Reicher Russe auf Kiribati "Ich will das Zarenreich zurück"

Das Reich der Zaren endete mit der Russischen Revolution vor 100 Jahren. Ein reicher Russe will die Monarchie wieder aufleben lassen - im Pazifik. Er lässt nicht locker, hat einen zweiten Antrag gestellt. Ein Anruf auf den Kiribati-Inseln.

Anton Bakow und seine Frau Marina auf Kiribati
DPA/ Anton Bakow

Anton Bakow und seine Frau Marina auf Kiribati

Von , Moskau


Zur Person
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    Anton Bakow, geboren 29. Dezember 1965 im heutigen Jekaterinburg, Geschäftsmann. Hat sein Geld nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gemacht, im Tourismus und mit Finanzinvestionen. Wie groß sein Vermögen ist, will er nicht sagen. Er gilt als einer der größten Landbesitzer im Ural. Er war von 2003 bis 2007 Abgeordneter der Duma. Seit April 2012 ist Bakow Vorsitzender der Monarchistischen Partei der Russischen Föderation.

SPIEGEL ONLINE: Herr Bakow, wo erreichen wir Sie denn gerade?

Anton Bakow: (im Hintergrund ist Hupen zu hören, Kinderstimmen) Ich sitze in einem orientalischen Restaurant in South Tarawa, der Hauptstadt von Kiribati. Leider gibt es heute mein Lieblingsgericht, Schweinerippen, nicht. Ich esse Hühnerfüße, leider sind sie etwas zu trocken geraten. Aber man kann es hier gut aushalten, bei 32 Grad, das Wasser hat 28 Grad (lacht), besser als der russische Winter. Ich bin seit einem Monat hier.

SPIEGEL ONLINE: Fühlen Sie sich denn noch willkommen auf Kiribati? Ihr Plan, ein Zarenreich auf drei Inseln des pazifischen Inselstaates zu errichten, wurde doch gerade abgelehnt.

Bakow: Ach, das, das ist doch schon lange her. Das ist nicht mehr aktuell.

SPIEGEL ONLINE: Lange her? Die Entscheidung wurde doch gerade erst am 27. Februar bekannt gegeben.

Bakow: Na ja …(Pause)… unsere Pläne verzögern sich etwas, aber die Absage ist nicht mehr aktuell. Und ich bin ja derjenige, der es wissen muss.

SPIEGEL ONLINE: Was heißt das, können Sie konkreter werden?

Bakow: Natürlich, am Donnerstagmorgen habe ich mit meiner Frau den Präsidenten von Kiribati, Taneti Mamau, getroffen.

SPIEGEL ONLINE: Und was hat der gesagt?

Bakow: Er ist auf unserer Seite. Er sagt, wir haben alles richtig gemacht, als wir einen erneuten, zweiten Antrag gestellt haben, gleich einen Tag nach der Absage. Er findet unser Angebot, die drei Inseln Starbuck, Millenium und Malden zu kaufen, einmalig, da wir investieren wollen.

Insel Malden
NASA Johnson Space Center

Insel Malden

SPIEGEL ONLINE: Es ist richtig, dass die Inseln unbewohnt sind?

Bakow: Ja, da ist nichts. Der Präsident war gerade dort, mit einem Schiff und hat sich alles angeschaut. Er war empört, dass die Leute hier in der Hauptstadt uns so unfair und so ungut behandelt haben, als er auf Reisen war. Die Leute behaupten, wir sind schreckliche Verbrecher, die Informationen würden aus Australien stammen, der australische Botschafter hat das aber uns gegenüber verneint. Ich glaube, es gibt einen Machtkampf zwischen diesen Leuten und dem Präsidenten Mamau, die wollen ihm schaden.

SPIEGEL ONLINE: Was genau haben Sie vor mit den drei Inseln?

Bakow: Ich will die Romanow-Dynastie wiederherstellen, die 1917 verloren ging. Ich will das Zarenreich zurück, eine Alternative für Russland schaffen. Ich habe gehört, dass nicht nur die Menschen in Russland mit Putin unzufrieden, sondern auch in Deutschland nicht gerade begeistert von ihrer Regierung sind. Unser Zarenreich soll eine Oase für Millionäre und Milliardäre werden, sie sollen in ihren Fürstentümern leben, die vertraglich mit unserem Zarenreich in loser Allianz verbunden sind.

Karl Emich Prinz zu Leinigen
PPE/ face to face

Karl Emich Prinz zu Leinigen

SPIEGEL ONLINE: Und wer wird Ihr Zar? Stimmt es, dass es der deutsche Adelige Karl Emich Prinz zu Leinigen ist?

Bakow: Ja, den habe ich nicht ausgewählt, weil er ein guter oder so schöner Kerl ist, sondern weil er ein Abkömmling von Zar Alexander II. ist.

SPIEGEL ONLINE: Hat er denn schon zugesagt?

Bakow: Mehrmals, er hat mich sogar schon zum Ministerpräsidenten ernannt.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind schon Ministerpräsident, obwohl es Ihr Zarenreich noch nicht gibt?

Bakow: Ja. Meine Ahnen haben 1613 einen Eid auf die Romanows geschworen. Und als ich den Zaren (Anm. d. Redaktion - Karl Emich Prinz zu Leinigen) 2013 getroffen habe, habe ich meinen Eid auf ihn geschworen.

SPIEGEL ONLINE: Sie wollen 350 Millionen Dollar auf den Kiribati-Inseln investieren, wo kommt das Geld denn her?

Bakow: Wissen Sie, ich bin ein ziemlich alter russischer Milliardär (lacht). Ich plane auf Malden vier Hotels, einen Flughafen und einen Hafen. Ich will mehr als 1000 Arbeitsstellen schaffen, wenn alles gut geht, in zwei bis drei Jahren nach der Vertragsunterzeichnung

SPIEGEL ONLINE: Ihre Pläne von einer neuen Monarchie werden sehr belächelt.

Bakow: Ach, dazu sage ich nichts. Wenn es klappt, dann bin ich es, der lacht.

Surfer auf Kiritimati
REUTERS

Surfer auf Kiritimati

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass die Kiribati-Inseln wirklich eine gute Wahl sind in Zeiten des Klimawandels?

Bakow: Ach, heute merkt man davon bisher kaum etwas. Das erste Land, das untergehen wird, ist Holland, aber die haben ja Deiche. Wenn wir hier Deiche bauen, werden wir auch nicht untergehen. Und wenn der Meeresspiegel jedes Jahr um einen Zentimeter steigt, brauchen wir die natürlich auch.



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