Buch über Jagd auf Qaida-Chef: Wie Obama auf Bin Ladens Spur kam

Der Schlag gegen Osama Bin Laden ist einer der größten Erfolge von Barack Obama. Ein neues Buch beschreibt, wie sehr die Suche nach dem Top-Terroristen von Zufällen abhing - und welches Risiko der US-Präsident einging, als er den Einsatzbefehl gab.

Tödliche US-Operation: Jagd auf Bin Laden Fotos
REUTERS/ The White House

Osama Bin Laden war ein Mann, nach dem schon vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gefahndet wurde. Mit 9/11 jedoch wurde er der meistgesuchte Mensch der Welt. US-Präsident George W. Bush setzte alles daran, ihn noch während seiner Amtszeit zu fassen. Täglich fragte er bei den Geheimdienstleuten und Sicherheitsexperten nach, wie weit sie seien mit ihrer Suche.

Doch erst seinem Nachfolger Barack Obama war es vergönnt, Bin Laden auf die Spur zu kommen. Bis zum Schluss, bis zu dem Moment, in dem Soldaten der Navy Seals im Schlafzimmer von Bin Laden im pakistanischen Abbottabad standen, war nicht klar, ob es sich wirklich um den Qaida-Chef handelt, den die CIA ausgemacht hatte.

Über die Jagd auf Bin Laden sind in dem Jahr nach dessen Tod viele Bücher erschienen. Zuletzt machte das eines Soldaten Schlagzeilen, der bei dem Einsatz dabei war. Ein neues Buch des amerikanischen Journalisten Mark Bowden zeichnet nach, wie die Suche nach Bin Laden ablief, welche Zufälle auf die richtige Spur führten und welches Risiko Obama einging.

Bowden, 61, hat Erfahrung mit gesuchten Männern: In einem früheren Buch beschrieb er die Jagd auf Pablo Escobar, den kolumbianischen Drogenkönig, einen der mächtigsten und reichsten Kriminellen der Geschichte. Als sein Vorbild nennt Bowden den US-Autor und Journalisten Tom Wolfe. Kritiker Bowdens werfen ihm vor, zu sehr zu fiktionalisieren, es mit den Fakten also nicht so genau zu nehmen.

Für sein Buch über die Jagd auf Bin Laden hat er jedenfalls mit US-Präsident Obama selbst gesprochen. Es liest sich spannend wie ein Thriller, verständlich auch für Menschen, die sich mit dem Thema ansonsten nicht beschäftigt haben.

SPIEGEL ONLINE dokumentiert einen Auszug aus "Killing Osama. Der geheime Krieg des Barack Obama":

Die Spur nach Abbottabad, die im Nachhinein so klar erscheint, stellte einen Triumph der Informationsverknüpfung dar. In diesem Fall begann alles mit einem Namen. Es war nicht einmal ein echter Name, und er bezog sich auf jemanden, der fälschlicherweise für tot gehalten wurde.

Der Name Abu Ahmed al-Kuwaiti wurde den Behörden in Mauretanien zum ersten Mal von einem al-Qaida-Mitglied genannt. Offenkundig handelte es sich um ein Pseudonym. Der Name bedeutete "Der Vater von Ahmed aus Kuwait". Es war nur einer von Tausenden, die täglich in die Datenbank der Organisation eingegeben wurden, welche später Terrorism Information Awareness heißen sollte.

Dasselbe Pseudonym und dieselbe Person wurden ein Jahr später weitaus detaillierter von einem jungen Mann in Saudi-Arabien genannt.

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Abbottabad: Schauplatz eines Showdowns
Nun war der Name also zwei Mal aufgetaucht, war von zwei verschiedenen Männern in zwei verschiedenen Ländern erwähnt worden, im Abstand von mehr als einem Jahr. Noch achtete niemand darauf. Viele der frühen Gefangenenverhöre wurden nicht weit verbreitet, nicht einmal innerhalb der CIA - die Bedeutsamkeit der einzelnen, gigantischen Datenbank sollte sich erst einige Jahre später zeigen, als die Software zur Verfügung stand, um sie effektiv zu nutzen.

