Kill-Team-Mörder vor Gericht: "Ich wusste, dass ich etwas Falsches tat, Sir"

Gemeinsam mit seinen Kameraden ermordete er brutal Zivilisten in Afghanistan. Nun muss der US-Soldat Jeremy Morlock für 24 Jahre in Militärhaft. Vor Gericht gab er an, sich trotz Drogenkonsums seiner Taten voll bewusst gewesen zu sein. In sieben Jahren kann er auf Bewährung hoffen.

SPIEGEL TV

Lewis-McChord - Als ihn der Richter in die Mangel nahm, missachtete Jeremy Morlock den Rat seines Anwalts. Drogenmissbrauch habe bei seinen Verbrechen in Afghanistan keine Rolle gespielt, so der US-Soldat. Er habe zwar wiederholt Haschisch konsumiert, die Morde an Zivilisten seien trotzdem mit vollem Bewusstsein geschehen. "Ich wusste, dass ich etwas Falsches tat, Sir", sagte Morlock nach Informationen der Agentur Reuters vor dem Gericht im US-Staat Washington.

Zuvor habe ihm sein Rechtsvertreter geraten, den Drogeneinfluss als möglicherweise strafmildernden Aspekt ins Spiel zu bringen, so Morlock laut Reuters. Nun muss der 22-Jährige wegen Mordes in drei Fällen für 24 Jahre ins Gefängnis. Mit seinem Trupp von insgesamt fünf Soldaten, war er wegen Mordes an unschuldigen Zivilisten angeklagt. Morlock hatte am Mittwochabend gestanden, drei unbewaffnete Zivilpersonen getötet zu haben.

"Ich hatte viel Zeit, um über meine Taten nachzudenken. Darüber, wie ich meinen moralischen Kompass verloren habe" sagte Morlock laut der US-Zeitung "Seattle Times" bei der Vernehmung. Er habe nicht nur gegen das Gesetz, sondern auch gegen die Regeln der Armee verstoßen, so der Soldat weiter. Er wolle sich bei den Familien der Opfer entschuldigen, ebenso wie bei dem afghanischen Volk.

Das sogenannte "Kill Team" soll zwischen Januar und Mai 2010 die Zivilisten mit Gewehren und Granaten getötet haben, obwohl die Menschen keinerlei Bedrohung für sie darstellten. Laut Anklage nahmen einige der Männer außerdem Gebeine als Trophäen mit und ließen sich mit einem ihrer toten Opfer grinsend ablichten. DER SPIEGEL und SPIEGEL TV hatte drei der Fotos veröffentlicht. SPIEGEL ONLINE zeigt jetzt den SPIEGEL-TV-Beitrag.

Anklageschrift: "Pure Mordlust"

Morlock sagte weiter aus, dass er und seine Kameraden bereits Wochen vor der ersten Tat begonnen hätten, die Morde vorzubereiten. Um sie zu rechtfertigen, hätten sie geplant, Waffen neben den Toten zu platzieren. "Der Plan war, Menschen zu töten", sagte der Angeklagte in der Anhörung. Militärstaatsanwalt Andre Leblanc bezeichnete die Taten als Verbrechen von "unsäglicher Grausamkeit". In der Anklageschrift hieß es, die Soldaten hätten aus purer Mordlust getötet.

Während der Anhörung schilderte Morlock einige Details der Mordfälle. Nach seiner Darstellung versteckte er sich etwa mit einem der Mitangeklagten hinter einer Mauer, als ein Afghane auf sie zukam. Morlock entsicherte einen Sprengsatz auf eine Weise, die glauben machen sollte, das Opfer habe ihn selbst entsichert. Sein Komplize habe daraufhin wie in Notwehr auf den Afghanen geschossen.

Morlock warf während der Anhörung einem seiner Vorgesetzten vor, bei den Plänen zur Ermordung der Zivilisten federführend beteiligt gewesen zu sein. Er ist der erste Soldat, der sich wegen der Vorfälle verantworten muss. Neben den fünf Soldaten des "Kill Teams" sind noch sieben weitere Soldaten angeklagt, unter anderem wegen Leichenschändung und Behinderung der Ermittlungen.

