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Kidnapping: Türkischer Gouverneur meldet Entführung von drei Deutschen durch PKK

Sie überraschten die Touristen in ihrem Camp, nahmen allen die Handys weg - dann kidnappten sie drei der Bergsteiger: So schildert ein türkischer Gouverneur die Entführung einer Gruppe Deutscher durch die PKK am Berg Ararat. Der Reiseveranstalter bestätigt, dass die Männer vermisst werden.

Istanbul - Die drei Bergsteiger seien in der Provinz Agri gekidnappt worden, berichtet der Sender CNN Türk unter Berufung auf den türkischen Gouverneur Mehmet Cetin. Die Entführten seien in einer Gruppe von insgesamt 13 Wanderern unterwegs gewesen. Die Gruppe habe den Ararat besteigen wollen. Ersten Angaben zufolge war die Seilschaft vor drei Tagen in der Region eingetroffen. Der biblische Berg ist in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Ziel von Bergsteigern geworden.

Berg Ararat: Beliebtes Ziel - auch von Entführern?
AP

Berg Ararat: Beliebtes Ziel - auch von Entführern?

Nach Angaben des Gouverneurs von Agri, Mehmet Cetin, handelt es sich bei der Bergsteigergruppe um Süddeutsche aus den Städten Abendsberg, Ingolstadt und Regensburg, in Begleitung eines türkischen Bergführers. Drei von ihnen seien gestern Nacht entführt worden, sagte er SPIEGEL ONLINE. Der Gouverneur schildert den Tathergang so: Auf 3200 Metern Höhe sollen die Bergsteiger gecampt haben, als eine Gruppe von fünf PKK-Kämpfern erschienen sei.

Die Terroristen hätten den Deutschen ihre Handys abgenommen und drei - männliche - Bergsteiger mitgenommen. Am frühen Morgen wurde die Nachricht bekannt. Die verbliebenen zehn Deutschen befinden sich mittlerweile in Dogubayazit (Agri-Provinz, an der armenisch-iranischen Grenze) und werden von der Staatsanwaltschaft betreut. Bisher haben die PKK-Entführer keinen Kontakt mit der Polizei aufgenommen und Forderungen gestellt.

Die drei entführten Männer nahmen an einer Ararat-Tour des Münchner Reiseveranstalters "seb-tours" teil, das bestätigte man bei dem Unternehmen gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Wir haben eine Gruppe von 13 Bergsteigern am Ararat, drei von ihnen werden seit heute morgen vermisst", sagte Franz Eder von "seb-tours". Dabei handele es sich allesamt um Mitglieder des Deutschen Alpenvereins. Ein Teilnehmer der Gruppe habe sich am Mittwochmorgen von seinem Handy aus gemeldet und eine entsprechende Nachricht auf dem Firmen-Anrufbeantworter hinterlassen. "Seitdem haben wir keinen Kontakt mehr, auch nicht zu den zehn Teilnehmern, die in Sicherheit sind", sagte Eder.

Erst kurz vor dem Verschwinden der drei Deutschen habe ein türkischer Bergsteiger die Leitung der Gruppe bis zum Gipfel übernommen. Dabei handele es sich um einen lizensierten Bergführer. "seb-tours" veranstaltet seit 2004 Touren an den Ararat, bis dahin hatte es dort wegen der unsicheren politischen Situation im Kurdengebiet ein Verbot für Exkursionen gegeben. "Seitdem organisieren wir regelmäßig Touren an den Ararat, es hat nie Zwischenfälle gegeben", sagte Eder.

Das Auswärtige Amt will die Entführung bislang nicht bestätigen. Man gehe entsprechenden Hinweisen nach, sagte ein Sprecher. Derzeit sei man dabei, sich ein "präzises Lagebild" zu verschaffen. Das Auswärtige Amt stehe dabei in engem Kontakt mit der deutschen Botschaft sowie den türkischen Behörden.

Das deutsche Generalkonsulat in Istanbul gab eine Reisewarnung für den Osten der Türkei heraus.

Von der PKK liegt noch keine Stellungnahme vor. Die Kurdenrebellen hatten besonders in den neunziger Jahren im Kampf gegen die türkische Armee mehrmals Ausländer in Ostanatolien entführt.

dst/flo/ffr/asc/AP/Reuters/dpa/AFP

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