Auf Informationen, die zu Bin Laden führten, hatte das State Department of Information eine Belohnung von 25 Millionen Dollar ausgesetzt. Zwei weitere Millionen waren von einem Verband von Fluggesellschaften und der Pilotenvereinigung hinzugefügt worden. Einen Hinweis einzureichen war also wie der Kauf eines Lotterieloses: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Vier Verhaftete nennen den Namen Kuwaiti

Zwei weitere Verhaftete erwähnten den Namen Ahmed, den Kuwaiter. Einer von ihnen bezeichnete ihn als bedeutenden Kurier, als einen der wichtigsten Helfer Bin Ladens. Nun lagen vier Erwähnungen dieses geheimnisvollen Mannes vor, der immer realer wirkte. Aber wer war er?

Im Jahr 2007 erfuhr die CIA, dass der echte Name des Kuwaiters Ibrahim Said Ahmed lautete. Sie gibt nicht bekannt, wie die Verbindung hergestellt wurde. Vielleicht hatte sie ganz einfach ein Informant zustande gebracht, vielleicht jemand, der inhaftiert und im Ausland verhört worden war, vielleicht war es auch aus der Hexenküche der Hochleistungscomputer aufgestiegen, nachdem irgendwo auf der Welt ein Handygespräch die entscheidende Verknüpfung gebracht hatte.

Ahmed stammte aus einer großen pakistanischen Familie, die nach Kuwait gezogen war. Er selbst war in Kuwait zur Welt gekommen. Ein Mann mit großer Familie hatte Verwandte mit Telefonen, Postadressen und Computern, die mit dem Internet verbunden waren. Ein Mann wie Ahmed bewegte sich in einem Netzwerk, das nachvollzogen und überwacht werden konnte.

Ahmed lebte in einem großen Haus in Abbottabad. Die Ermittler fanden heraus, dass er und sein Bruder sich äußert vorsichtig benahmen. Die beiden benutzten ihre Telefone nur im Auto. Ahmed fuhr einen weißen Suzuki Jimny, auf dessen Heck ein Reservereifen angebracht war, durch den man ihn aus der Luft leicht identifizieren und verfolgen konnte. Es stellte sich heraus, dass er, bevor er sein Telefon auch nur anstellte, mindestens eine einstündige Autofahrt auf sich nahm, um Abstand zwischen sich und dem überaus eigentümlichen Anwesen in Abbottabad zu bringen.

Die Erkenntnisse genügten, um das Interesse der CIA zu erhöhen. Wenn Ahmed, der Kuwaiter, noch immer als Kurier tätig war, dann konnte er sie womöglich zu dem Ort führen, an dem Bin Laden sich versteckte.

CIA wird aufmerksam auf ein Anwesen in Abbottabad

Die mitgeschnittenen Telefongespräche der Brüder wurden nun sehr genau abgehört. Keiner von beiden sprach je darüber, womit sie sich gerade beschäftigten, aber bezeichnenderweise logen sie selbst enge Familienmitglieder an, wenn es um ihren Wohnort ging. Und in einem der Telefonanrufe von Ahmed kam es zu dem kurzen Austausch, der anscheinend bestätigte, dass er immer noch für al-Qaida arbeitete. "Ich bin immer noch bei denselben Leuten wie früher."

Nun hatte jenes Anwesen in Abbottabad die volle Aufmerksamkeit der CIA. Das Grundstück war acht Mal so groß wie die umliegenden Anwesen. Im Gegensatz zu den meisten von diesen verfügte es weder über Internet- noch über Telefonanschlüsse. Die Mauern, die es umgaben, waren ungewöhnlich hoch und mit sechzig Zentimeter hohem Stacheldraht besetzt. Selbst eine Veranda auf der Rückseite des dritten Stockwerks war ummauert.

Es war unmöglich, ins Innere des Hauses hineinzuschauen, weder vom Boden aus noch aus der Luft. Die Fenster bestanden aus verspiegeltem Glas oder waren mit einer entsprechenden Schicht überzogen worden. Das Erste, was die CIA herausfand, war die Tatsache, dass nicht nur Ahmed und seine Familie dort lebten, sondern auch sein Bruder und dessen Familie. In der Nachbarschaft waren sie unter falschen Namen bekannt.

