Angaben aus Seoul Nordkorea will Atomanlage schließen und Inspekteure zulassen

Kim Jong Un hat sich nach Angaben des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In zum Abbau seiner landesweit größten Atomanlage bereit erklärt. Zudem will Nordkoreas Machthaber bald nach Seoul reisen - eine Premiere.

REUTERS

In die Bemühungen für eine atomare Abrüstung Nordkoreas kommt Bewegung: Auf ihrem Gipfel in Pjöngjang haben Südkoreas Präsident Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un vereinbart, die koreanische Halbinsel von Atomwaffen zu befreien. Das sagte Kim am Mittwoch nach der Unterzeichnung eines gemeinsamen Abkommens. Anschließend unterschrieben auch die Verteidigungsminister beider Länder ein Abkommen zur Verringerung der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel.

Konkret haben sich beide Seiten auf folgende Maßnahmen geeinigt:

  • Nach Angaben von Moon erklärte sich Kim zum Abbau seiner landesweit wichtigsten Atomanlage in Yongbyon bereit, wenn die USA im Gegenzug auch zu einem Entgegenkommen bereit seien. Dafür wolle er internationale Atominspekteure ins Land lassen. Unklar ist allerdings, wann und wie der Abbau genau passieren soll - und was Kim im Gegenzug für sein Entgegenkommen erwartet.
    In dem Komplex von Yongbyon stehen ein Atomreaktor und eine Wiederaufbereitungsanlage, die atomwaffenfähiges Plutonium erzeugen können, sowie eine Anlage zur Anreicherung von Uran. Moon sagte nun, eine atomwaffenfreie Halbinsel sei nicht mehr allzu weit entfernt.
  • Laut Moon will Nordkorea auch seine Testanlage für Raketenantriebe in Sohae an der Westküste und die dortige Startrampe unter Aufsicht internationaler Inspekteure abbauen. US-Experten hatten im Juli berichtet, Nordkorea habe bereits mit der Demontage wichtiger Teile der umstrittenen Raketenstartanlage begonnen.
  • Kim selbst sagte nichts über den Abbau seines bestehenden Atom- und Raketenarsenals. Er kündigte aber an, er werde "in naher Zukunft" die südkoreanische Hauptstadt Seoul besuchen. Es wäre der erste Besuch eines nordkoreanischen Machthabers seit der Teilung der koreanischen Halbinsel.
  • Zum Abbau der militärischen Spannungen wollen Nord- und Südkorea verschiedene Puffer- und auch Flugverbotszonen nahe der schwer bewachten Grenze einrichten. Das geht nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap aus dem Abkommen hervor, das die Verteidigungsminister beider Länder unterzeichneten.
  • Beide Seiten wollen demnach ab 1. November nahe der Grenze auch auf den jeweiligen Nachbarn abzielende Militärübungen einstellen.
  • Eine weitere Annäherung verkündete Moon beim Thema Sport: Süd- und Nordkorea wollen sich demnach zusammen um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2032 bewerben.

Moon und Kim waren am Dienstag in Pjöngjang zu einem dreitägigen Gipfel zusammengekommen - es ist die erste Reise eines südkoreanischen Präsidenten in die nordkoreanische Hauptstadt seit elf Jahren. Die erste Verhandlungsrunde fand in der Zentrale der Arbeiterpartei statt; die zweite am Mittwoch im Staatsgästehaus Paekhwawon, wo Moon übernachtet.

Über die Vereinbarungen zeigte sich auch US-Präsident Donald Trump erfreut. "Sehr aufregend!" kommentierte er die Ergebnisse des Treffens. "Kim Jong Un hat zugestimmt, Nuklearinspektionen zu erlauben, vorbehaltlich der Abschlussverhandlungen, und ein Testgelände sowie eine Startrampe im Beisein internationaler Experten dauerhaft zu demontieren", erklärte Trump. In der Zwischenzeit gebe es keine Raketen- oder Kernwaffentests.

Südkoreas Präsident will mit seinem Besuch unter anderem die innerkoreanischen Beziehungen verbessern und militärische Spannungen auf der Halbinsel abbauen, um so den Grundstein für ein Friedensabkommen zu legen. Beide Seiten befinden sich seit dem Ende des Koreakriegs 1953 völkerrechtlich noch im Kriegszustand.

