National-patriotische Erziehung Schüler für Putin

Putin-treue Jugendverbände gibt es längst, nun sollen auch Kinder die Werte des Kreml lernen: Der russische Präsident hat eine patriotische Schülerorganisation ins Leben gerufen. Ähnlichkeit mit den sowjetischen Pionieren ist gewollt.

Aktivisten der Jugendbewegung Naschi (Archivbild): Rückkehr der Pioniere?
AP

Aktivisten der Jugendbewegung Naschi (Archivbild): Rückkehr der Pioniere?


Russlands Präsident Wladimir Putin hat per Erlass die Gründung einer "Russischen Schülerbewegung" angeordnet. Die Bewegung solle beitragen zur "Persönlichkeitsbildung auf Grundlage der Werte, die der russischen Gesellschaft eigen sind", heißt es in dem Erlass.

Bildungsminister Dmitri Liwanow zog dabei in Moskau laut Agenturberichten vom Donnerstag Vergleiche zu sowjetischen Jugendorganisationen. "Wir waren doch alle Oktoberkinder, dann Pioniere und Komsomolzen", sagte er. Diese Gruppen seien zwar stark ideologisiert gewesen. "Aber trotzdem hatte das einen augenfälligen positiven Aspekt."

Zuständig für die Schülerbewegung soll die staatliche Jugendagentur sein. Der Kreml hat schon mehrere Jugendorganisationen zur national-patriotischen Erziehung gegründet, darunter die Bewegung Naschi.

Auf dem Gründungskongress der Schülerbewegung wurde eine Resolution verabschiedet gegen den weltweiten "Imperialismus" - gemeint sind offenbar die USA - und gegen den angeblichen "Faschismus" in der Ukraine.

Sarkozy trifft Putin

Unterdessen hat Frankreichs konservativer Ex-Präsident Nicolas Sarkozy in Moskau für eine Annäherung im Verhältnis zu Russland geworben. Nach einem Treffen mit Putin sagte er nach Angaben der Agentur Interfax: "Russland zu isolieren, macht keinen Sinn." Sarkozy sprach sich auch für eine Zusammenarbeit in der Syrien-Krise aus. "Man sollte die beiden Koalitionen vereinigen", sagte er mit Blick auf das Handeln Russlands und der USA.

Der französische Premierminister Manuel Valls rief Sarkozy daraufhin auf, die Position Frankreichs nicht im Ausland infrage zu stellen. "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir uns in unserer Zeit in der Opposition so verhalten hätten", sagte er dem Sender Public Sénat.

Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) hat in Moskau mit Putin gesprochen. Nach dem Treffen erklärte er, es gebe eine russische Bereitschaft für eine politische Lösung der Syrienkrise. Putin habe klar gemacht, dass er an einem dauerhaften militärischen Engagement in der Krisenregion kein Interesse habe.

In dem "sehr offenen" Gespräch lotete Gabriel auch Chancen auf eine weitere Entspannung der Ukrainekrise aus. Hier könne er sich eine schrittweise Lockerung der westlichen Sanktionen gegen Russland vorstellen, Bedingung sei aber die Umsetzung zentraler Punkte des Friedensabkommens von Minsk.

brk/wal/dpa



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