Sie waren nie wohlhabend gewesen, aber das Anwesen, das sie bewohnten, war kostspielig. Neben den hohen Mauern schienen die Brüder auch sonst außergewöhnlich hohe Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Sogar all ihren Abfall verbrannten sie auf dem Gelände. Keines ihrer Kinder verließ das Grundstück, außer um die Schule vor Ort oder einen Arzt aufzusuchen.

Die CIA hatte das Grundstück unauffällig in Augenschein genommen, Fotos aus der Luft geschossen und ihre Agenten vom Boden aus darauf angesetzt. Die konnten zwar nicht ins Innere sehen, hörten sich jedoch ganz nebenbei in der Nachbarschaft um, stellten die entsprechenden Fragen, wobei sie sorgfältig darauf achteten, nicht zu neugierig zu erscheinen. Wer wohnt eigentlich in dem großen Gebäude da drüben? Ich frage mich, was die Leute, die da leben, wohl beruflich machen. Zusammen mit einigen Telefonmitschnitten hatten diese Nachforschungen der letzten Wochen zwei Entdeckungen zu Tage gefördert, die die CIA -Mitarbeiter für überaus signifikant hielten.

Es hatte sich herausgestellt, dass in den oberen beiden Stockwerken des großen Anwesens eine dritte Familie lebte, von der kein einziges Mitglied jemals das Grundstück verließ. Auch die Kinder gingen nicht aus dem Haus, um mit den anderen zur Schule zu gehen. Nachbarn in Abbottabad wussten nichts von dieser dritten Familie. Und es gab Anzeichen dafür, dass die Brüder, denen das Haus angeblich gehörte, als Dienstboten der versteckten Familie fungierten. Einer von beiden war immer anwesend, so dass die dritte Familie nie allein blieb.

Drohnenkameras machen Bilder von Bin Laden

Die USA setzten Drohnen mit Kameras ein. Nur ein Mitglied dieser Familie war regelmäßig zu sehen, ein großer Mann im traditionellen Paschtunengewand und mit Gebetskappe auf dem Kopf, der innerhalb der Mauern tägliche Spaziergänge unternahm. Er ging zügig und in engen Kreisen um den Gemüsegarten herum. Über diesen war teilweise eine Plane gespannt, um ihn vor direkter Sonneneinstrahlung zu beschirmen oder - ebenfalls gut möglich - um den Spaziergänger vor den wachsamen Augen am Himmel abzuschirmen.

Die Drohnenkameras waren trotzdem in der Lage, Bilder von ihm einzufangen, doch deren Qualität war nicht besonders gut. Der Blickwinkel der Kameras machte es unmöglich, einen direkten Blick auf das Gesicht des Spaziergängers zu werfen. Er machte einen großen und dünnen Eindruck.

Irgendwann wussten Hunderte von Menschen im Umfeld von US-Präsident Barack Obama Bescheid über die Erkenntnisse der CIA und über ein eventuelles Vorgehen. Kein Geheimnis überlebte lange unter solchen Umständen. Es war unvermeidlich, dass irgendwann einer der vielen Hundert damit herausrücken oder sich verplappern würde. Irgendwer würde sich zwangsläufig jemandem anvertrauen, der nicht vertrauenswürdig war, oder es aus eigenem Antrieb durchsickern lassen.

Für Obama lag das Maß der Sicherheit, dass Bin Laden sich in dem Haus befand, fünfzig zu fünfzig. Er hatte seit Monaten darüber nachgedacht. Die Vorteile der Erstürmung lagen auf der Hand und überwogen für ihn die Risiken. Hier bestand die Chance, die Tragödie des 11. September zu einem Abschluss zu bringen und al-Qaida einen tödlichen Schlag zu versetzen.