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Moon will außerdem die stockenden Verhandlungen zwischen Nordkorea und den USA wieder in Gang bringen. Kim hatte wiederholt seine Bereitschaft zur Denuklearisierung bekräftigt. Doch war bislang unklar, wie und bis wann atomar abgerüstet wird und wie die Gegenleistung der USA aussehen sollte.

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Am Mittwochabend wollte Moon im größten Stadion von Pjöngjang sogenannte Massenspiele besuchen. Bei diesem Propagandaspektakel präsentieren Zehntausende Darsteller ein Programm aus Gesang, Tanz, Akrobatik und rhythmischer Gymnastik. Der Gipfel soll am Donnerstag enden.

aar/dpa/AFP

insgesamt 12 Beiträge
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UweGroßberndt 19.09.2018
1. Wenn es klappt :-)
Auch wenn jetzt viele Unken ihr Rufen starten, es ist ein Anfang. Un kämpft nicht nur um sein politisches Überleben, die Wirtschaft und Landwirtschaft seines Landes liegt am Boden, das kann man ein kurze Zeit mit PR Gags überspielen, aber nur eine kurze Zeit. Mehr als eine Atombombe braucht er Lebensmittel, Medikamente und Maschinen. Wenn ihm In das liefern kann und will, dann sichert ihm das sein Überleben. Was ein Amerikaner und schon gar kein Trump, verstehen kann ist die Mentalität. Trump kommt beleidigt und erwartet Zugeständnisse. Die Asiaten lächeln, nicken und denken sich was für eine armselige Wurst. Es erfordert viel Geduld und Fingerspitzengefühl um mit Asiaten zu verhandeln. Am Ende müssen sie das Gefühl haben mehr gewonnen als gezahlt zu haben. Wie dem auch sei, In und Un können sich auf Augenhöhe begegnen und einigen. beide wissen wie es um den anderen steht und wie man miteinander verhandelt.
peter-k 19.09.2018
2. Der Herr Moon hat bisher sowieso schon klug agiert
Es wäre eine weise Entscheidung des Herrn Kim sich viel mehr auf die asiatischen Nachbarn zu verlassen. Süd-Korea, Singapur, Thailand ... alle würden gerne kooperieren und ganz sicher keinen Konflikt. Lass den orangen Julius Caesar mit seinen hausgemachten Wirtschaftskriegen alleine.
ManRai 19.09.2018
3. Trump als Pausenfueller
Zwischen Nord- und Sued Korea muessen seit langem Kontakte laufen, unter dem Radar, sonst wären schon einige heikle Situationen explodiert. DT hat mal mit lautem Geschrei die wirklichen Akteure eingeführt, ohne irgendetwas zu erreichen, die machen jetzt die Show - und zwar alleine. Wie peter-k sagte, NK soll sich an die Asiatischen Länder halten, auch wegen der Mentalität, die zwischen Kaukasiern :-) und Asiaten schon immer zu Verwirrungen führte. Und Kim liebt ja Singapore, früher wurde er öfters im Zouk (Singapore Disco) gesichtet. Wenige Länder haben Diplomatische Vertretungen von und in NK, Singapore gehoert dazu und Singapore entwickelt sich auch zu einem Zentralpunkt der Diplomatie, fast alle Länder sind dort vertreten. Es muss Kim nur gelingen die Wirtschaft anzukurbeln - speziell ueber Importe - und die Lebensqualität drastisch zu erhöhen, ohne sein Gesicht zu verlieren. Ueber die anderen üblen Defizite NKs muss man dann auch reden koennen, aber die Tür muss erstmal offen sein.
Pfaffenwinkel 19.09.2018
4. Von einem Friedensabkommen
könnten beide Staaten nur profitieren - und die Welt wäre ein klein bißchen sicherer.
mwroer 19.09.2018
5.
Es ist seltsam - wenn man die USA außen vor lässt kann man in Asien auf einmal ganz vernünftige Gespräche führen und erzielt echte Fortschritte.
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