Kim Jong Uns Chinabesuch Diese Zugfahrt, die ist listig

Mit einem privaten Zug ist Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un erneut nach China gereist. Kurz vor einem möglichen Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump dürfte er sich in der Volksrepublik absichern wollen.

Von , Seoul


Seinen 35. Geburtstag feiert Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Peking. Chinas Staatschef Xi Jinping hatte - so betonten es staatliche Medien beider Seiten - Kim eingeladen. Und so schritt der Gast aus Pjöngjang mit seiner Frau am Dienstag über einen roten Teppich in der chinesischen Hauptstadt.

"Willkommen Un-Un!", schwärmte ein chinesischer Nutzer im Kurznachrichtendienst Weibo. "Die chinesisch-nordkoreanischen Beziehungen treten in die Flitterwochen ein", ein anderer. Doch es gab auch kritische Kommentare: "Einer nennt ihn Väterchen Kim, einer nennt ihn Un-Un, der nächste Kamerad Kimmy. Warum muss man sich so anbiedern?"

Kim und seine hochrangigen Mitarbeiter waren zuvor in der Heimat von Beamten verabschiedet worden, die ihnen laut nordkoreanischer Nachrichtenagentur KCNA "aus ganzem Herzen Erfolg beim Besuch in China und sichere Fahrt" wünschten. Mit im Privatzug nach Norden saß Kim Yong Chol, einer der engsten Berater Kims, der bei den Gesprächen mit den USA und Südkorea über atomare Abrüstung eine wichtige Rolle spielt.

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Kim Jong Un besucht China: Zum Geburtstag zu den Nachbarn

Über den Grund des Besuchs schwieg sich KCNA zwar aus, doch die parteinahe chinesische "Global Times" wurde deutlich: "Kim ist in Peking eingetroffen, um einen Durchbruch bei den Gesprächen über Denuklearisierung zu erreichen."

Es ist bereits der vierte Besuch Kims in China. Auch vor und nach dem Treffen mit US-Präsident Donald Trump am 12. Juni in Singapur war Kim in die Volksrepublik gereist. Viele Beobachter werten das als Zeichen, dass es auch nun wieder darum geht, sich in der Volksrepublik abzusichern und zugleich den vielfach angekündigten zweiten Gipfel mit Trump vorzubereiten - der die Atom-Gespräche nun voranbringen soll.

"Ich glaube, dass der Besuch von Kim Jong Un in China essentiell ist für Nordkorea, um sich strategisch aufzustellen und erfolgreich mit den USA zu verhandeln", sagt Scott Snyder, Korea-Experte vom Council on Foreign Relations, "und es folgt auch dem Muster, wie Nordkorea bislang diplomatisch vorgegangen ist."

Washington fordert weitere Maßnahmen

Die atomare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel ist der zentrale Streitpunkt zwischen Nordkorea, den USA und Südkorea. Kim und Trump hatten sich in Singapur zwar auf eine "komplette Denuklearisierung" geeinigt. Doch die US-Regierung fordert weitere Maßnahmen von Pjöngjang, während Kim auf bereits eingeleitete Schritte seiner Regierung verweist und ein Ende der Wirtschaftssanktionen gegen sein Land erwirken will.

Als Vermittler in diesem Konflikt sieht sich die südkoreanische Regierung, deren Ziel es ist, eine "neue Ära des Friedens" auf der koreanischen Halbinsel einzuläuten - dazu gehört der Abbau militärischer Spannung und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Süd- und Nordkorea. Doch dies ist ohne eine Lockerung der Sanktionen nicht möglich.

Dementsprechend positiv reagierte Seoul auf den Kim-Besuch in Peking: Man erwarte, dass die Begegnung einen Beitrag leisten werde zu einer kompletten Denuklearisierung und zu einer Befriedung der koreanischen Halbinsel.