kaz

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insgesamt 55 Beiträge
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1. Nein, Bush setzte nicht alles daran,
gandhiforever 20.10.2012
Zitat von sysopDer Schlag gegen Osama Bin Laden ist einer der größten Erfolge von Barack Obama. Ein neues Buch beschreibt, wie sehr die Suche nach dem Top-Terroristen von Zufällen abhing - und welches Risiko der US-Präsident einging, als er den Einsatzbefehl gab. Killing Osama: Buch beschreibt Jagd auf Osama bin Laden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/killing-osama-buch-beschreibt-jagd-auf-osama-bin-laden-a-862199.html)
Bin Laden aufzuspueren. Er bekannte einmal sogar, dass er Wichtigeres zu tun habe.
2. Beweise
Geemuh 20.10.2012
Solange die US-amerikanische Regierung keine Beweise liefert, werde ich den Tod Osamas durch die Navy Seals, nicht glauben. Hussein, wurde öffentlich erhängt, sogar gefilmt, und Osama haben sie ein paar Stunden danach im Meer bestattet?! Ja ne ist klar. Das Volk wird leider immer naiver... und das machen sich die da oben eben gerne zu Nutze..
3. Es ist halt
Mr.GeldSchein 20.10.2012
blöd dass wir schlussendlich kein einziges Bild kein Video kein Genmaterial und eigentlich überhaupt keinen einzigen Beweis zu Gesicht bekommen haben ob das nun dort tatsächlich Bin Laden war der dort an jenem Tag exekutiert wurde. Zuguterletzt hat man auch noch den letzten offensichtlichsten Beweis, nämlich Bin Ladens vermeintlichen toten Körper, ganz einfach im Meer versenkt... Abr na klar, warum sollte man uns belügen. Natürlich glauben wir der USA auch blind weiterhin alles.
4.
Onkel_Karl 20.10.2012
Zitat von sysopDer Schlag gegen Osama Bin Laden ist einer der größten Erfolge von Barack Obama. Ein neues Buch beschreibt, wie sehr die Suche nach dem Top-Terroristen von Zufällen abhing - und welches Risiko der US-Präsident einging, als er den Einsatzbefehl gab. Killing Osama: Buch beschreibt Jagd auf Osama bin Laden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/killing-osama-buch-beschreibt-jagd-auf-osama-bin-laden-a-862199.html)
Dieses Lied ist schon zu alt,die Amis wussten von Anfang an wo OBL sich befindet. CIA weiss immer alles,ausserdem gab es bei Google Earth zu sehen,wie USA die Villa noch 2007 nachgebaut haben und jetzt sieht man bei Google Earth nur noch Umrisse vo der Villa. Uberhaupt weiss jemand wie wichtig die Stadt ist,in der OBL gelebt hat. Es war eine Garnison,jeder wusste wer im Städchen lebt,Pak.Geheimdienst schottet die Stadt ab und ausgerechnet da findet man Bin Laden,der sich nicht gewehrt hatte,weil er gedacht hat er wird nach Saudi Arabien ausgeflogen,er hat seine Waffe nicht benutzt,seine Bewacher haben ihre Waffen nicht benutzt,obwohl die Amis 45 im Garten damit beschäftigt waren den Heli zu sprengen,erst dann kamen sie ins Haus und keiner hat geflohen..die Villa hatte nicht mal ein Tunnel oder Panik Room..der Mann fühlte sich sehr sehr sicher.
5. Ich glaube gar nichts mehr.
immernachdenklicher 20.10.2012
Zitat von sysopDer Schlag gegen Osama Bin Laden ist einer der größten Erfolge von Barack Obama. Ein neues Buch beschreibt, wie sehr die Suche nach dem Top-Terroristen von Zufällen abhing - und welches Risiko der US-Präsident einging, als er den Einsatzbefehl gab. Killing Osama: Buch beschreibt Jagd auf Osama bin Laden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/killing-osama-buch-beschreibt-jagd-auf-osama-bin-laden-a-862199.html)
Jeden, der die USA habhaft wurden, wurde ausgestellt. Hier, schaut da ist der Übeltäter. Wir haben ihn! Diesen Triumpf hätten sie nie ausgelassen. Zudem diesen gefakten Videos des "Terrorfürsten". Die schwere Nierenerkrankung weswegen OBL wöchentlich zur Dialyse mußte. Oder hat er irgendwo eine neue Niere bekommen? Ich denke, es war einfach nicht mehr zu verkaufen. Jedes Jahr, zur Aufrechterhaltung der Terrorgefahr, ein neues Video zu erstellen.
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Osama Bin Laden über...
 
