ThemaSüdafrikaRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Kick am Kap Südafrika zittert der großen Party entgegen

WM in Südafrika: Sorgen vor dem Anpfiff
Fotos
AP

2. Teil: Südafrikas Blues: Der erhoffte Boom bleibt aus

Hinter der Fassade eines Landes in Feierlaune verbirgt sich in diesen Tagen eine Nation, in der es gärt, die es satt hat, sich mit Versprechungen abspeisen zu lassen.

Gewerkschaftsführer drohen unverhohlen mit Streiks während der WM. "Unsere Anliegen sind größer als die null", verkündete der Generalsekretär des Gewerkschaftsbundes Cosatu, Zwelinsima Vavi. Einwohner der Armenviertel lehnen sich immer lauter und häufiger gegen ihr Schicksal auf. In Balfour brüllten sie sogar den einstigen Volkshelden Zuma nieder.

Jeder zweite Südafrikaner ist unzufrieden mit dem öffentlichen Dienst und den Dienstleistungen des Staates, ergab eine Umfrage des renommierten Forschungsinstituts TNS. Die Regierungspartei ANC, die bei Nachwahlen im Westkap zum ersten Mal traditionelle Hochburgen an die Opposition verloren hat, ist angesichts der Kommunalwahlen im kommenden Jahr nervös, gespalten und in innere Machtkämpfe verstrickt.

Innenpolitischer Ärger, Warnung vor Terror

Zwar ist es der ANC-Führung offenbar gelungen, den Chef der Jugendliga, Julius Malema, erst einmal zum Schweigen zu bringen, der in den vergangenen Monaten mit Hassreden und -gesängen systematisch ein Klima der Gewalt und des Rassismus geschürt und geschaffen hatte. Doch seine Gefolgsleute hetzen weiter. Jugendliga-Funktionär Loyiso Nkohla rief die ANC-Jugend auf, Kapstadt zu verwüsten und unregierbar zu machen.

Der Oberbürgermeister der Touristenmetropole, Dan Plato, keilte zurück und forderte die Bewohner im Armenviertel Khayelitsha auf, den ANC-Jugendlichen mit brennenden Reifen entgegenzutreten - Symbol des Unterdrückerregimes in der Apartheidszeit. Amnesty International warnt, dass die gewalttätigen Ausbrüche schnell auch wieder zu fremdenfeindlichen Unruhen führen könnten.

Immer wieder verunsichern auch Warnungen vor angeblich drohenden Terrorangriffen während der WM Öffentlichkeit und Fans. Geheimdienste hätten angeblich Hinweise auf drohende Anschläge gegen die Teams der Niederlande und Dänemarks sowie auf das Spiel zwischen den USA und England, hieß es in Presseberichten. Doch sogar das Terrornetzwerk al-Qaida dementiert. Aber Südafrikas Sicherheitskräfte bereiten sich vorsichtshalber auf mögliche Terrorattacken vor.

Südafrika hoffte vergeblich auf den Boom

Die hohen Erwartungen, die Südafrika und der ganze Kontinent an die WM geknüpft haben, scheinen unerfüllbar. Der erhoffte Boom blieb aus. Statt der erwarteten 480.000 ausländischen Fans werden wohl nur rund 200.000 kommen. Vor allem in den anderen afrikanischen Ländern war das Interesse am "afrikanischen Cup" gering, der Kartenabsatz enttäuschend.

Hotels, die noch vor wenigen Monaten mit einer unrealistischen Hochpreispolitik abschreckten, mühen sich mittlerweile, ihre Zimmer während der WM überhaupt zu füllen. Tourismusfachleute warnen bereits, dass einige der neu gebauten Luxusherbergen bald wieder schließen müssten.

Der zusätzliche Wachstumsschub, auf den Südafrika gehofft hatte, wird nach Schätzungen von Fachleuten mit 0,5 Prozent wesentlich geringer ausfallen, als noch vor einem Jahr erwartet worden war.

