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"Kill Team"-Skandal: Armeebericht bringt Kommandeur in Bedrängnis

Er soll sich für eine aggressive Kriegsführung eingesetzt und andere Aufgaben vernachlässigt haben: Ein Untersuchungsbericht zieht nach Informationen des SPIEGEL den Kommandeur Harry Tunnell in den "Kill Team"-Skandal hinein. "Lasst uns die Drecksäue töten", soll sein Motto gewesen sein.

Oberst Harry Tunnell: Einpeitscher der "Kill-Team"-Brigade? Zur Großansicht
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Oberst Harry Tunnell: Einpeitscher der "Kill-Team"-Brigade?

Die Führung der US-Armee hat im "Kill Team"-Skandal gegen eigene Standards verstoßen. Nach einem 532-seitigen Untersuchungsbericht der US-Armee hat der damalige Kommandeur der 5. Stryker Brigade, Oberst Harry Tunnell, eine aggressive Kriegsführung propagiert. Damit habe er gegen die vorgegebene Strategie verstoßen, Vertrauen bei der Bevölkerung aufzubauen.

Der Bericht, der dem SPIEGEL vorliegt, wird von der US-Armee unter Verschluss gehalten. "Wäre Oberst Tunnell noch Kommandeur, würde ich empfehlen, dass er abgesetzt wird", schreibt General Stephen Twitty, der Autor des Untersuchungsberichts. Oberst William Clark, der drei Jahre lang unter Tunnell gedient hat, sagte in einer eidesstattlichen Erklärung: "Ich würde mit Harry Tunnell in Zukunft nicht mehr zusammenarbeiten. Er ist die schwierigste Führungskraft, mit der ich in meiner mehr als 26-jährigen Karriere beim Militär zu tun hatte."

Ein Soldat fasste in den Anhörungen Tunnells Grundhaltung in einem Satz zusammen: "Lasst uns diese Drecksäue töten." Nun stehen fünf Männer von Tunnells Brigade unter Verdacht, das größte Kriegsverbrechen seit den Folterungen von Abu Ghuraib begangen zu haben.

Sie sollen afghanische Zivilisten umgebracht haben, aus purem Übermut. Der erste von ihnen wurde vorvergangene Woche zu 24 Jahren verurteilt. "Tunnells Unachtsamkeit für administrative Aufgaben hat möglicherweise geholfen, ein Klima zu schaffen, in dem Fehlverhalten passieren konnte", heißt es in dem Report.

Das sogenannte "Kill Team" soll zwischen Januar und Mai 2010 mehrere Zivilisten mit Gewehren und Granaten getötet haben, obwohl die Menschen keinerlei Bedrohung für sie darstellten. Laut Anklage nahmen einige der Männer außerdem Gebeine als Trophäen mit und ließen sich mit einem ihrer toten Opfer grinsend ablichten. Die Gruppe soll außerdem Drogen konsumiert und einen Kameraden verprügelt haben, als dieser sie anzeigen wollte.

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Montage DER SPIEGEL; dpa, Fotos Rainer Weisflog, imago
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