Den 11. September
"Wir berechneten im Voraus, wie viele Verluste der Feind erleiden würde. Wir nahmen als Grundlage die Position des Turms und errechneten, wie viele getötet werden würden. Wir schätzten, dass ungefähr drei bis vier Stockwerke getroffen werden würden. Ich war besonders optimistisch ..., weil ich auf diesem Gebiet bereits Erfahrung habe. Ich vermutete, das brennende Benzin würde die Eisenträger des Gebäudes schmelzen. Aber ich dachte nur, dass die Einschlagstelle und die Stockwerke darüber einstürzen würden. Mehr wagten wir nicht zu hoffen."

November 2001, zitiert nach: Abou-Taam/Bigalke: "Die Reden des Osama Bin Laden"
Den Irak-Krieg
"Ich jubele darüber, dass Amerika in den Schlammlöchern des Tigris und Euphrat steckengeblieben ist... Bush glaubt, der Irak und sein Öl seien leichte Beute, und nun steckt er durch die Gnade Gottes fest und kann weder vor noch zurück. Amerika schreit aus voller Kehle, während es vor den Augen der Welt auseinanderbricht."

Oktober 2003, zitiert nach: Coll: "Die Bin Ladens. Eine arabische Familie"
Amerika
Im September 2007 wandte sich Osama Bin Laden "an die Amerikaner": "So wie ihr euch zuvor aus der Sklaverei der Mönche, Könige und Feudalherren befreit habt, so solltet ihr euch jetzt von den Irreführungen ... des kapitalistischen Systems befreien."

Politische, geschichtliche und moralische Erörterungen vermischend, zeichnet Bin Laden das Bild einer Nation, die auf der Verliererstraße ist. Obwohl militärisch übermächtig, könnten die Amerikaner im Irak nicht gewinnen - weil sie zwar moralisch argumentierten, in Wahrheit aber nur den Interessen internationaler Konzerne folgten.

Das Ansehen der USA sei deswegen ruiniert. Um "den Krieg zwischen uns" zu stoppen, gebe es zwei Möglichkeiten: Entweder die Mudschahidin stellten die Kampfhandlungen ein, was aber nicht gehe, weil sie eine Pflicht erfüllten. Oder die USA sähen endlich ein, dass sie die Verlierer im Irak seien. Es sehe aber so aus, als würden sie die eigenen Fehler aus dem Vietnam-Krieg und die der Sowjets aus dem Afghanistan-Feldzug wiederholen und sich vor der besseren Einsicht drücken.

Es gebe allerdings einen Ausweg, sagte Bin Laden weiter: Die Amerikaner sollten "nach einem alternativen, aufrechten Weg suchen", in dem es nicht darum gehe, andere zum eigenen Nutzen zu unterdrücken. Natürlich hat dieser Weg auch einen Namen: Die Amerikaner sollen zum Islam konvertieren.
Die Europäer
"Unsere Aktionen sind nur eine Antwort auf eure Aktionen - eure Zerstörung und und euren Mord an unseren Leuten, ob in Afghanistan, im Irak oder Palästina... Nach welchem Glauben sind eure Toten wertvoll und unsere wertlos? Nach welcher Logik zählt euer Blut als echt und unseres als Wasser? Vergeltung ist Teil von Gerechtigkeit, und der, der feindliche Akte zuerst begeht, ist der, der unrecht handelt. Ich rufe alle Männer, insbesondere Gelehrte, die Medien und Geschäfstleute dazu auf, eine permanente Kommission einzuberufen, um in Europa das Bewusstsein für unsere gerechten Gründe zu stärken... Ich mache einen Friedensvorschlag, der im Kern die Verpflichtung darstellt, alle Operationen gegen jeden Staat einzustellen, der sich verpflichtet, keine Muslime oder islamischen Staaten anzugreifen. "

April 2004, zitiert nach: Lawrence: "Messages to the World. The Statements of Osama Bin Laden"
Den "Kampf der Kulturen"
"Ohne jeden Zweifel (glaube ich an den Kampf der Kulturen). Das heilige Buch erwähnt ihn klar. Die Juden und Amerikaner haben das Lügenmärchen vom Frieden auf Erden erfunden. Das ist nur ein Märchen für Kinder."

Nach dem 11. September 2001 auf al-Dschasira. Zitiert nach: Coll: "Die Bin Ladens. Eine arabische Familie"