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Kim Jong Ils Tod: Nordkorea wirft dem Süden mangelnde Trauer vor

Der Diktator ist tot - müssen Demokraten nun Betroffenheit zeigen? Nordkorea verlangt dies vom verfeindeten Süden und kritisiert, dass die Regierung in Seoul nur zwei Beileidsdelegationen schickt. Neue Spekulationen gibt es über die Nachfolge Kim Jong Ils: Eine wichtige Rolle spielt offenbar Onkel Jang.

Bild des nordkoreanischen Staatsfernsehens: Kim Jong Un (Mitte), Onkel Jang (links) Zur Großansicht
REUTERS

Bild des nordkoreanischen Staatsfernsehens: Kim Jong Un (Mitte), Onkel Jang (links)

Seoul - Nordkorea zeigt sich schwer verärgert über Südkorea. Der Grund ist die Reaktion des Südens auf den Tod von Diktator Kim Jong Il. Die Regierung in Seoul hatte zwar der Bevölkerung des kommunistischen Nachbarlandes ihre Anteilnahme ausgesprochen, sich aber nicht direkt an das Regime in Pjöngjang gewandt. Außerdem stören sich die Machthaber im Norden daran, dass Seoul mit zwei Ausnahmen keine Besuche von Beileidsdelegationen aus Südkorea zulässt.

Nordkorea hat Seoul nun am Sonntag aufgerufen, die Zahl der Beileidsdelegationen nicht zu beschränken. Nordkorea werde es nicht tolerieren, wenn man Trauernde abhalte, hieß es am Sonntag in einer Erklärung des staatlichen Komitees für eine Friedliche Wiedervereinigung Koreas. "Die südkoreanische Regierung sollte berücksichtigen, dass ihre Störungen unvorhersehbare katastrophale Konsequenzen für die Nord-Süd-Beziehungen nach sich ziehen werden."

Kim Jong Il war nach offizieller Darstellung am 17. Dezember im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Die Beisetzungsfeierlichkeiten sollen an diesem Mittwoch stattfinden.

Es wird erwartet, dass die Witwe des früheren südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung, Lee Hee Ho, und mehrere Begleiter an diesem Montag mit dem Auto nach Pjöngjang reisen werden. Auch Hyun Jeong Eun, der Witwe des früheren Vorsitzenden der Hyundai-Gruppe Chung Mong Hun, hatte Seoul die Genehmigung für einen Kondolenzbesuch erteilt. Beide Frauen werden allerdings nach Angaben des Vereinigungsministeriums am Dienstag zurückkehren und nicht an der eigentlichen Beisetzungsfeier teilnehmen.

Onkel Jang an der Seite Kim Jong Uns

Neue Spekulationen gibt es über die Machtfrage in Nordkorea. So zeichnet sich ab, dass der Familienclan des verstorbenen Alleinherrschers Kim Jong Il seine Position weiter gestärkt hat. Nordkoreas Staatsfernsehen zeigte am Sonntag einen Onkel an der Seite von Kims Sohn Kim Jong Un, der als erwählter Nachfolger gilt. Die Aufnahmen waren am Glassarg des aufgebahrten Ex-Diktators in Pjöngjang entstanden. Bei dem Onkel handelt es sich um den 65 Jahre alten Jang Song Thaek - er ist der Ehemann von Kim Jong Ils jüngerer Schwester. Auf den Bildern trägt er eine Militäruniform mit dem Rangabzeichen eines Generals. Es ist das erste Mal, dass er sich in Militäruniform im Fernsehen zeigt, berichten südkoreanische Medien.

Jang gilt seit langem als graue Eminenz des kommunistischen Regimes und Mentor des noch nicht 30-jährigen Kim Jong Un. Es war zunächst unklar, ob Jang offiziell den Titel eines Generals der Streitkräfte erhalten hat. Am Samstag hatte die Staatspresse Kim Jong Un zum ersten Mal als "obersten Befehlshaber" bezeichnet.

