Nordkoreas Machthaber Kim lässt Familienvereinigungen mit Südkorea platzen

Es wäre ein Zeichen der Entspannung nach drei Jahren Stillstand gewesen: Doch jetzt sagt Nordkoreas Regime unter Kim Jong Un die geplanten Familienzusammenführungen mit Südkorea ab. Die Stimmung ist vergiftet.


Seoul - Mit den zarten Annäherungen zwischen Süd- und Nordkorea der vergangenen Monate ist es schlagartig wieder vorbei. Der Norden sagte am Samstag die geplante erste Zusammenführung von Familien seit fast drei Jahren unvermittelt ab. Das Regime von Kim Jong Un warf dem Nachbarn vor, den Dialog zwischen beiden Ländern zu vergiften.

"Wir verschieben das anstehende Wiedersehen getrennter Familien, bis eine normale Atmosphäre für Gespräche und Verhandlungen geschaffen ist", zitierte die Nachrichtenagentur KCNA ein für die Beziehungen zum Süden zuständiges Regierungskomitee. Solange Südkorea die innerkoreanischen Beziehungen mit "Feindseligkeit und Beschimpfungen" behandle, könnten humanitäre Fragen wie die Familienvereinigungen nicht geklärt werden. Von der Regierung Südkoreas gab es zunächst keine Reaktion.

Der Norden kritisierte vor allem gemeinsame Militärübungen des Südens mit den USA. Das südkoreanische Parlament hatte außerdem Anfang September der Festnahme eines linksgerichteten Abgeordneten wegen mutmaßlicher Anstachelung zum Aufruhr im Interesse Nordkoreas zugestimmt.

Yang Moo Jin von der Universität für Nordkorea-Studien sieht in der Absage aus Nordkorea ein Druckmittel, um den Süden zur Wiederaufnahme von Touren nach Kumgang zu bewegen. Die Regierung in Seoul hatte die Touren in die bergige Region - eine wichtige Einnahmequelle für den Norden -, im Jahr 2008 gestoppt. Damals hatte ein nordkoreanischer Soldat einen südkoreanischen Touristen erschossen, der sich in ein abgesperrtes Gebiet verirrt hatte. Die Regierung in Seoul fordert eine offizielle Entschuldigung für den Vorfall.

Auf die Wiederaufnahme der Zusammenführungen hatten sich Nordkorea und Südkorea Ende August geeinigt. Die Familien sollten sich zwischen dem 25. und dem 30. September im Feriengebiet Kumgang in Nordkorea treffen. Das Programm aus dem Jahr 2000, in dessen Rahmen bislang Tausende Menschen kurzzeitig ihre Verwandten besuchen konnten, sollte nach dreijähriger Pause wieder aufgenommen werden.

Derzeit stehen etwa 72.000 Südkoreaner auf einer offiziellen Warteliste und hoffen, ihre Familienmitglieder im Norden besuchen zu dürfen. Die Hälfte von ihnen ist bereits älter als 80 Jahre. Zuletzt hatte es im Jahr 2010 Familienzusammenführungen gegeben. Unter Aufsicht des Roten Kreuzes trafen sich Verwandte, die seit dem Koreakrieg der Jahre 1950 bis 1953 auf verschiedenen Seiten der innerkoreanischen Grenze lebten. Die beiden koreanischen Staaten befinden sich de facto noch immer im Kriegszustand.

"Es wird immer schmerzhafter für mich"

Der 92-jährige Kang Neung Hwan, der seinen in Nordkorea lebenden Sohn besuchen wollte, zeigte sich zutiefst enttäuscht. "Es wird immer schmerzhafter für mich, darauf zu warten, ihn zu sehen", sagte er der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Koh Jeong Sam sagte, die Enttäuschung seiner 95-jährigen Mutter sei nicht in Worte zu fassen. Sie habe viele Geschenke für ihre Schwestern im Norden besorgt.

Vor der Absage der Familienvereinigungen hatte es wieder Anzeichen für eine Annäherung gegeben. So wurde vor knapp einer Woche die gemeinsam betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong nach mehreren Monaten wieder geöffnet. Sie war im April nach wachsenden politischen Spannungen geschlossen worden. Vorausgegangen waren mehrere Provokationen der Regierung in Pjöngjang. Diese verstieß unter anderem mit einem Raketentest gegen Uno-Vorgaben, nahm einen dritten Nukleartest vor und drohte den USA und Südkorea mit einem Atomkrieg. Etwas Ruhe kehrte erst Ende April nach dem Ende gemeinsamer Militärmanöver der USA und Südkoreas ein. Zudem war Nordkoreas wichtigster Unterstützer China zunehmend von der Führung in Pjöngjang abgerückt.

yes/AFP/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 52 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stevowitsch 21.09.2013
1. Kim lässt...
Zitat von sysopAPEs wäre ein Zeichen der Entspannung nach drei Jahren Stillstand gewesen: Doch jetzt sagt Nordkoreas Regime unter Kim Jong Un die geplanten Familienzusammenführungen mit Südkorea ab. Die Stimmung ist vergiftet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kim-jong-un-nordkorea-sagt-familienvereinigungen-mit-suedkorea-ab-a-923642.html
Kim lässt gar nix. Eine Marionette der Generäle, wie vermutlich schon sein Vater. Eine Bonzokratur die sich da entwickelt hat. Ich fürchte, das wird sich mit einem großen Knall lösen. Viel Glück den Koreanern...
deb2011 21.09.2013
2. Kim ist ein Verbrecher
Und es ist schlimm, dass westliche Politiker überhaupt mit derartigen Gestalten reden müssen. Der Typ gehört in eine geschlossene Anstalt.
mischpot 21.09.2013
3. Noch so ein Spinner den die Welt nicht braucht
http://www.stern.de/politik/ausland/nordkorea-kim-jong-un-laesst-ex-freundin-hinrichten-2054281.html
bastelwastel 21.09.2013
4.
Wo steckt eigentlich Mr. Bond, wenn die Welt ihn mal braucht?
franz1304 21.09.2013
5. Wie lange noch?
The US Aussenpolitik war noch nie so schwach. Leider wird ein falsches Zeichen gesetzt. Warum gibt es wieder US-Suedkoreanische Manoever? Viellecht waere der Korea-Konflikt ohne ausl. Teilnahme zu loesen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.