Kim Jong Uns Neujahrsrede "Wir sind zu Gesprächen bereit"

Kim Jong Un sucht offenbar den Dialog mit Südkorea. Die Neujahrsansprache des nordkoreanischen Herrschers war erstaunlich versöhnlich - für dessen Verhältnisse. Drohungen fielen nur nebenbei.

Südkoreaner verfolgen in Seoul die Neujahrsansprache von Kim Jong Un
AP/dpa

Südkoreaner verfolgen in Seoul die Neujahrsansprache von Kim Jong Un


Die Neujahrsrede des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong Un fiel in diesem Jahr relativ versöhnlich aus. Er plädierte für offene Gespräche mit Südkorea - und drohte dem Nachbarland ausnahmsweise eher beiläufig.

"Wir sind zu unvoreingenommenen Gesprächen mit jedem bereit, der Frieden und die Wiedervereinigung will", sagte Kim Jong Un in seiner halbstündigen Rede. Pjöngjang wolle aggressive Anstrengungen unternehmen, die Beziehungen zu Südkorea zu verbessern. Einen konkreten Gesprächsvorschlag machte er jedoch nicht.

Zugleich warnte Kim die Regierung in Seoul, von Aktionen Abstand zu nehmen, die "die versöhnliche Atmosphäre" beeinträchtigten. Wie üblich drohte er mit einem "erbarmungslosen heiligen Krieg", sollte es jemand wagen, die Souveränität seines Landes anzugreifen.

Kim sprach in seiner Rede auch davon, den Lebensstandard der Bürger verbessern zu wollen. "Alle Anstrengungen sollten auf den Aufbau einer Wirtschaftsmacht gerichtet werden."

Vorerst keine weitere Annäherung an Südkorea?

Erneut kritisierte Kim, der seit 2011 an der Macht ist, die gemeinsamen Militärmanöver der USA mit Südkorea. Das umstrittene nordkoreanische Atomprogramm erwähnte er nicht. Nordkorea führte zwischen 2006 und 2013 drei Atomtests durch, auf die der Uno-Sicherheitsrat jeweils mit einer Verschärfung der Sanktionen gegen das kommunistische Regime reagierte.

Kim rief Seoul auf, das Abkommen zwischen beiden Ländern vom August zu würdigen. Damals versprachen beide Seiten, Schritte zur Entspannung zu machen. Als Teil des Abkommens hatten Mitte Dezember zwar weitere Gespräche stattgefunden, doch gingen diese ohne Einigung zu Ende.

Einen Tag vor der Rede Kims hatte es ein Staatsbegräbnis für einen seiner engsten Berater gegeben. Kim Yang Gon, der den Staatsmedien zufolge bei einem Autounfall ums Leben kam, war für die Beziehungen zu Südkorea zuständig.

In Seoul löste die Nachricht vom Tod des nordkoreanischen Sekretärs daher die Befürchtung aus, dass es in den innerkoreanischen Beziehungen vorerst keine weitere Bewegung geben könnte.

lov/dpa



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windpillow 01.01.2016
1. Jetzt wieder versöhnlich?!
"Ein ewig Rätsel will ich bleiben, mir und anderen." -Diese Bemerkung von Bayerns Ludwig II, könnte auch genauso Kim Jong Un angerechnet werden.
phiasko76 01.01.2016
2. Und..
..täglich grüßt das Murmeltier. Warum berichtet SPON und all die anderen Medium überhaupt noch über diesen Irren, der sein Fähnchen hängt wie es ihm gerade passt? Ach ja, wegen der Klickzahlen. Weil so Trottel wie ich tatsächlich so einen Schei.. lese.
Bueckstueck 01.01.2016
3. Heizöl und Nahrung geht aus
Weil das Heizöl und die Nahrungsmittel ausgehen, greift man in die Schublade mit den "versöhnlichen Reden" statt in jene mit der Beschriftung "Tod und Verderben den Klassenfeinden!". Und jedes Jahr frage ich mich, ob man das Land nicht am ausgestreckten Arm verhungern lassen sollte bzw. den Chinesen die Kosten für den Unterhalt ihres persönlichen Puffer-Diktators auf der koreanischen Halbinsel überlassen sollte. Allerdings verhökert der feiste Kim dann seine Waffen wieder an jeden der einen Sack Getreide und einen Kanister Diesel dafür liefert...
tam_venceremos 01.01.2016
4. Kommunistisches Regime?
Wie so oft: Nur weil ein Staat eine Zentral verwaltete Wirtschaft hat, ist er nicht kommunistisch. Der Kommunismus ist eine ziemlich vielschichtige Utopie, bestehend aus vielen verschiedenen Aspekten. Wikipedia hilft sonst auch. Wenn es jemals eine kommunistische Gesellschaft gab, dann vielleicht die spanische Anarchiebewegung.
seamanslife 01.01.2016
5. darüber berichten deshalb,
Zitat von phiasko76..täglich grüßt das Murmeltier. Warum berichtet SPON und all die anderen Medium überhaupt noch über diesen Irren, der sein Fähnchen hängt wie es ihm gerade passt? Ach ja, wegen der Klickzahlen. Weil so Trottel wie ich tatsächlich so einen Schei.. lese.
weil Irre an den Hebeln der Macht saugefährlich sind. Ich war 1995 4 Monate auf der Daewoo-Werft in Okpo als Bauaufsicht für einen Schiffsneubau tätig. In dieser Zeit hat ein U-Boot aus Nordkorea eine größere Gruppe von "Spezialisten" an Land gebracht und ist dabei selbst gestrandet. Diese "Spezialisten" haben sofort mehrere Polizisten und Beamte in der Nähe des Landungsortes ermordert. Wir wurden angehalten das Werftgelände und unsere Wohnung nicht zu verlassen bis die Armee Entwarnung gibt. Nach zwei Tagen war der Spuk vorbei, der Heldentod hat für Ruhe gesorgt. Solche Leute sind jetzt in unserer direkten Nachbarschaft tätig. Die Flüchtlinge kommen nicht weil sie von der Bundeskanzlerin eingeladen wurden. Sie wurden von solchen Irren dieseits und jenseits der Grenze ihres Heimtlandes ihrer ganzen Habe beraubt und dann nach Deutschland regelrecht exportiert. Man sollte solche Irren und deren Praktiken viel mehr anprangern und nicht auf Kuschelkurs gehen.
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