Killerkommando gegen Hamas-Führer London sieht Israel in Dubai-Mord verwickelt

Bislang gab es nur vage Verdächtigungen. Jetzt beschuldigt Großbritannien als erstes westliches Land Israel, in das mutmaßliche Attentat auf einen Hamas-Führer in Dubai verwickelt zu sein - und weist einen israelischen Diplomaten aus. Laut "Times" könnte es sich um den Londoner Mossad-Chef handeln.

AFP/ Dubai Police

London - Israel gerät in Großbritannien und auch Frankreich wegen des mutmaßlichen Attentats des Geheimdienstes Mossad auf einen Hamas-Funktionär massiv unter Druck. Die britische Regierung wies am Dienstag einen israelischen Diplomaten wegen der Fälschung britischer Pässe aus, die die Mörder bei dem Anschlag in einem Hotel in Dubai benutzt haben sollen.

Ermittlungen hätten gezeigt, es gebe "zwingende Gründe zu glauben, dass Israel verantwortlich ist", sagte Außenminister David Miliband vor dem Unterhaus. Damit sieht erstmals ein westlicher Staat Israel offiziell in die Tat verwickelt. Miliband fordere von der israelischen Regierung, bei den laufenden Untersuchungen voll zu kooperieren, hieß es in einem BBC-Bericht.

"Angesichts dessen, dass es eine sehr durchdachte Operation mit hochwertigen Fälschungen war, hält die Regierung es für sehr wahrscheinlich, dass die Fälschungen von einem staatlichen Geheimdienst vorgenommen wurden", sagte der Außenminister. "Ein solcher Missbrauch britischer Pässe ist unerträglich, nicht zu tolerieren und eine Gefahr für die Sicherheit britischer Bürger." Die Tatsache, dass Israel ein enger Verbündeter sei, "macht alles noch schlimmer". Miliband ging aber nicht so weit, Israel für die Ermordung verantwortlich zu machen.

Die "Times" berichtete, bei dem ausgewiesenen Diplomaten handele es sich möglicherweise um den Londoner Mossad-Chef.

Der Hamas-Kommandeur Mahmud al-Mabhuh war im Januar in einem Hotel in Dubai getötet worden. Die bislang identifizierten Attentäter hatten nach Angaben der Behörden in Dubai für ihre Einreise unter anderem gefälschte britische Pässe benutzt, was das Verhältnis zwischen beiden Ländern belastet. Die Polizei des Emirats beschuldigt den israelischen Geheimdienstes Mossad, hinter der Tat zu stecken, und spricht von mindestens 26 Verdächtigen. Der Hamas-Funktionär hatte für die radikal-islamische Palästinenserbewegung Waffen beschafft. Israel hat sich bislang geweigert, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Vorermittlungen in Frankreich

Israel reagierte mit "Enttäuschung" auf die Ausweisung des Diplomaten. Am Montag hatte das Außenministerium nach Berichten der Zeitung "Daily Telegraph" den israelischen Botschafter Ron Prosor einbestellt, um diesen über die Ergebnisse einer im Februar eingeleiteten Untersuchung zu informieren. Prosor verurteilte die Ausweisung eines seiner Mitarbeiter. "Die Beziehung zwischen Israel und Großbritannien ist für beide Seiten wichtig, deshalb sind wir enttäuscht von der Entscheidung", erklärte der Botschafter vor Journalisten. Ähnlich äußerte sich später auch Außenminister Avigdor Lieberman. Er warf London vor, "keine Beweise für eine Verwicklung Israels in die Affäre" vorgelegt zu haben. Dennoch wird Israel nach den Worten eines Regierungsvertreters keine Gegenmaßnahmen ergreifen. "Wir beabsichtigen nicht, nun einen britischen Diplomaten auszuweisen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

In Frankreich leitete die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen wegen vier gefälschten Pässen im Zusammenhang mit dem Mordkomplott ein. Laut Pariser Staatsanwaltschaft ergab die Überprüfung der Papiere, "dass sie entweder unter falschen Identitäten ausgestellt" oder mit Hilfe von Fotos verfälscht wurden. Die mutmaßlichen Attentäter hatten auch einen Pass aus Deutschland benutzt.

als/dpa/Reuters/AP/AFP

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