Vor Berufungsverhandlung: Russische Kirche fordert Buße von Pussy Riot

Die Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot sollen für zwei Jahre ins Gefängnis, weil sie in einer Kirche gegen das Regime protestierten. Kurz vor der Berufungsverhandlung fordern Kirchenvertreter jetzt Buße von den Aktivistinnen: "Das würde ihren Seelen auf jeden Fall gut tun."

Auftritt von Pussy Riot in der Moskauer Erlöser-Kirche: "Die heilige Stätte entweiht" Zur Großansicht
DPA/ ITAR-TASS

Auftritt von Pussy Riot in der Moskauer Erlöser-Kirche: "Die heilige Stätte entweiht"

Moskau - Sie fühlen sich nicht schuldig, das haben die Mitglieder von Pussy Riot oft genug zum Ausdruck gebracht. Einen Tag vor der Berufungsverhandlung gegen die russische Punk-Band Pussy Riot hat die orthodoxe Kirche die drei angeklagten Frauen dennoch zur Buße aufgefordert. Ihre Tat müsse zwar auf jeden Fall bestraft werden, sagte ein Kirchensprecher am Sonntag. "Wenn sie aber Reue in irgendeiner Form zum Ausdruck bringen, muss dies berücksichtigt werden."

Die Musikerinnen im Alter von 22, 24 und 30 Jahren waren Mitte August für ihren regierungskritischen Auftritt in einer Moskauer Kirche zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. "Die Kirche hofft aufrichtig auf die Buße derer, die die heilige Stätte entweiht haben", sagte der Kirchensprecher weiter. "Das würde ihren Seelen auf jeden Fall guttun."

Die Band-Mitglieder hatten im Februar mit den für ihre Auftritte charakteristischen bunten Sturmmasken über den Gesichtern den Altarraum der Christ-Erlöser-Kathedrale gestürmt. In einem "Punk-Gebet" brachten sie lautstark ihre Wut über den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten Wladimir Putin sowie dessen enge Verbindung zur russisch-orthodoxen Kirche zum Ausdruck. Pussy Riot wurde wegen "Rowdytums aus religiös motiviertem Hass" verurteilt.

Der Prozess brachte Putin international in die Kritik, weil dadurch einmal mehr Zweifel an der Unabhängigkeit der russischen Justiz laut wurden. Stars wie Paul McCartney und Madonna setzten sich öffentlich für die Musikerinnen ein. Die russisch-orthodoxe Kirche hatte nach dem Urteil signalisiert, dass sie Strafminderung akzeptieren würde.

Doch dies würde voraussetzen, dass die drei Frauen ihre Schuld eingestehen. Das lehnen sie ihren Anwälten zufolge aber weiter kategorisch ab: Wenn die Kirche Reue im strafrechtlichen Sinne gemeint habe, werde es dazu mit Sicherheit nicht kommen, sagte einer der Verteidiger einem russischen Fernsehsender. "Unsere Klientinnen werden keine Schuld zugeben, eine solche Forderung ist sinnlos."

Die Anwälte und Angehörigen der drei Pussy-Riot-Mitglieder haben nach eigenem Bekunden ohnehin wenig Hoffnung auf eine Verringerung oder gar Aussetzung der Strafe.

dab/Reuters

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1. Wer keine Schuld hat,
newsfreak 30.09.2012
der schmeiße den ersten Stein! Die Kirche geht nicht mit gutem Beispiel voran, Sie sollten die ersten sein die mit Beispiel voran gehen, wenn sie der Meinung sind das Sie verlorene Seelen sind. Heuchler und falsche Lehrer
2. Pussy Riot Reue
eckbusch 30.09.2012
Bewundernswert, die Haltung dieser Frauen. Schade, dass es in der Welt zu wenige mit so viel Mut und Tapferkeit gibt. Und alle Laberköpfe im Westen schweigen mal wieder. Die Gaspreise sind sicher wichtiger.
3. Drei Vaterunser und zwei Ave Maria...
fxe1200 30.09.2012
..müssten reichen. Oder haben wir hier im Forum jemanden, der diese Ansicht nicht teilt?
4. kreml@
Onkel_Karl 30.09.2012
Zitat von sysopDPADie Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot sollen für zwei Jahre ins Gefängnis, weil sie in einer Kirche gegen das Regime protestierten. Kurz vor der Berufungsverhandlung fordern Kirchenvertreter jetzt Buße von den Aktivistinnen: "Das würde ihren Seelen auf jeden Fall gut tun." http://www.spiegel.de/politik/ausland/kirche-fordert-busse-von-pussy-riot-a-858829.html
Der Mann von Tlokownikowa hat in USA einen Preis von Yoko Ono bekommen der auf 50000 Dollar dotiert ist,dabei war auch seine Tochter Gera die 4 Jahre alt ist,ich denke ihre Mutter wird es sehr freuen. Eigentlich haben die Mädchen der richtigen Opposition in Russland eher geschadet,jetzt sagt man seht her, das ist eure Opposition und viele verschreckt es,denn mit der Aktion haben die Mädels 90% der Bevölkerung gegen sich. Der Blogger Nawalny hat sie auch deswegen kritisiert,dabei bastelt Kreml an einer Anklage gegen Nawalny. Man will ihn mundtot machen,die Anklage war zuerst ganz andere und Nawalny wurde freigesprochen aber die Behörden haben schon eine andere vorbereitet und da sagt sein angebliche Partner gegen ihn aus,ich glaube Kreml will ein Exempel statuieren.
5. Das ist eigentlich noch zuviel,
xpeten 30.09.2012
Zitat von fxe1200..müssten reichen. Oder haben wir hier im Forum jemanden, der diese Ansicht nicht teilt?
denn was ist passiert? Äußerung einer Meinung im Rahmen einer von der Kunstfreiheit gedeckten Performance auf durch die Kirche öffentlich zugänglich gemachten Flächen. Also nichts.
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