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Britische TV-Serien für Nordkorea: Kim erwägt Kauf von "Top Gear" und "Teletubbies"

Nordkorea: "Top Gear" und "Teletubbies" für Kim Jong Un Fotos
AP

Nordkoreas Regime ist auf der Suche nach besserer TV-Unterhaltung. Britischen Medien zufolge interessiert sich Diktator Kim Jong Un für drei BBC-Produktionen: "Top Gear", "Doctor Who" und die "Teletubbies". Zwei davon könnten ihm Probleme bereiten.

London/Pjöngjang - Jeremy Clarkson hat schon einmal versucht, einen Porsche mit einem Gewehr zu erschießen. Als das nicht fruchtete, ließ er das Fahrzeug von einem Kran in einen Wohnwagen werfen. Das half.

In Clarksons Sendung "Top Gear" werden Rennen zwischen Supersportwagen und Düsenjägern ausgetragen, Pick-up-Trucks mit Außenbordern ausgerüstet und zu Wasser gelassen und Stock-Car-Rennen mit ausrangierten Linienbussen veranstaltet. "Top Gear" ist Autodekadenz in Reinform, erträglich nur durch britische Selbstironie und ein gerüttelt Maß schieren Irrsinns. Genau das Richtige für Nordkorea, findet man offenbar in Pjöngjang.

"Top Gear" ist dem britischen "Independent" zufolge eines von drei TV-Formaten, die Kim Jong Uns totalitäres Regime gern ankaufen möchte, um das eigene Fernsehprogramm etwas weniger unerträglich zu machen. Dessen beliebteste Sendung ist derzeit ein Unterhaltungsformat namens "Es ist so lustig!", in dem zwei Uniformierte seit vielen Jahrzehnten die immergleichen Witze über Bohnen machen, ständig unterbrochen von Lobpreisungen für den aktuellen geliebten Anführer. Das soll sich bald ändern.

"Ein Auto ist für Nordkoreaner wie ein Privatjet für Amerikaner"

Neben "Top Gear" sind dem "Independent" zufolge das britische Kleinkinderformat "Teletubbies" und die Science-Fiction-Kultserie "Doctor Who" im Gespräch, um künftig nordkoreanische Feierabende zu versüßen. "Umfangreiche Erkundigungen" über diese Sendungen seien angestellt worden, um zu klären, ob "sie für das nordkoreanische Volk geeignet wären", zitiert der "Independent" einen Regime-Insider aus Pjöngjang. "Allzu Politisches" wäre sicher ungeeignet, aber "hier handelt es sich ja um Unterhaltungssendungen, und eine davon ist für kleine Kinder". Nun wurden "Berichte" über die Formate nach Pjöngjang gesandt.

Sehr politisch ist "Top Gear" zweifellos nicht. Aber in der Sendung werden regelmäßig Fragen wie diese erörtert: Ist der Lamborghini Gallardo (Neupreis fürs Einsteigermodell ab circa 160.000 Euro) nicht in Wirklichkeit ein aufgemotzter Audi R8 (Neupreis ab circa 115.000 Euro)?

In Nordkorea gibt es zwar Autos, aber nicht sehr viele. Der renommierte Nordkorea-Experte Andreij Lankow sagte "Bloomberg" einmal, für einen normalen Nordkoreaner sei ein Auto "ziemlich genau das Gleiche wie ein Privatjet für einen normalen Amerikaner". Lankow schätzte im Jahr 2007, es gebe in dem Land "20.000 bis 25.000 PKW". Anderen Schätzungen zufolge sind in Kim Jong Uns Reich insgesamt weniger als 1000 Kilometer Straße asphaltiert. Mit einem Lamborghini Gallardo könnte man also das Gesamtnetz wohl in etwa drei bis vier Stunden einmal abfahren. Viel Verkehr ist ja nicht zu erwarten.

Tinky Winky ähnelt Kim Jong Un

Auch "Dr. Who" hat mehr subversives Potential, als sich die Potentaten in Pjöngjang das wohl ausmalen. Die Serie handelt von einem nahezu allwissenden Raumzeitreisenden, der in einer blauen Telefonzelle unterwegs ist, mit der er sich jederzeit an jeden beliebigen Ort davonmachen kann. Auch wenn er dabei häufig merkwürdigen, oft ausnehmend hässlichen Aliens begegnet, dürfte die Serie im besten Fall einen Hang zum Eskapismus, im - für Kim Jong Un - schlimmsten Fall aber echte Fluchtgedanken insprieren.

