Parlamentsbeschluss Bolivien erlaubt Kinderarbeit ab zehn Jahren 

In Bolivien dürfen künftig Kinder bereits ab einem Alter von zehn Jahren arbeiten. Einen entsprechenden Beschluss hat das Parlament gefasst. Die Kinder sollen dabei helfen, das Land aus seiner extremen Armut zu führen.

Arbeitendes Kind in der Bergwerksstadt Potosi: In Bolivien arbeiten fast 25 Prozent der Minderjährigen
REUTERS

Arbeitendes Kind in der Bergwerksstadt Potosi: In Bolivien arbeiten fast 25 Prozent der Minderjährigen


La Paz - Sie betreiben Obststände oder putzen Schuhe, mauern Häuser oder arbeiten in Minen. In Bolivien gehört Kinderarbeit zum Alltag. 850.000 sind es nach Schätzungen des Arbeitsministeriums im ganzen Land. Demnach arbeitet im ärmsten südamerikanischen Land fast jedes vierte Kind, statt zur Schule zu gehen.

Jetzt hat das bolivianische Parlament Kinderarbeit ab einem Alter von zehn Jahren offiziell genehmigt. Die Abgeordneten billigten ein neues Gesetz, demzufolge Unternehmen lediglich die körperliche und geistige Gesundheit ihrer jungen Arbeitskräfte garantieren müssen und sie nicht ausbeuten dürfen. Verdingen sich Minderjährige ohne Dienstherrn, dürfen sie dies gemäß dem Parlamentsbeschluss künftig schon ab zehn Jahren tun. Das offizielle Mindestalter für Beschäftigungsverhältnisse liegt weiterhin bei 14 Jahren, mit Ausnahmeregelungen für die Beschäftigung von Zwölfjährigen.

Unter der bisherigen Regelung waren keine Ausnahmen für unter 14-Jährige erlaubt. Kritiker hielten das für realitätsfern, da viele Kinder in Bolivien aus finanzieller Not heraus schon früh arbeiten müssten. Die Neuregelung solle nun dabei helfen, das Land bis zum Jahr 2025 von extremer Armut zu befreien, sagte der Abgeordnete Javier Zavaleta. Bestenfalls werde Kinderarbeit schon ab 2020 nicht mehr nötig sein.

Das neue Gesetz muss nur noch von Präsident Evo Morales in Kraft gesetzt werden, der sich in der Vergangenheit als Fürsprecher von Kinderarbeit unter 14 Jahren positioniert hatte. Der Staatschef war in seiner Kindheit selbst als Hilfskraft in einer Bäckerei beschäftigt und half bei der Herstellung von Bauziegeln. Mit fünf Jahren begleitete er seinen Vater zur Zuckerernte nach Argentinien, als Teenager spielte Morales Trompete auf der Straße und verdiente sich so etwas dazu.

Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten weltweit 168 Millionen Minderjährige.

ler/AFP

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insgesamt 121 Beiträge
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henrikw 04.07.2014
1. Lang lebe der Sozialismus...
In Bolivien scheinen nicht nur die Uhren in die falsche Richtung zu laufen. Das kommt davon, wenn man den linken Demagogen wie einem Rattenfänger hinterherläuft.
mr.feelgood 04.07.2014
2. Durch Kinderarbeit Aufschwung?
Kinder retten die Welt..! Die Welt ist schon in einem unglücklichen Zustand, wenn sie Kinder von 10 Jahren benötigt, ihre Wirtschaft zu retten. Ist dieser parlamentsbeschluss nicht sympthomatisch für dieses weltweit kranke Wirtschaftssystem, welches auf Arbeitskräfte setzt, die so billig wie möglich sein sollen, um die ganze Drecksarbeit zu erledigen? Wie kann in diesem Zusammenhang von Nicht- Ausbeutung gesprochen werden? Warum können nicht erwachsene Männer oder Frauen diese Arbeiten machen, die hier den Kindern vorbehalten werden? Sind wir hier am Ende der Fahnenstange angelangt, allerdings am unteren Ende?
oisndoivnpsdv 04.07.2014
3. Armut überwinden?
Fehlende Bildung ist immer noch die Hauptursache für Armut, und ein Festhalten an Kinderarbeit wird diese ganz sicher nicht überwinden. Das ist eine zynische Von-der-Hand-in-den-Mund-Mentalität, aber ganz sicher keine Investition in eine bessere Zukunft für das Land und seine künftigen Generationen.
harwin 04.07.2014
4. Ausbeutung der eigenen Zukunft
Bolivien setzt also auf die Ausbeutung der eigenen Kinder. Ungebildete Kinder werden niemals reich werden, und das wiederum wird auch auf das Land Bolivien zurückfallen. Bolivien wird dann zu einem unbedeutendem Land welches abhängig ist von gebildeten Leuten aus Nordamerika und Europa.
CommonSense2006 04.07.2014
5. Das gibt bestimmt ein Geschrei
Wenn Morales die Gesetzgebung ein wenig an die Realität heranführt. Aber er ist ja ein "Linker", da darf er das ruhig. Fakt ist, Kinderarbeit kommt nicht von den böswilligen Ausbeutern oder den dummen Kindern, sondern durch die extreme Armut, Gesetze hin oder her. Im Gegenteil haben die Gesetze bisher die Löhne und die Bedingungen der "illegalen" Kinderarbeit noch weiter verschlechtert. Morales gefällt mir, der hat gesunden Menschenverstand, auch wenn er ein Linker ist.
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