Aids, Armut, Arbeitslosigkeit gehören ebenso wie die Gewaltkriminalität weiterhin zum südafrikanischen Alltag. Die Zahl der Morde ist mit 50 pro Tag 20-mal so hoch wie in Deutschland. Über 50.000 Vergewaltigungen verzeichnet die Kriminalstatistik pro Jahr. Bei den bewaffneten Überfällen auf Privathäuser wurde eine Zunahme um 27 Prozent, auf Geschäfte um 20 Prozent registriert.

Polizeiminister Nathi Mthethwa versichert zwar im Brustton der Überzeugung, Südafrika werde während der vier WM-Wochen der "sicherste Ort der Welt" sein. Polizeichef Bheki Cele verspricht die "besten Sicherheitsmaßnahmen der Welt".

Und der deutsche Botschafter am Kap, Dieter Haller, erklärt beruhigend, Kriminalität und Gewalt fänden "ganz überwiegend dort statt, wo sich Touristen und WM-Gäste üblicherweise nicht aufhalten". Den Opfern helfen solche Relativierungen und Beschwichtigungsversuche allerdings wenig.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 24 Beiträge
Capy 04.06.2010
Warum immer wieder solche negative Artikel? Bisher läuft es gut und wir glauben, es bleibt auch so!!!
Warum immer wieder solche negative Artikel? Bisher läuft es gut und wir glauben, es bleibt auch so!!!
aus dem Beitrag von Guensche; "Khayelitsha ein Armenviertel". Dazu, dort leben 1.5 Mio Menschen, die eben nicht alle arm sind; Gebiete mit ausschliesslich schwarzer Bevoelkerung sind zwar auch Gebiete der Armen, aber [...]
Zitat von sysopWas hatte sich Südafrika nicht von der Fußball-WM versprochen: einen wichtigen Impuls für das Land am Kap, ja für den ganzen Kontinent. Doch wenige Tage vor der Eröffnung drohen Streiks und Aufstände, dämpft Frust die Vorfreude. Denn die hohen Erwartungen sind kaum erfüllbar. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,698472,00.html
aus dem Beitrag von Guensche; "Khayelitsha ein Armenviertel". Dazu, dort leben 1.5 Mio Menschen, die eben nicht alle arm sind; Gebiete mit ausschliesslich schwarzer Bevoelkerung sind zwar auch Gebiete der Armen, aber eben nicht nur. Und man muss sich mal fragen, wieso 16 Jahre nach Ende des Rassistenregimes immer noch die Mehrheit der Armen schwarz ist.: Neben der Unfaehigkeit des ANC, eine Veraenderung der Besitzverhaeltnisse in die Wege zu leiten (Stichwort Landreform) liegt es auch und vor allem daran, dass es nach dem Ende der Apartheit zwar zu einer politischen Erneuerung gekommen ist, aber eben anstelle einen sozialen Bundesstaates ein neoliberales Wirtschaftssystem errichtet wurde, dass eben wie ueberall in der Welt nicht funktioniert. Ansonsten, ich weiss nicht, warum der SPON ueber (Sued)Afrika immer nur in diesen duesternen Farben berichtet, diese "Farben" sind oftmals nicht nur falsch, sondern geben nur einen kleinen Ausschnitt Preis der Wirklichkeit in dem Land. Aber wahrscheinlich sind Guensches Beitraege Bertelsmann Auftragsarbeiten, die ideologisch auch in Afrika dem Finanzfeudalismus den Boden weiterhin bereiten sollen.
jean_reno 04.06.2010
immer und immer wieder negativ Berichte. Liebe Damen und Herrn von SPON, warten Sie doch einfach bis die WM vorbei ist oder tatsächlich schlimmes passiert und berichten dann. Dass der Verkauf der Karten vor allem in den [...]
