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30. Dezember 2012, 16:26 Uhr

Ärger über Staudamm

Kim Jong Il soll nach Wutanfall gestorben sein

Wie starb Nordkoreas Diktator Kim Jong Il im Dezember 2011? Die südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo" liefert eine neue Theorie: Angeblich regte sich der Despot über Mängel an einem Staudamm so sehr auf, dass er einen Herzinfarkt erlitt.

Seoul - Der Tod Kim Jong Ils am 17. Dezember 2011 ist und bleibt rätselhaft. Nordkoreas offizielle Version geht so: Der "geliebte Führer" starb an Bord seines persönlichen Zuges nach "großen mentalen und physischen Leiden". Sein Herz habe auf dem Weg zu einer "intensiven Feldinspektion" versagt. Nun gibt es eine neue Variante dieser Geschichte. Demnach könnte sich der Despot zu Tode geärgert haben.

Das meldet die Zeitung "Choson Ilbo", eines der wichtigsten und auflagenstärksten Blätter in Südkorea. Kim Jong Il habe demnach einen gewaltigen Wutanfall bekommen, nachdem er über Mängel an einem Staudammprojekt informiert worden war. Der Ärger über die Rückschritte bei dem Prestigeobjekt habe letztlich den Herzinfarkt ausgelöst. Das Blatt beruft sich auf eine namentlich nicht genannte Quelle.

Die schlechten Nachrichten ereilten Kim laut dem Bericht bei einem Briefing mit seinen engsten Mitarbeitern. Darin sei von einem Leck am Huichon-Staudamm die Rede gewesen, der die Hauptstadt Pjöngjang mit Strom versorgen soll. Wie "Choson Ilbo" berichtet, habe Kim seine Untergebenen angeherrscht, den Mangel sofort zu beheben. Zudem habe er die Baustelle unverzüglich besichtigen wollen und Strafen für die Verantwortlichen angekündigt. Wenig später habe sich der Gesundheitszustand des Diktators rapide verschlechtert.

Aus Pjöngjang, wo nach Kim Jong Ils Tod dessen Sohn Kim Jong Un die Macht übernommen hat, gibt es keine Stellungnahme zu der neuen Version. Das Regime hatte mit einer pompösen Trauerfeier vor knapp zwei Wochen des verstorbenen Oberhaupts gedacht.

Gefährliche Risse im Mega-Staudamm

Der Staudamm und das angeschlossene Kraftwerk waren eines der wichtigsten Bauprojekte des international isolierten Regimes. Der Damm wurde im April 2012, rund vier Monate nach Kims Tod, eröffnet. Die Bauzeit soll nur drei Jahre betragen haben und die ursprünglich veranschlagte Projektlaufzeit um sieben Jahre unterschritten worden sein.

Durch die von ganz oben verordnete Eile kam es allerdings immer wieder zu technischen Mängeln und baulichen Rückschritten. So sollen zwischenzeitlich Risse in dem rund hundert Meter hohen und 555 Meter langen Bauwerk zu sehen gewesen sein. "Das waren nicht einfach nur Risse", zitiert die Zeitung "Choson Ilbo" ihren Informanten: "Die Sicherheit des ganzen Damms war in Gefahr."

Mittlerweile hat Nordkorea die Probleme offenbar unter Kontrolle. Doch im Regime ist der Ärger über die Rückschläge rund um das Mega-Projekt immer noch nicht verraucht. Bei der feierlichen Zeremonie zur Fertigstellung des Baus am 5. April 2012 fehlte ein höchst prominenter Besucher: Machthaber Kim Jong Un.

jok

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