Einzig die "Teletubbies" haben auf den ersten Blick nichts, was die Hingabe zum geliebten Anführer beschädigen könnte - außer vielleicht der Tatsache, dass Kim Jong Un selbst, wenn er lächelt, eine frappierende Ähnlichkeit mit Tinky Winky aufweist (siehe Fotostrecke).

Die britische Regierung selbst war offenbar an der Auswahl der ersten Angebote fürs nordkoreanische Abendprogramm beteiligt - gesendet wird dort immer erst ab 17 Uhr. Ein ungenannter Vertreter des Außenministeriums in London sagte der "Sunday Times" schon im Januar: "Ich war schon immer der Meinung, dass nicht hochmögende Diplomatie, sondern 'Dallas' und 'Denver' die Berliner Mauer zu Fall gebracht haben." Die BBC wollte die laufenden Verhandlungen nicht kommentieren.

Das Aufgebot, mit dem die Unterhaltungsoffensive gestartet werden soll, sind nun also Produktionen, in denen Telefonzellen durch die Zeit reisen, Autos erschossen werden und bunte Stoffwesen mit Antennen auf dem Kopf in einer Phantasiesprache mit dem Publikum zu kommunizieren versuchen.

Eigentümlich erscheint vor diesem Hintergrund die Stellungnahme des britischen Außenministers zum Thema. William Hague sagte, britische TV-Produktionen nach Nordkorea zu liefern, erscheine ihm als "gute Methode, das Verständnis für die Außenwelt in einer so abgeschlossenen Gesellschaft zu verbessern".

cis

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insgesamt 39 Beiträge
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1. Kennt man schon
wynkendewild 06.04.2014
Zitat von sysopAPNordkoreas Regime ist auf der Suche nach besserer TV-Unterhaltung für seine Untertanen. Britischen Medien zufolge interessiert sich Diktator Kim Jong Un nun konkret für drei BBC-Produktionen: "Top Gear", "Doctor Who" - und die "Teletubbies". http://www.spiegel.de/politik/ausland/kim-jong-un-nordkorea-will-top-gear-und-doctor-who-kaufen-a-962882.html
Fernsehen bildet zwar nicht aber es verbindet. Es kommt aber immer darauf an, ob die Serien umgeschnitten oder systemkonform synchronisiert werden. In Deutschland war das bei bestimmten Zeichentrickserien (Sabre Rider) auch der Fall gewesen und nicht nur dort. Aus Magnum ist ja schließlich auch ein braver Deketiv geworden, obwohl die Originalserie weitaus düstere Töne anschlug. So wird es wohl auch mit diesen Serien gehandhabt werden. Nach dem Motto:"Naschen ja, aber bitte nicht den Bauch vollschlagen!"
2. Müsst ihr
StFreitag 06.04.2014
denn mit dieser tiefgründigen Analyse den armen Leuten dort den Spaß verderben? Jetzt weiß auch die Partei dort, daß mehr hinter der Sache steckt. Bleibt das alte Ostblock-Repertoire: Lolek und Bolek, Hase und Wolf, Arthur der Engel (der ist vielleicht zu religiös) und Struppi aus Berlin.
3.
phboerker 06.04.2014
Die genannten Serien sind doch erstklassiges Material, um den Nordkoreanern mal so richtig den moralisch unterlegenen dekadenten Westen vorzuführen...
4. Kim Jong Un möchte nur ablenken
kilroy-was-here 06.04.2014
mit diesen dünnen Serien von Hungersnot und Isolation...
5.
mmm123456@spambog.com 06.04.2014
Ich zünde Atombomben und schieße Raketen ab. Aber ich kümmere mich um die Rechte für eine Fernsehsendung. Mich würde mal interessieren wer die PR Aktion gestartet hat (Produktionsfirma von Top Gear oder doch für die Independent). Oder handelt es sich um einen Aprilscherz, welchen Spon aufgeflogen ist.
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Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 25,027 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
REUTERS
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
AP
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)

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