immer und immer wieder negativ Berichte. Liebe Damen und Herrn von SPON, warten Sie doch einfach bis die WM vorbei ist oder tatsächlich schlimmes passiert und berichten dann. Dass der Verkauf der Karten vor allem in den anderen afrikanischen Ländern schleppend voran ging, lässt sich wohl ziemlich leicht mit der Preispolitik der Fifa sowohl bei den Karten als auch bei den im voraus gebuchten Hotels erklären. Die meisten Menschen auf dieser Welt werden nicht auf europäischem oder gar deutschem Niveau entlohnt! Obwohl ich mich durchaus für die Fußball WM in Deutschland 2006 und für die in Südafrika 2010 begeistern kann, kann ich mir auch ein meinem Auto einen Aufkleber vorstellen, der die Fifa kritisiert. Die Fifa ist in meinen Augen nicht gerade förderlich, wenn man sich Fußball einfach nur erfreuen möchte. Also bitte einfach mal ein bisschen entspannen und sich auf ein Fussballfest freuen, dass sicher anders aber nicht schlechter als das "Sommermärchen" 2006 sein wird. Gruß Jean Reno
alexGB 04.06.2010
Man kann diese bereits monatelange Miesmache gegenüber Südafrika wirklich nicht mehr hören. Vielleicht wartet Ihr Korrespondent erst mal ab, was sich so ereignet. Man bekommt den Eindruck, der Spiegel fiebere schlechten [...]
Man kann diese bereits monatelange Miesmache gegenüber Südafrika wirklich nicht mehr hören. Vielleicht wartet Ihr Korrespondent erst mal ab, was sich so ereignet. Man bekommt den Eindruck, der Spiegel fiebere schlechten Nachrichten geradezu entgegen und könne es kaum abwarten, bis der erste deutsche Tourist ermordet wird. Ja, die Kriminalität ist pro Kopf gesehen hoch, aber mittlerweile sollte wirklich der letzte unbedarfte Pauschaltourist begriffen haben, wie dem vorzubeugen ist.
johndoe2 04.06.2010
Hierzulande fällt die Fifa immer wieder durch unseriöse Verträge und Geschäftsgebahren auf.Die Afrikaner werden auf einem Berg Schulden sitzen bleiben.Wieder ein paar Dumme die auf falsche Versprechungen reingefallen sind.Seitdem [...]
Hierzulande fällt die Fifa immer wieder durch unseriöse Verträge und Geschäftsgebahren auf.Die Afrikaner werden auf einem Berg Schulden sitzen bleiben.Wieder ein paar Dumme die auf falsche Versprechungen reingefallen sind.Seitdem bekannt ist das mehr Menschen durch Fussball zu Schaden kommen als durch Raucher wird in Deutschland bereits über ein totales Spielverbot nachgedacht.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Südafrika

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Werden Sie Tipp-Weltmeister

Getty Images

Räumen Sie in den kostenlosen WM-Tippspielen von SPIEGEL ONLINE Preise im Wert von mehr als 55.000 Euro ab. Und so geht es...


Südafrikas WM-Städte

Verschieben Sie die Karte, um alle Artikel zu entdecken.

Der benötigte Flash Player 8 wurde nicht gefunden. mehr...

Fußball-WM in Südafrika
Die Fußball-WM vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 fällt in den südafrikanischen Winter.
In Johannisburg und Pretoria ist es aufgrund der Höhenlage von knapp 1400 bis 1750 Metern im Winter (Juli und August) sonnig und trocken, im Schnitt um die 10 Grad, selten über 18 Grad, Nachtfrost.
Durban am Indischen Ozean hat subtropisches und damit auch im Juni warmes Klima, im Schnitt um die 17 Grad
In Kapstadt an der Tafelbucht des Atlantischen Ozeans herrschen im Schnitt Temperaturen um die 13 Grad, am Abend unter 10 Grad Celsius. Im Juni und Juli sind hier die Niederschlagsraten im Jahresverlauf am höchsten.




TOP



TOP