Kim Jong Un in Peking Gut für China. Gut für den Westen

Kim Jong Uns Reise nach Peking ist eine gute Nachricht. Endlich hat der wohl gefährlichste Mann der Welt seinen Atombunker verlassen.

Kim Jong Un (rechts) und Xi Jinping
AFP/ KCNA VIA KNS

Kim Jong Un (rechts) und Xi Jinping

Ein Kommentar von


Zwei asiatische Diktatoren Hand in Hand, jeder gerüstet mit Atombomben, einer unheimlicher als der andere. Das Bild vom jungen nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un auf Besuch beim wie immer regungslosen chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping in der großen Halle des Volkes in Peking geht um die Welt. Vielen im Westen wird es Angst einflößen.

Tatsächlich ist Kim nach wie vor ein unberechenbarer Herrscher. Vielleicht ist er sogar der gefährlichste Mann der Welt. Noch kennt niemand die wahren Absichten seines Aufeinandertreffens mit Xi, geschweige denn seines geplanten Gipfels mit Trump im Mai. Aber: Seine Reise nach Peking ist eigentlich das erste wirklich positive Signal von ihm.

Zum ersten Mal seit Amtsantritt vor sieben Jahren traut Kim sich außer Landes. Zum ersten Mal hat er seinen imaginären Atombunker verlassen, zeigt sich auf der Weltbühne in Person und verhandelt. Dass Peking dafür seine erste Adresse ist, muss nicht erschrecken. Die Führung in Peking hasst Unberechenbarkeit. Sie ist viel weniger ein Ein-Mann-Betrieb als derzeit das Weiße Haus in Washington. Die Regierung wird ihre Einladung an Kim also nur ausgesprochen haben, als sie sich seiner ernsthaften diplomatischen Absichten sicher war.

Kims Besuch bei Xi ist deshalb eine gute Nachricht, für Asien und den Westen. Asien kann vorerst aufatmen, weil nun zum ersten Mal die Isolation Kims durchbrochen ist. Dass er in Eigenregie und von allen in die Enge getrieben einen Atomkrieg beginnt, ist unwahrscheinlicher geworden.

Seit seiner Machtübernahme im Jahr 2011 galt Kims Verhältnis zur Pekinger Führung als tief zerrüttet - seinen Onkel, der früher eine wichtige Rolle in den Beziehungen Nordkoreas zu China spielte, ließ er exekutieren. In der Folge schloss sich Peking internationalen Sanktionen gegen Nordkorea stärker an als je zuvor. Xi kann deshalb Kim heute nicht nur als der alte, historische Verbündete des Koreakriegs gegenübertreten, sondern auch als Vertreter der Weltgemeinschaft, die von ihm die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags verlangt. Die Verlautbarungen aus Peking nach Kims Besuch lassen diese Hoffnung jedenfalls zu.

Tatsächlich hat Xi nun die große Chance, China eine weltpolitisch verantwortungsvolle Rolle zuzuschreiben. Das ist bisher kaum gelungen, weil die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt lieber wuchs und sich aus den meisten Konflikten zurückhielt. Wohl aber ist in Ostasien Chinas blutiger Angriffskrieg gegen Vietnam im Jahr 1979 noch in lebendiger Erinnerung.

Fotostrecke

9  Bilder
Kim Jong Un: Vier inoffizielle Tage in Peking

Der Westen muss deshalb beim Handschlag zwischen Xi und Kim noch lange keinen Machtgewinn für China befürchten. Im Gegenteil. Je berechenbarer das nordkoreanische Regime und je stabiler die Verhältnisse auf der koreanischen Halbinsel, desto stärker werden sich beide Koreas auf lange Sicht gegenüber China behaupten.

Kims Wiederannäherung an Peking entschärft zudem die Gefahr, dass der geplante Gipfel mit Trump doch noch scheitert. Trumps neuer nationaler Sicherheitsberater, John Bolton, hatte erst vor Kurzem einen Präventivkrieg der USA gegen Nordkorea als legitim bezeichnet. "Pekings Einfluss kann für Kim entscheidende Bedeutung haben, um einen Krieg oder schärfere Sanktionen zu verhindern", analysiert der Pariser "Figaro".

Letztlich gab es drei kriegsführende Parteien im Koreakrieg der Fünfzigerjahre: die nordkoreanischen Kommunisten, ihre chinesischen Verbündeten - und die USA, die sie zurückschlugen und Südkorea gründeten. Seither gibt es keinen Friedensvertrag. Zustande kommen kann er aber nur zu dritt unter Einschluss Südkoreas.

Kommt es im Frühjahr tatsächlich zu den geplanten Treffen Kims mit Trump und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In, sind alle Beteiligten an Bord. Der Westen sollte dabei die Lehren aus seinem Vorgehen gegen den Irak und Libyen ziehen. Mit Nordkorea zählte der frühere US-Präsident George Bush Irak und Libyen zu den sogenannten Schurkenstaaten. Der Westen brachte Krieg über sie.

