Verbalattacke Israels Verteidigungsminister entschuldigt sich bei Kerry

"Unangebrachte Besessenheit", "messianischer Eifer": Wenig schmeichelhafte Bemerkungen hatte Israels Verteidigungsminister Jaalon für die Nahost-Friedensverhandlungen von US-Außenminister Kerry übrig. Jetzt musste der Lästerer zurückrudern.

Verteidigungsminister Jaalon: Erklärung aus seinem Büro
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Verteidigungsminister Jaalon: Erklärung aus seinem Büro


Jerusalem/Washington - In Washington war man entrüstet über die Kritik: "Unverschämt und unangemessen" seien die Bemerkungen des israelischen Verteidigungsministers über US-Außenminister John Kerry, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Mosche Jaalon, der Gescholtene, hat sich nun entschuldigt.

Er habe den amerikanischen Chefdiplomaten nicht beleidigen wollen, zitierte die israelische Zeitung "Haaretz" aus einer in der Nacht zum Mittwoch von Jaalons Büro veröffentlichten Mitteilung. Er entschuldige sich dafür, falls die ihm zugeschriebenen Äußerungen den US-Außenminister getroffen haben sollten.

Jaalons Äußerungen waren in der Tat recht deutlich: Er hatte Kerry "besessen" und "messianisch" genannt. Die Zeitung "Jediot Acharonot" hatte über die abfälligen Bemerkungen des Verteidigungsministers hinter verschlossenen Türen am Dienstag berichtet.

Demnach sagte Jaalon: "US-Außenminister John Kerry, der hier mit einer Entschlossenheit auftaucht und dann getrieben von unangebrachter Besessenheit und mit messianischem Eifer vorgeht, hat mir gar keine Lehren über den Konflikt mit den Palästinensern zu erteilen." Weiter sagte Jaalon: "Das Einzige, was uns retten kann: Kerry gewinnt den Nobelpreis und lässt uns in Ruhe."

Netanjahu bemüht sich um Schadensbegrenzung

Das Blatt legte nicht dar, wann die Äußerungen Jaalons gefallen seien. Jaalon, der von 2002 bis 2005 Generalstabschef der israelischen Streitkräfte war, gilt als Hardliner im Nahost-Konflikt. Er gehört Netanjahus Likud-Partei an.

Der Artikel erschien nur wenige Stunden, nachdem US-Vizepräsident Joe Biden Israel wieder verlassen hatte. Er hatte an der Trauerfeier für Ariel Scharon teilgenommen und mit Premier Benjamin Netanjahu verhandelt. Dieser bemühte sich nach der Attacke seines Parteifreundes um Schadensbegrenzung: "Selbst wenn wir Meinungsverschiedenheiten mit den USA haben, geht es immer um die Sache und nie um die Leistungen einzelner Personen."

Netanjahu betonte, die USA seien Israels wichtigster Verbündeter und gute Beziehungen lägen in Israels nationalem Interesse. Auch in Teilen der Regierung und bei der Opposition hagelte es scharfe Kritik an Jaalon. Außenminister Avigdor Lieberman bezeichnete die Äußerungen seines Kabinettskollegen als "nicht hilfreich".

Dauerhafte Lösung im Nahost-Konflikt

Kerry hatte in den vergangenen Wochen mit mehreren Besuchen in der Region versucht, Israelis und Palästinenser für eine Rahmenvereinbarung zu gewinnen - und so den Weg zu einer dauerhaften Lösung im Nahost-Konflikt zu bereiten.

Der US-Amerikaner bemüht sich intensiv um einen Ausgleich zwischen Israelis und Palästinensern mit dem Ziel einer Zweistaatenlösung und eines abschließenden Friedensvertrags. Seit seinem Amtsantritt im Februar 2013 reiste er bereits zehnmal in die Region. Kerry hat sich eine Frist bis April gesetzt, um wirkliche Fortschritte zu erzielen.

Eine Kerry-Sprecherin nannte die Bemerkungen - sollten sie sich bestätigen - "beleidigend und unangebracht". Kerry handele aus einer "tiefen Sorge um die Zukunft Israels heraus", sagte sie. Auch US-Regierungssprecher Carney reagierte empört auf Jaalons Kritik: "Die Bemerkungen des Verteidigungsministers sind - wenn sie so stimmen - unverschämt und unangemessen, insbesondere angesichts all dessen, was wir für die Sicherheit Israels tun."

heb/AFP/dpa

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