Kino-Amoklauf: Obama legt sich mit Waffenlobby an
Wenige Monate vor der Wahl riskiert Präsident Obama einen innenpolitischen Konflikt. Nach dem Amoklauf in Colorado dringt er auf bessere Kontrollen beim Kauf von Waffen - in Amerika ein hoch umstrittenes Thema. Konkurrent Mitt Romney präsentiert seine eigene Theorie zum Täter.
Washington - Normalerweise meiden US-Politiker die Auseinandersetzung mit den Waffenfans im Land. Erst recht, wenn Wahlen bevorstehen. US-Präsident Barack Obama hat nach dem Kino-Amoklauf von Aurora trotzdem einen Vorstoß gewagt - und bessere Kontrollen beim Waffenkauf verlangt.
Viele Waffenbesitzer stimmten mit ihm überein, dass ein Sturmgewehr in die Hand von Soldaten gehöre und nicht in die von Kriminellen, sagte Obama am Mittwochabend bei einer Veranstaltung in New Orleans.
"Es ist klar, dass der Waffenbesitz eine lange Tradition in diesem Land hat und dass Schießen und Jagen zum Erbe der Nation gehören", sagte Obama. Das durch die Verfassung geschützte Recht auf den Besitz von Waffen müsse auch bestehen bleiben. Die meisten Waffenfreunde würden ihm aber wohl zustimmen, dass alles getan werden müsse, um Kriminelle vom Erwerb von Waffen abzuhalten, sagte Obama. Geistig Verwirrte sollten nicht so leicht an Waffen kommen. Eine sinnvolle Regelung sei eine dringende parteiübergreifende Aufgabe.
Er arbeite daher mit Mitgliedern der eigenen Partei, aber auch mit Republikanern, religiösen Gruppen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen, um zu einem Konsens über den Kampf gegen Gewalt zu kommen. Das beziehe sich nicht nur auf die Gewalt mit Waffen. Gewalt suche die größten Städte und die kleinsten Orte heim, sagte Obama. Sie töte Amerikaner jeden Alters und unterschiedlichster Herkunft.
Die Waffenlobby gilt in den USA als äußerst einflussreich. Gerade mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen im November kommt Obamas Aussage daher überraschend.
Der 24 Jahre alte James Holmes soll bei einer "Batman"-Kinopremiere in Colorado zwölf Menschen getötet haben. Bei dem Überfall hatte er nach bisherigem Ermittlungsstand mit einem Sturmgewehr, einer Schrotflinte und zwei Glock-Pistolen um sich geschossen. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass der mutmaßliche Täter vor seinem Amoklauf ein Notizbuch mit Mordgedanken und Skizzen an einen Psychiater geschickt haben soll.
Romney: "Diese Person hätte keine Waffen haben dürfen"
Auch Mitt Romney, Obamas republikanischer Konkurrent im Kampf um das Präsidentenamt, meldete sich nach dem Amoklauf zu Wort - mit einer überraschenden Theorie. Der dringend tatverdächtige James Holmes habe viele seiner Waffen illegal erworben, behauptete Romney. "Diese Person hätte keine Waffen oder Bomben haben dürfen", sagte er dem Fernsehsender NBC am Mittwoch. Der Verdächtige habe mit dem Besitz vieler seiner Waffen gegen das Gesetz verstoßen.
Der Wahrheit entspricht dies nicht: Laut Aussagen der Ermittler hat Holmes alle drei Waffen sowie die Munition rechtmäßig gekauft. Er bestand alle notwendigen Überprüfungen.
Romney beharrt jedoch auf seiner Sicht der Dinge. Gesetzesänderungen würden Tragödien dieser Art nicht verhindern, sagte er. "Ich glaube nicht, dass wir neue Regeln brauchen. Wir können zwar hoffen, dass alle schlimmen Dinge mit einem neuen Gesetz aus der Welt geschafft werden. Doch das werden sie nicht."
jok/dpa/Reuters
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- Donnerstag, 26.07.2012 – 07:56 Uhr
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