Entspannungspolitik  Kim Jong Un lädt südkoreanischen Präsidenten Moon nach Pjöngjang ein

Nach mehr als zehn Jahren könnte es wieder ein Treffen zwischen Nord- und Südkorea geben. Am Rande der olympischen Spiele ließ Diktator Kim Jong Un den südkoreanischen Staatschef Moon nach Pjöngjang einladen.


Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In nach Pjöngjang eingeladen. Das berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Samstag. Überbracht wurde die Einladung von Kims Schwester Kim Yo Jong, die zu den Olympischen Winterspielen nach Südkorea gereist ist.

Kim habe Moon vorgeschlagen, "so bald wie möglich" nach Pjöngjang zu reisen, teilte der Präsidentenpalast in Seoul mit. In einem Brief an Moon schrieb er den Angaben zufolge auch über seine Absicht, die innerkoreanischen Beziehungen zu verbessern.

Moon hatte Kim Yo Jong und Nordkoreas protokollarisches Staatsoberhaupt Kim Yong Nam zuvor in Seoul empfangen. Es ist das erste Mal, dass ein Mitglied der nordkoreanischen Herrscher-Familie den Süden besucht.

Kim-Schwester Yo Jong
REUTERS

Kim-Schwester Yo Jong

Kim Yo Jong, deren Alter auf Ende 20 bis Anfang 30 geschätzt wird, gilt als enge Vertraute ihres Bruders. In der Arbeiterpartei gehört sie zu den wechselnden Mitgliedern des Politbüros, das in der Diktatur die wichtigsten Entscheidungen trifft. Zur Delegation des Nordens zählen außerdem Choe Hwi, Vorsitzender des nationalen Sportkomitees, sowie Ri Son Gwon, Vorsitzender der Agentur für zwischenkoreanische Angelegenheiten.

Sollte Moon tatsächlich nach Pjöngjang fahren, käme es zum dritten Gipfeltreffen zwischen beiden Ländern. Moons Vorgänger Kim Dae Jung und Roh Moo Hyun waren 2000 und 2007 von Kims Vater Kim Jong Il empfangen worden. Zuletzt hatten sich die Signale für eine Annäherung der beiden verfeindeten koreanischen Staaten gemehrt. So liefen Athleten von Nord- und Südkorea bei der Eröffnungsfeier am Freitag zusammen unter einer gemeinsamen Flagge ein.

Moon reagiert zurückhaltend

Präsident Moon, der sich seit Langem für Verhandlungen mit Pjöngjang einsetzt, reagierte allerdings zurückhaltend auf die Einladung. Zunächst müssten die "passenden Voraussetzungen" für ein solches Treffen geschaffen werden. Er rief Nordkorea auf, sich ernsthaft um einen Dialog mit den USA zu bemühen.

Das international isolierte Nordkorea hatte erst vor wenigen Wochen seine Beteiligung an den olympischen Spielen bekanntgegeben. Damit kam Bewegung in den Konflikt zwischen den beiden Ländern, die sich offiziell weiterhin im Kriegszustand befinden. In den Monaten zuvor hatte Nordkorea immer wieder mit Raketen- und Atombombentests die internationale Gemeinschaft provoziert.

Die USA sehen Pjöngjangs Charme-Offensive anlässlich der Winterspiele mit großer Skepsis. Beobachter halten die diplomatische Initiative für einen Versuch Nordkoreas, die gegen das isolierte Land verhängten Sanktionen abschwächen zu können und das Bündnis zwischen Seoul und Washington zu schwächen.

jat/dab/dpa/AFP/Reuters

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