Kim Jong Il hatte seinen Schwager im vergangenen Jahr zu seinem Stellvertreter in der nationalen Verteidigungskommission gemacht, dem militärischen Führungsgremium des Staates. Es gilt als sicher, dass sich Kim Jong Il seit seinem Schlaganfall vor drei Jahren mit Personen seines Vertrauens, darunter seine Schwester Kim Kyong Hui und deren Mann Jang Song Thaek, umgeben hatte, um den Machttransfer auf seinen drittältesten Sohn vorzubereiten.

Kim selbst hatte die Macht von seinem 1994 gestorbenen Vater und "ewigen Präsidenten" Kim Il Sung übernommen.

Das Thema Korea spielt auch für Japan und China eine wichtige Rolle. Japans Ministerpräsident Yoshihiko Noda ist am Sonntag zu einem zweitägigen Besuch in Peking eingetroffen. Die Sorge um die Lage in Nordkorea werde im Mittelpunkt der Gespräche stehen, sagten chinesische und japanische Diplomaten.

wal/dpa/dapd

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insgesamt 60 Beiträge
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1. Etwas Demut wäre angebracht
frank_w._abagnale 25.12.2011
Vielleicht hat ein Kim Jong Il während seiner Ägide sich nicht allzu viele Meriten erworben. Ein Verdienst ist aber mit Sicherheit, dass es trotz der ernsten Lage in Nordkorea und den ständigen gegenseitigen Provokationen mit Südkorea und den USA noch nicht wieder zu einem bewaffneten Konflikt gekommen ist, der viele Menschen das Leben gekostet hätte. Zumindest dafür kann man Kim Jong Il würdigen und auch etwas Demut von offizieller Seite Südkoreas erwarten. Sowohl ein Krieg als auch eine mögliche Wiedervereinigung würden wohl das unvermeidliche Ende Südkoreas bedeuten.
2. Laut lachender weise
BiffBoffo 25.12.2011
Zitat von sysopDer Diktator ist tot - müssen Demokraten nun Betroffenheit zeigen? Nordkorea verlangt dies vom verfeindeten Süden und kritisiert, dass die Regierung in Seoul nur zwei Beileidsdelegationen schickt. Neue Spekulationen gibt es über die Nachfolge Kim Jong Ils: Eine wichtige Rolle spielt offenbar Onkel Jang. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805740,00.html
Mir ist grad echt fast das Getränk vor lachen aus dem Gesicht geflogen. Wenn eine mangelende Trauer vorlag dann von mir und dafür Entschuldige ich mich natürlich nicht. Was für komplett verblendete Menschen sind das eigentlich ?
3. Nordkorea
Hubatz 25.12.2011
Zitat von sysopDer Diktator ist tot - müssen Demokraten nun Betroffenheit zeigen? Nordkorea verlangt dies vom verfeindeten Süden und kritisiert, dass die Regierung in Seoul nur zwei Beileidsdelegationen schickt. Neue Spekulationen gibt es über die Nachfolge Kim Jong Ils: Eine wichtige Rolle spielt offenbar Onkel Jang. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805740,00.html
Man weiß ja immer nicht wirklich, wieviel an solchen Meldungen dran ist - aber Nordkorea würde keinem Staatsoberhaupt der Süd-Koreaner nachtrauern, geschweige gedenken.
4. Wer
Ralf Opdenhövel 25.12.2011
trauert denn tatsächlich um diesen schlechten Witz der Weltgeschichte? Von allen Seiten isoliert und ignoriert, wird der Hunger das Land zur Aufgabe des herrschenden Systems bringen.
5. ...
Atheist_Crusader 25.12.2011
Zitat von sysopDer Diktator ist tot - müssen Demokraten nun Betroffenheit zeigen? Nordkorea verlangt dies vom verfeindeten Süden und kritisiert, dass die Regierung in Seoul nur zwei Beileidsdelegationen schickt. Neue Spekulationen gibt es über die Nachfolge Kim Jong Ils: Eine wichtige Rolle spielt offenbar Onkel Jang. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805740,00.html
Wir wundert nur, dass der Norden so tut als ob es ihne wundert, dass der Süden sich wegen dem toten Führer nicht die Augen ausweint... obwohl sie genau wissen wie wenig der Süden vom alten Jong-Il gehalten hat.
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