diese Zuspitzung nur die logische Konsequenz einer schleichenden Dynastisierung: "Mehr und mehr nimmt die nationale Politik die Aura einer großen Familienarena an", kritisierte der frühere republikanische Präsidentenberater Kevin Phillips schon vor knapp zehn Jahren in seinem Buch "Amerikanische Dynastie".

In keiner anderen westlichen Demokratie gibt es so viele Söhne, Ehefrauen, Neffen, Enkel in der Politik wie in den USA. Da sind vor allem die Kennedys, das amerikanische Quasi-Königshaus: John F. Kennedy, "Jack", der Präsident; die Brüder Robert "Bobby" (Justizminister, Senator) und Edward "Ted" (Senator).

JFK brachte den dynastischen Gedanken auf den Punkt: "Wenn mir etwas zustößt, wird Bobby an meine Stelle treten. Und wenn Bobby geht, haben wir noch Teddy." Als Jack zum Präsidentschaftskandidaten nominiert wurde, schenkte er Bruder Bobby ein Zigarettenetui mit der Gravur: "Bin ich nicht mehr hier, wie wär's mit dir?"

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US-Polit-Dynastien: Die Kennedys
Bruder Bobby bemühte sich fünf Jahre später tatsächlich um die Präsidentschaftskandidatur; doch wurde er nach seinem Vorwahlsieg in Kalifornien erschossen. Überhaupt, das Unglück klebt an "Amerikas Königsfamilie". Die Kennedys werden ermordet, sterben an einer Überdosis Kokain, kommen bei Flugzeugabstürzen ums Leben. So auch JFK-Sohn John junior im Jahr 1999. "Amerikas Prinz", trauerte damals CNN und verlieh der Stimmung im Land Ausdruck. Doch die Dynastie besteht fort. Gerade wurde der 32-jährige Joseph P. Kennedy III ins Repräsentantenhaus gewählt, einer von Bobbys Enkeln.

Politik in der Familienarena: Warum funktionieren Dynastien ausgerechnet in der amerikanischen Republik, die doch gegen das britische Empire und König George III. erkämpft wurde? Thomas Jefferson und Co. hätten ein Wahlkampf Clinton versus Bush "erschaudern" lassen, meint Experte Phillips. Na und? Das moderne Amerika kümmert das nicht.

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US-Polit-Dynastien: Die Bushs
Gleichzeitig galt stets das Aufstiegsversprechen: Bill Clinton stammt aus kleinen Verhältnissen, Barack Obama ist der Sohn eines Kenianers. In Washingtons Souvenirläden verkaufen sie Baby-Klamotten in rosa und blau, darauf der Spruch: "Future President". Wer sich anstrengt, der kann alles erreichen, das ist die Idee. Die Clintons inszenierten sich zu Beginn noch als ehrgeizige Anti-Aristokraten. Irgendwann aber waren sie dann selbst Mitglied im Club der Clans.

Eine Marke - wie die der Clintons - bedeutet mehr Prominenz, bedeutet mehr Spendengeld, bedeutet mehr politische Chancen. Kein Zufall, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten Spitzenpolitik zunehmend im Familienkreis abspielt. Auch von Clinton-Tochter Chelsea, 32, ist zu hören, dass sie eine politische Karriere nicht mehr ausschließt.

Freilich, Vater und Sohn als US-Präsidenten, das gab es auch schon früher, da waren die Bushs nicht die Ersten: John Adams (1797-1801) und John Quincy Adams (1825-1829). Allerdings lag zwischen den beiden ein Vierteljahrhundert. Die Bush-Dynastie aber hat das moderne Amerika geprägt wie vielleicht keine andere Familie zuvor - auch nicht die Kennedys. Vater und Sohn führten beide einen Krieg gegen den Irak, der Sohn übernahm alte Recken aus dem Team des Vaters. So funktioniert Politik am Hofe Bush.

Und die Familie scheint noch lange nicht am Ende. Keine Spur vom Buddenbrooks-Syndrom, kein Verfall. Schafft es Jeb nicht, dann steht schon Sohn George bereit. Der 36-Jährige könnte sich bereits 2014 für den Posten des Gouverneurs von Texas bewerben.

So hatte Onkel George W. in den Neunzigern auch angefangen.

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insgesamt 43 Beiträge
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1. .
frubi 21.01.2013
Zitat von sysopClinton, Bush, Kennedy: Amerika hat ein Faible für politische Clans und Dynastien, mehr als jede andere westliche Demokratie. Wenn Hillary Clinton 2016 als Präsidentschaftskandidatin antritt, ist ein ganz besonderes Duell möglich. Kennedy, Clinton, Bush: Amerika sehnt sich nach Polit-Adel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/kennedy-clinton-bush-amerika-sehnt-sich-nach-polit-adel-a-870361.html)
Es ist eine Schande für eine gute Demokratie, wenn mehrere Personen aus gewissen Familienclans immer und immer wieder für politische Ämter kandidieren und dann auch noch gewählt werden. Wenn man dann noch sieht, dass es in Amerika letztlich nur 2 Parteien gibt, dann kann man diese Farce eigentlich nicht mehr Demokratie schimpfen.
2.
SARENK 21.01.2013
Zitat von sysopClinton-Clan gegen Bush-Dynastie - welch ein Wahlkampf wäre das! So etwas hat es in der US-Geschichte noch nicht gegeben. Kennedy, Clinton, Bush: Amerika sehnt sich nach Polit-Adel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/kennedy-clinton-bush-amerika-sehnt-sich-nach-polit-adel-a-870361.html)
Ich dachte immer 1992 wäre schon ein Clinton gegen einen Busch angetreten.
3. Von Dynastien vorläufig noch keine Spur
dunnhaupt 21.01.2013
Einzig die Bushs produzierten bisher zwei Präsidenten, die Kennedys und die Clintons gerade mal je einen. Das ist wohl noch lange Zeit hin, ehe da Dynastien draus werden können.
4. Jeb...
menetekel101 21.01.2013
War das nicht der, der seinen Bruder George W. Bush trotz einer halben Mio. weniger Stimmen als Gore mit falschen Auszählungen in Florida ins Amt geschummelt hat?
5. Amerika, eine Demokratie!!!!
mohsensalakh 21.01.2013
Zitat von sysopClinton, Bush, Kennedy: Amerika hat ein Faible für politische Clans und Dynastien, mehr als jede andere westliche Demokratie. Wenn Hillary Clinton 2016 als Präsidentschaftskandidatin antritt, ist ein ganz besonderes Duell möglich. Kennedy, Clinton, Bush: Amerika sehnt sich nach Polit-Adel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/kennedy-clinton-bush-amerika-sehnt-sich-nach-polit-adel-a-870361.html)
Was sieht der Autor des Beitrags in dem amerikanischen System als Zeichen für eine Demokratie, ist mir schleierhaft. Nennt der/die Autor/Autorin das politische Herrschaftssystem in USA als Demokratie, weil diese so genannt werden muss, oder brauchen die Autoren in der SPON eine Nachhilfestunde, was eine Demokratie überhaupt ist.
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