Werbung in London Friseur bekommt Ärger wegen Kim-Jong-Un-Plakat

Mit einem frechen Plakat wollte ein Londoner Friseur Kunden anlocken. Dass er dafür Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un nutzte, gefiel nicht jedem. Er bekam unangenehmen Besuch.


London - Der Friseursalon M&M Hair Academy in der britischen Hauptstadt London weiß Prominente für sich einzusetzen. Auf seiner Website sind Bilder von Justin Timberlake oder Cameron Diaz gepostet, um Frisuren und Trends zu betonen. Ob die Stars dafür ihre Einwilligung gegeben haben, darf bezweifelt werden.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un schaffte es sogar auf ein Plakat des Salons. Sein Haarschnitt hatte es Besitzer Mo Nabbach besonders angetan - als Negativbeispiel. Unter dem Bild von Kim steht denn auch: "Bad hair day?" Ein "bad hair day", also ein Tag, an dem die Haare einfach nicht sitzen, kann schnell kippen in einen Tag, an dem alles schiefgeht. Der Friseursalon versprach Abhilfe mit seinem Werbeposter und amüsierte damit wohl viele Passanten.

"Not amused" war dagegen offenbar die nordkoreanische Botschaft, nur fußläufig von dem Geschäft entfernt. Einen Tag nachdem Nabbach das Poster aufgehängt hatte, seien zwei asiatisch aussehende Männer in Anzügen in seinen Salon gekommen, sagte er dem "Guardian". Der eine habe fotografiert, der andere Notizen gemacht. "Ich sagte zu meinen Kunden: 'Das müssen nordkoreanische Regierungsvertreter sein'", so Nabbach.

Die Männer hätten ihn gedrängt, das Plakat abzunehmen: Es sei respektlos, da es sich um einen Staatschef handele. "Ich sagte zu ihnen: 'Wir nutzen oft Bilder von Prominenten, so wie Lady Diana oder Victoria Beckham.' Und, anyway: "'Wir sind hier nicht in Nordkorea, sondern in England.'"

Er habe den Besuch später bei der Polizei gemeldet, so Nabbach zu der Zeitung. Die Männer hätten sich nicht ausgewiesen oder sich als Vertreter der nordkoreanischen Botschaft zu erkennen gegeben. Ein Sprecher der Polizei bestätigte aber, die Botschaft des Landes habe sich bei der Polizei gemeldet, man stehe in Kontakt. Die britischen Behörden hätten mit allen Seiten gesprochen. Die Botschaft erklärte gegenüber dem "Guardian", man wolle das nicht kommentieren.

Unklar bleibt weiter, wie echt ein Bericht ist, demzufolge männliche Studenten in Nordkorea den gleichen Haarschnitt haben müssen wie Kim Jong Un. Zahlreiche Beobachter bezweifeln das. Aber immerhin inspirierten die Gerüchte den Sohn des Salonbesitzers zu dem Plakat, das jetzt Ärger machte.

kgp

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insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
UnitedEurope 16.04.2014
1.
Als Person des öffentlichen Lebens dürfte das wohl von den britischen Gesetzen gedeckt sein. Ob die Polizei und Justiz aber auch so entspannt reagieren würden, wenn es Cameron oder die Queen wäre ...
clausde 16.04.2014
2.
Friseure aller Länder vereinigt Euch und macht die gleiche Werbung. So viele "Botschaftsangehörige" hat Nordkorea nicht. Dieser Kim Irgendwas und seine Diktatorenkollegen sollten viel öfter in der Werbung als negatives Beispiel verwendet werden um uns täglich das wahre Unrecht vor Augen zu führen.
slappy_hollow 16.04.2014
3.
Zitat von sysopddp images/ United ArchivesMit einem frechen Plakat wollte ein Londoner Friseur Kunden anlocken. Dass er dafür Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un nutzte, gefiel nicht jedem. Er bekam unangenehmen Besuch. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kim-jong-un-und-der-friseur-nordkoreaner-beschweren-sich-ueber-plakat-a-964687.html
Ich liebe den britischen Humor.
gazettenberg 16.04.2014
4.
Zitat von sysopddp images/ United ArchivesMit einem frechen Plakat wollte ein Londoner Friseur Kunden anlocken. Dass er dafür Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un nutzte, gefiel nicht jedem. Er bekam unangenehmen Besuch. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kim-jong-un-und-der-friseur-nordkoreaner-beschweren-sich-ueber-plakat-a-964687.html
Wo ist das Problem? Man darf nicht ungefragt andere als Werbeträger missbrauchen. Und der Fotograf des Fotos hat sicher auch kein Honorar erhalten. Soll der Friseur dafür eine Geldstrafe zahlen, das Foto abnehmen und beim nächsten Mal vorher fragen. Die Geldstrafe könnte man ja Opfern des nordkoreanischen Regimes zugute kommen lassen. Den Werbewert hat der Friseur ja jetzt hundertfach wieder reingeholt durch die Berichterstattung.
samueldora 16.04.2014
5. Respekt vor der Zivilisation, bitte!
Wenn der Friseur ein richtiger Engländer ist, lässt er das Plakat jetzt erst recht hängen. Die Nordkoreaner und alle anderen dieser Denkungsart müssen einfach Respekt vor der Zivilisation lernen, und dazu gehört auch Meinungsfreiheit.
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