Fixpunkt China

Kim hatte sich in seiner Neujahrsansprache ebenfalls zu einem dauerhaften Frieden bekannt, jedoch auch erklärt: Sollte Washington weiter auf Sanktionen setzen, werde sein Land einen neuen Weg finden, um seine Interessen zu verteidigen. Einige Beobachter werteten das als Zeichen, dass Kim sich nun noch enger an China orientieren will. Das Treffen von Kim und Xi nur als Vorbereitung auf den nächsten Trump-Gipfel zu reduzieren, wäre daher zu kurz gefasst.

Welche Denkrichtung in Peking vorherrscht, lässt sich aus dem Artikel der "Global Times" herauslesen. Sie zitiert Wang Sheng, einen Professor für internationale Beziehungen an der Jilin-Universität, mit den Worten, "das Jahr 2019 könnte sich ähnlich entwickeln wie 1979 für China".

Video: Nordkoreas Machthaber - Kim besucht Xi in China

1979 begannen China und die USA, diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Kurz zuvor hatte Deng Xiaoping die Macht übernommen, der Reformen in seinem Land vorantrieb und es öffnete. Sein Ziel war es, China so mächtig wie die USA zu machen.

Auch Kim Jong Un begann im vergangenen Jahr mit Auslandsreisen - sieben Jahre nach seinem Amtsantritt führte ihn der erste Besuch nach Peking. Er empfing den russischen Außenminister Sergej Lawrow und später den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In in Pjöngjang.

Trump-Kim-Gipfel in Vietnam?

Washington schwebt für Nordkorea allerdings ein anderes Vorbild vor. Während eines Besuchs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi im Juli hatte US-Außenminister Mike Pompeo Nordkorea dazu aufgerufen, das wirtschaftliche "Wunder" Vietnams zu wiederholen. Washington unterhalte zu dem ehemaligen Feind Vietnam - ein kommunistisches Land, das seine Wirtschaft reformiert hat - inzwischen gute Beziehungen. Er habe eine "Botschaft" für Kim Jong Un, so Pompeo damals: "Präsident Trump glaubt, Ihr Land kann diesen Weg ebenfalls gehen."

Möglicherweise wird Kim Vietnam bald selbst genauer begutachten können: Eine südkoreanische Zeitung berichtete am Montag, nordkoreanische und US-amerikanische Gesandte hätten sich in Vietnam getroffen. Dies heizte Gerüchte an, der nächste Trump-Kim-Gipfel könne dort stattfinden.

Mitarbeit: Bernhard Zand



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
nexus32 09.01.2019
1. Klug
Klingt für mich so als wird Trump außenpolitisch das nächste Mal über den Tisch gezogen. Der Kerl ist tatsächlich ein Sicherheitsrisiko für die ganze Welt.
Outdated 09.01.2019
2. Ist eher so das Kim mit den USA flirtet
um Zugeständnisse von China zu erpressen, dort ist er nämlich erst als Gast willkommen seit sich auf der anderen Seite was tut.
Siggi_Paschulke 09.01.2019
3.
Privatzug? Handelt es sich nicht eher um ein Äquivalent zur Air Force One oder zur Flugbereitschaft, bei denen darf Otto Normalverbraucher auch nicht mitfliegen. Startup-Idee: BlaBlaTrain
vulcan 09.01.2019
4.
Zitat von nexus32Klingt für mich so als wird Trump außenpolitisch das nächste Mal über den Tisch gezogen. Der Kerl ist tatsächlich ein Sicherheitsrisiko für die ganze Welt.
Ganz sicher nicht - wieso sollte das passieren? Worauf sollten sich die USA einlassen müssen, was sie nicht wollen? Im Gegenteil - Nordkorea muss sehen, dass sie sich aus den Sanktionen herauswinden und den Spagat zwischen China auf der einen und USA/Südkorea hinbekommen. Die Wichtigtuerei Kims ist nur Gesichtswahrung.
ingen79 09.01.2019
5. Ein Treffen in Vietnam
wäre sicherlich hilfreich. Da könnte Kim dann sehen was die Marktwirtschaft bewegen kann und zu Wohlstand für viele führt. Eine Kommunistische Planwirtschaft bringt nur Verarmung
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