Vereinbarung zur Strafminderung

Morlock hatte eingewilligt, gegen seine vier Kameraden aussagen zu wollen, was sich für ihn strafmindernd auswirkte. Militärrichter Kwasi Hawks sagte, eigentlich habe er den Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilen wollen, sei aber wegen der Vereinbarung an eine Höchststrafe von 24 Jahren gebunden gewesen.

Der Anwalt des Soldaten erklärte, auf die Strafe würde rund ein Jahr Untersuchungshaft angerechnet. In etwa sieben Jahren könne sein Mandant um Bewährung ersuchen. Neben den drei Morden hat sich der Soldat auch zu Verschwörung, Behinderung der Justiz und illegalem Drogenkonsum bekannt. Er wird nun unehrenhaft aus den Streitkräften entlassen.

Das US-Militär hatte sich am Montag für die Handlungen auf den Bildern entschuldigt und sie als "widerwärtig für uns als Menschen" bezeichnet. Sie stünden im Widerspruch zu den Standards und Werten der US-Streitkräfte.

jok/Reuters/AP/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 68 Beiträge
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1. Titel
testthewest 24.03.2011
Zitat von sysopGemeinsam mit*seinen Kameraden ermordete er brutal*Zivilisten in Afghanistan. Nun muss der US-Soldat Jeremy Morlock für 24 Jahre in*Militärhaft. Vor Gericht gab er an, sich trotz Drogenkonsums seiner Taten voll bewusst gewesen zu sein. In sieben Jahren kann er auf Bewährung hoffen. Kill-Team-Mörder vor Gericht: "Ich wusste, dass ich etwas Falsches tat, Sir" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752996,00.html)
Tja, bei uns hätte es nur maximal 15 Jahre gegeben!
2. zweierlei mass
rst2010 24.03.2011
Zitat von sysopGemeinsam mit*seinen Kameraden ermordete er brutal*Zivilisten in Afghanistan. Nun muss der US-Soldat Jeremy Morlock für 24 Jahre in*Militärhaft. Vor Gericht gab er an, sich trotz Drogenkonsums seiner Taten voll bewusst gewesen zu sein. In sieben Jahren kann er auf Bewährung hoffen. Kill-Team-Mörder vor Gericht: "Ich wusste, dass ich etwas Falsches tat, Sir" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752996,00.html)
8 jahre pro mord? das ist ja nur wenig mehr strafe als für den besitz von mariuhana. versteh einer die amis. aber es war ja kein amerikaner, den er umgebrach hat. vielleicht wird in den usa mit zweierlei mass gemessen.
3. .
Haio Forler 24.03.2011
Tja, die Henne und das Ei ... Ich war doch immer der Ansicht: laßt die Afghanen ds sdoch unter sich ausmachen, Wäre das eine Lösung? ;)
4. ??
RTS 24.03.2011
Geht es nur mir so oder ist das nicht wieder so ein Fake-Eintrag, um aufzuwiegeln?
5. Ich teile Ihre Meinung nicht
jaques_de_molay 24.03.2011
Das ist wahr. Dann haben Sie vielleicht doch ein Problem mit unseren Gesetzen... vor allem mit unseren Werten, denn was haben amerikanische Familien in Amerika mit den verabscheuungswürdigen Taten eines Soldaten zu tun? Mit Ihrem Plan werden Sie dieses Denken weiter befördern. Zur Polizei können Sie in der Tat nur schwer gehen, aber das die einzige Alternative eine Bombe sein soll? Und die wollen Sie wo zünden? Und die Opfer sind dann alles Bastarde? Schon mal überlegt, dass die Amerikaner dann auch so denken könnten? Das vielleicht genau Ihre Art zu denken dieses Verbrechen ausgelöst hat? Das wenn es den Amerikanern reicht, sie vlt auch "so viele wie möglich" töten möchten und sie wegen ihrer Technik zu wirklich üblem in der Lage wären?
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Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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Afghanistan: Die Machenschaften des "Kill Teams"

Karzai und Afghanistan
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Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
REUTERS
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.

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Präsident Karzai: "Härtester Job der Welt"