Wenn nicht alles täuscht, bietet sich in Nordkorea heute ein anderer Ausgang an.



insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
thommy05 28.03.2018
1. nicht nachvollziehbar
Aufgrund was kommt der Autor zu der Aussage: der gefährlichste Mann der Welt?Einer der gefährlichsten würde es m.M noch treffen. Ich hab vor dem Irren aufcder anderen Seite des Pazifiks ehrlich mehr Angst. Der kleine Koreaner weiss m. E. das er einen Atomkrieg spätestens als zweiter verliert.Beim anderen wär ich mir da nicht so sicher
s.l.bln 28.03.2018
2. Ähh...
" Endlich hat der wohl gefährlichste Mann der Welt seinen Atombunker verlassen." Interessante Einschätzung. Und ich dachte, der hieße aktuell Trump. Jemand, der sich bereits vor der Amtseinführung öffentlich fragt, warum man so eine Bombe nicht mal abwirft, wo man sie doch hat, der ständig auf der Suche nach noch extremeren Ablenkungsmanövern ist und nun einen "Sicherheitsberater" an Board geholt hat, welcher einen atomaren Angriffskrieg für legitim hält,ist in meiner Wahrnehmung deutlich gefährlicher als einer, von dem man genau weiß was er will, um ihn ruhig zu stellen. Nordkorea hat genau zwei Ziele:sie wollen schon immer eine Sicherheitszusage ,um ihr Regime zu schützen und sie brauchen Wirtschaftshilfen. Keine Ahnung, warum man sich mit der ersten Forderung so schwer tut.Vermutlich brauchen die Amis ein bedrohliches Nordkorea, weil sonst ihr Verbleib in Südkorea nicht mehr zu rechtfertigen wär. Was die Wirtschaftshilfen angeht, wär es vermutlich kein Problem, dort für wirtschaftlich haltbare Verhältnisse zu sorgen. Da könnten auch die Chinesen unterstützen. Vielleicht tüten die Chinesen das ja alleine ein und die Amis bleiben außen vor. In dem Fall dürfte Trump seinen" leicht zu gewinnenden" Handelskrieg verloren haben, bevor es überhaupt zu wirtschaftlichen Konsequenzen kommt. Auf einem Feld, das er so wenig im Blick hatte, wie seinen Schniepel beim Abschlagen.
oldman2016 28.03.2018
3. Brüder im Geiste
Kim Jong Un hat in Donald Trump einen Bruder im Geiste erkannt, der vollkommen unberechenbar und bis zur Weißglut gereizt, auch imstande wäre, gegen Nordkorea Atomwaffen einzusetzen. Das trauen ja auch die Medien und Spiegel Online dem amerikanischen Präsidenten zu. Was mich im Kommentar von Georg Blume sehr verwundert, dass er von einem Treffen zweier Diktatoren in Peking gespricht. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Deutschland mit der einen Diktatur beste Geschäte macht, frei jeglichen Skrupels und bei der anderen Diktatur Millionen von Menschen mit Sanktionen bestraft. Denn machen wir uns nichts vor, Sanktionen treffen doch nie die Mächtigen eines Staates sondern immer nur das einfache Volk, das einfach oft nur das Pech hatte, nicht in einer Demokratie sondern in einer Diktatur hinein geboren worden zu sein. Wieviele Nordkoreaner oder wieviele Iraner oder Kubaner können z. B. von sich behaupten in einer Demokratie undin einem Rechtsstaat geboren worden zu sein? Donald Trump wird von den westlichen Medien als unberechenbar ja gar als verrückt dargestellt. Offenbar vertraut Kim Jong Un den westlichen Medien und weiß aus eigener Erfahrung wie Donald Trump tickt. Wir düren nie vergessen, dass Kim Jong Un vor Jahren ein missliebigen Minister mit Flakfeuer hinrichten ließ. Das sagt genug über den Geisteszustand von Kim Jong Un aus.
snickerman 28.03.2018
4. Rote Diktatoren
Auch wenn alle Welt auf Trump starrt, Xi hat die gesamte Macht des Chinesischen Riesenreiches komplett auf sich gebündelt. China ist eine ein-Mann-Diktatur geworden. Wie Xi seine Macht nutzt, das wird die kommenden Jahre entscheidend prägen.
muellerthomas 28.03.2018
5.
Zitat von oldman2016Kim Jong Un hat in Donald Trump einen Bruder im Geiste erkannt, der vollkommen unberechenbar und bis zur Weißglut gereizt, auch imstande wäre, gegen Nordkorea Atomwaffen einzusetzen. Das trauen ja auch die Medien und Spiegel Online dem amerikanischen Präsidenten zu. Was mich im Kommentar von Georg Blume sehr verwundert, dass er von einem Treffen zweier Diktatoren in Peking gespricht. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Deutschland mit der einen Diktatur beste Geschäte macht, frei jeglichen Skrupels und bei der anderen Diktatur Millionen von Menschen mit Sanktionen bestraft. Denn machen wir uns nichts vor, Sanktionen treffen doch nie die Mächtigen eines Staates sondern immer nur das einfache Volk, das einfach oft nur das Pech hatte, nicht in einer Demokratie sondern in einer Diktatur hinein geboren worden zu sein. Wieviele Nordkoreaner oder wieviele Iraner oder Kubaner können z. B. von sich behaupten in einer Demokratie undin einem Rechtsstaat geboren worden zu sein? Donald Trump wird von den westlichen Medien als unberechenbar ja gar als verrückt dargestellt. Offenbar vertraut Kim Jong Un den westlichen Medien und weiß aus eigener Erfahrung wie Donald Trump tickt. Wir düren nie vergessen, dass Kim Jong Un vor Jahren ein missliebigen Minister mit Flakfeuer hinrichten ließ. Das sagt genug über den Geisteszustand von Kim Jong Un aus.
Aber wie sollte sich Deutschland denn nun verhalten? Handel treiben wie mit China ist Ihrer Meinung nach nicht richtig, Sanktionen wie bei Nordkorea aber auch nicht? - Die Sanktionen wurden dabei allerdings nicht verhängt, weil Nordkorea eine Diktatur ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.