Kidnapping in Afghanistan Französische Geiseln flehen Sarkozy um Hilfe an

Das Geiseldrama um zwei französische Reporter in Afghanistan spitzt sich dramatisch zu: Die Taliban veröffentlichten ein Video der beiden Journalisten, die verängstigt ihren Präsidenten um Hilfe bitte. Für die Freilassung verlangen die Taliban einen Gefangenenaustausch.

Französische Geiseln in Taliban-Video: "Letzte Chance"

Französische Geiseln in Taliban-Video: "Letzte Chance"


Berlin - Die Bilder sind leicht unscharf und verwackelt, doch die Angst ist unübersehbar. In Englisch und ihrer Muttersprache Französisch stammeln zwei Reporter des Fernsehsenders France 3 in die Kamera. Es sei die "letzte Nachricht", fleht einer der beiden Reporter, der nur seinen Vornamen Stephane nennt. Dann appelliert er direkt an seinen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Dieser müsse verstehen, dass die beiden Reporter "in Todesgefahr" sind.

Das am gestrigen Sonntag auf den Taliban-Web-Seiten aufgetauchte Video markiert eine weitere Eskalation in dem Geiseldrama um die beiden französischen Reporter und ihre drei afghanischen Mitarbeiter. Gute drei Monate nach der Verschleppung fordern die Taliban mit dem Video die Freilassung von mehreren Kampfgefährten aus afghanischen Gefängnissen. Im Namen der Entführer fordert eine der Geiseln, Sarkozy solle begreifen, dass verhandelt werden müsse.

Mit der neuen Nachricht gerät die französische Regierung in Zugzwang. Erstaunlich deutlich hatte Sarkozys Apparat schon kurz nach der Entführung den Leichtsinn der beiden Reporter gegeißelt und sich damit wiederum scharfe Kritik des französischen Journalistenverbands zugezogen. Schon jetzt ist aber klar, dass ein Eingehen auf die Forderungen ausgeschlossen ist, die Kabuler Regierung würde das auch nicht zulassen.

Die beiden Reporter waren gemeinsam mit ihren afghanischen Mitarbeitern am 30. Dezember 2009 nordöstlich von Kabul verschleppt worden. Seitdem hatten die Taliban immer wieder Forderungen gestellt und schon Mitte Februar ein Video der beiden Journalisten veröffentlicht. Frankreichs Regierung hatte damals die Medien gebeten, zurückhaltend über den Fall zu berichten. Durch die Diskretion, so jedenfalls die Andeutungen, sollten laufende Verhandlungen nicht gefährdet werden.

Für die Taliban sind die Reporter ein Faustpfand. Erst kürzlich publizierten sie ein Video einer weiteren Geisel, des US-Soldaten Bowe Bergdahl. Die Militanten behaupteten ebenfalls, dass sie seiner Regierung eine Liste mit Taliban-Gefangenen unterbreitet hätten. Wer darauf steht, ist nicht bekannt. In der Vergangenheit hatte es bei Geiselnahmen durchaus Gefangenenfreilassungen gegeben. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt, um Entführungen weniger aussichtsreich zu machen.

Gleichwohl bleiben Kidnappings ein großes Thema für die Aufständischen, aber vor allem für Kriminelle in Afghanistan. Kaum ein größeres Geschäft wird am Hindukusch abgeschlossen, ohne dass sich die Konkurrenten mit Geiselnahmen gegenseitig bedrohen. In den Publikationen der Taliban raten die Anführer ihren Kämpfern hingegen, ausschließlich Jagd auf westliche Geiseln zu machen, da man für diese mehr Geld oder andere Gegenleistungen fordern könne.

yas/mgb



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oberst klein 12.04.2010
1. es wird nicht bei französischen, amerikanischen, chinesischen Gefangenen bleiben ....
Frau Merkel und Baron von und zu Guttenberg, die glauben, diesen aussichtslosen Krieg fortsetzen zu müssen, den ihre Vorgänger Schröder, (Joschka) Fischer, Struck, Wieczorek-Zeul ... begonnen haben, sollten sich darauf einrichten, dass die Afghanen früher oder später auch einen Bundeswehrsoldaten (oder -soldatin), einen deutschen Journalisten oder einen Entwicklungshelfer auf afghanischem Staatsgebiet gefangen nehmen werden. Was will die Bundesregierung dann unternehmen ? Noch mehr Panzer, Haubitzen, Mörser, Kampfflugzeuge entsenden ? Oder sich doch wieder mit Geld freikaufen, wie bisher ? Ein zügiger Abzug nach niederländischem Vorbild wäre angebracht.
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