Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un im "Frühling des Friedens"

Kim Jong Un hat ein Konzert südkoreanischer Künstler in Pjöngjang besucht - als erster Machthaber Nordkoreas überhaupt. Im Anschluss stellte er in Aussicht, wonach sich viele in seinem Land sehnen.

AFP/ KCNA VIA KNS

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ließ sich mitreißen von der guten Stimmung: Begleitet von seiner Frau Ri Sol Ju, einer ehemaligen Sängerin, besuchte er ein Konzert von südkoreanischen Musikern, Tänzern und Kampfsportlern in Pjöngjang. Bildaufnahmen zeigen das Paar, wie es munter mitfeiert. Es war die erste derartige Show in der nordkoreanischen Hauptstadt seit mehr als zehn Jahren - und vor allem: Als bisher einziger Machthaber seines Landes nahm Kim daran teil.

Nach dem Konzert mit dem Titel "Der Frühling kommt" schüttelte er die Hände der Stars und brachte seine "tiefe Dankbarkeit" zum Ausdruck, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. In Anlehnung an den Titel der Show sagte Kim Jong Un, die Künstler hätten einen "Frühling des Friedens" eingeläutet. Das Konzert, das mehr als zwei Stunden dauerte, habe "das Verständnis für die südkoreanische Populärkultur vertieft".

Die Geste fällt in eine Zeit der politischen Entspannung in den Beziehungen zwischen den beiden verfeindeten koreanischen Staaten. Kim Jong Un habe "großes Interesse für die Lieder und Texte" gezeigt, sagte ein Vertreter der südkoreanischen Delegation den anwesenden Reportern. Zudem habe sich Kim für mehr gemeinsame Kulturveranstaltungen ausgesprochen und ein weiteres Konzert für den Herbst in Seoul vorgeschlagen. "Bitte sagen Sie (dem südkoreanischen) Präsidenten Moon Jae In, wie großartig eine solche Veranstaltung ist", so Kim.

Die Musik wird über die chinesische Grenze geschmuggelt

An den insgesamt zwei Konzerten in Pjöngjang nehmen Stars wie Cho Yong Pil, Choi Jin Hee und die K-Popgruppe Red Velvet teil. Die gesamte Delegation aus Südkorea umfasst 120 Mitglieder. Das zweite Konzert soll am Dienstag stattfinden.

Trotz Nordkoreas internationaler Isolation und strengen Einschränkungen für ausländische Kultur erfreut sich K-Pop im Land wachsender Beliebtheit. Die Musik wird per Datenträgern über die chinesische Grenze geschmuggelt.

Im Februar hatte Nordkorea an den Olympischen Winterspielen in Südkorea teilgenommen. Ende April soll in der entmilitarisierten Zone zwischen beiden Ländern ein Gipfeltreffen zwischen dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In und Kim stattfinden. Sogar ein Gipfeltreffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump ist geplant. Die Gipfeltreffen haben Hoffnungen auf ein Ende des Atomkonflikts mit dem abgeschotteten Land neuen Auftrieb gegeben.

Südkorea und die USA begannen jährliche Militärübung

Südkorea und die USA begannen am Tag des Konzerts ihre jährliche Militärübung "Foal Eagle". An dem Manöver nehmen rund 11.500 US-Soldaten und 290.000 südkoreanische Soldaten teil, wie das Verteidigungsministerium in Seoul mitteilte. Das Manöver sollte eigentlich schon im Februar beginnen. Die USA und Südkorea vereinbarten aber, während der Olympischen Winterspiele und der Paralympics in Südkorea im März auf gemeinsame Militärübungen zu verzichten.

Die Übung soll den Angaben zufolge einen Monat dauern - üblicherweise dauert sie doppelt so lange. In diesem Jahr sollen dem südkoreanischen Militär zufolge zudem weniger strategische Waffen zum Einsatz kommen. Die nordkoreanische Regierung wertet die gemeinsamen Militärmanöver Südkoreas mit den USA normalerweise als Provokation. In den vergangenen Wochen hat sich Pjöngjang jedoch kaum zu dem Thema geäußert.

mhu/Afp



insgesamt 6 Beiträge
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YourSoul Yoga 02.04.2018
1. Chinesisch - Koreanische Lösung
Alle Schritte der Entspannung sind zu begrüßen. Man kann wohl davon ausgehen, dass China eine bedeutende Rolle bei der Annäherung von Süd- und Nordkorea spielt. Gut gemacht, weiter so.
WSL 02.04.2018
2. So wie es aussieht
hat Kim ein ernsthaftes Interesse an einer Annäherung mit dem Süden. Klar, er ist ein Dikator und Menschenrechtsverletzungen sind in Nordkorea an der Tagesordnung. Aber man kann ihn nicht dazu auffordern, das ganze sofort zu unterlassen und das Land zu öffnen. Aber die Lage entwickelt sich seit den Olympischen Spielen langsam aber stetig nach vorne und jetzt stehen wichtige Gipfeltreffen mit Moon und Trump bevor. Ich hoffe, dass die Politiker diese Chance nutzen und Frieden und Wohlstand für beide Koreas auf Dauer herstellen.
zeisig 02.04.2018
3. Falsch eingeschätzt.
Es stellt sich immer mehr heraus, daß unsere Medien ein falsches Bild von dem nordkoreanischen Machthaber gezeichnet haben.
Garak 02.04.2018
4. Sorry das ist naiv!
Zitat von zeisigEs stellt sich immer mehr heraus, daß unsere Medien ein falsches Bild von dem nordkoreanischen Machthaber gezeichnet haben.
Nur weil Herr Kim ein Konzert besucht hat wird er ja nicht ein besserer Mensch. Die Verbrechen seiner Familie und auch seine eigenen werden dadurch ja nicht ungeschehen! Es ist wohl eher so das er (auch unter chinesischem Druck) eingesehen hat das er mit den USA unter Trump nicht mehr das gleiche Spiel wie sein Großvater und Vater spielen kann. Drohen, Hilfe fordern und dann scheinbar nachgeben für Hilfsgüter, das macht Trump nicht mit. Also denkt er sich imho ich gebe ein bisschen dauerhaft nach (Kulturausstausch, Abrüstung etc.) verlange dafür aber Garantien der USA und Südkoreas die durch meine Schutzmacht die VR China garantiert werden. Ich könnte mir vorstellen das im vorschwebt wie Xi Jinping weiter als Herscher auf Lebenszeit zu bleiben und solange man ihm das und Wirtschaftshilfe als Zugabe garantiert ist er bereit ein paar Konzessionen zu machen.
meihan 02.04.2018
5. Ohne USA
Hoffentlich halten sich da die USA raus. Meist ist es so, wo die Ihre "Finger mit drin" haben, gibt's Schwierigkeiten und Probleme. China, Südkorea und Nordkorea sollten das ohne Einmischung anderer Staaten unter sich ausmachen.
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