Russland Patriarch nennt Homo-Ehe Symptom für Weltuntergang

Homosexualität sei Sünde und Selbstzerstörung für ein Volk: Der orthodoxe russische Patriarch Kirill wettert gegen gleichgeschlechtliche Ehen. Mit dieser Meinung steht der Kirchenmann in Russland nicht allein da.

Patriarch Kirill (nach seiner Wahl 2009): Kuss aufs Kreuz
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Patriarch Kirill (nach seiner Wahl 2009): Kuss aufs Kreuz


Moskau - Erst kürzlich hat Russland "Homosexuellen-Propaganda" gesetzlich verboten - ein Zugeständnis an die einflussreiche Kirche im Land. Jetzt legt der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill noch einmal nach und hetzt in drastischen Worten gegen gleichgeschlechtliche Ehen.

Viele Staaten, in denen eine Minderheit Gesetze durchdrücke, hätten sich zuletzt für die Sünde entschieden, sagte Kirill am Sonntag bei einem Gottesdienst in Moskau, berichtet die Agentur Interfax. In der Kasaner Kathedrale am Roten Platz sagte er demnach: "Das ist ein sehr gefährliches apokalyptisches Symptom. (...) Denn das bedeutet, dass das Volk den Pfad der Selbstzerstörung einschlägt."

Erst vor wenigen Tagen hatte Großbritannien die Homo-Ehe erlaubt, der deutsche Bundestag beschloss im Juni das Ehegatten-Splitting für homosexuelle Paare und der Oberste Gerichtshof der USA erweiterte die Rechte gleichgeschlechtlicher Ehepaare massiv.

Dass Russland unlängst "Homosexuellen-Propaganda" unter Geldstrafe gestellt sowie Blasphemie unter Androhung von Haft verboten hat, ist auch ein Zugeständnis an die einflussreiche Kirche - diese ist eine wichtige Machtstütze von Kreml-Chef Wladimir Putin. Homosexualität ist in Russland zwar straffrei, wird aber von der Mehrheit der Russen strikt abgelehnt. Erst 1999 wurde Homosexualität von der Liste der Geisteskrankheiten gestrichen.

Wer in Russland homosexuell ist, lebt in ständiger Angst vor Ausgrenzung und Gewalt. Es gilt als offenes Geheimnis, dass viele Showstars und Politiker Scheinehen eingehen, um ihr Sexualleben zu verschleiern. In St. Petersburg wurden im vergangenen Jahr zwei Männer festgenommen, weil sie Plakate mit der Aufschrift "Homosexualität ist normal" hochgehalten hatten.

Kirill war im Januar 2009 mit überwältigender Mehrheit zum neuen Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche gewählt worden. Er ist damit Nachfolger von Alexius II., der am 5. Dezember 2008 im Alter von 79 Jahren gestorben war und die größte Kirche im orthodoxen Christentum seit 1990 geführt hat.

lgr/dpa

Forum - Präsidentschaftswahl in Russland - ist Putin noch der Richtige?
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Seite 1
duk2500 26.02.2012
1. Stärke und Stabilität
Russland braucht nach dem Desaster des Kommunismus und den Chaos der Übergangszeit jetzt Stabilität und eine starke Führung zur weiteren politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Daran hat der Westen leider kein Interesse. Befremdlich auch wie viele westliche Intellektuelle die nie oder nur halbherzig die kommunistischen Diktaturen kritisierten, jetzt lautstark gegen bestimmte und notwendige Eigenarten der "gelenkten Demokratie" protestieren.
Finnländer 26.02.2012
2.
Bringen Sie doch erstmal ihre Fakten zusammen: 35.000 waren das Ziel. Ihr Aufmacher auf der Titelseite: ---Zitat--- Mit etwa 35.000 Menschen war die Kundgebung in Moskau die größte des Landes. ---Zitatende--- Die Veranstalter sprechen von 30.000, die Polizei von 11.000 Teilnehmern. Es werden also wohl um die 15.000 gewesen sein.
LaRussophobe 26.02.2012
3. 3
Zitat von sysopWladimir Putin wird aller Vorraussicht nach neuer Präsident Russlands. Trotz der seit Monaten anhaltenden Proteste gegen ihn und das politische System, welches sich unter ihm in den vergangenen 12 Jahren etabliert hat. Was denken Sie - ist Putin der Richtige, um Russland in den kommenden Jahren zu führen? Oder ist eine Erneuerung des Landes mitsamt der politischen Institutionen überfällig?
Ja, überfällig. Denn Putins dritte Amtszeit steht unter einem anderen Stern als der vom Ölpreis gepushte Einstieg des ehemaligen Geheimdienstlers vor zwölf Jahren. Inzwischen sind Staat und Infrastruktur zerfallen und die Korruption zerfrisst die verbliebenen Reste. Die überfällige Modernisierung in Armee, Bildungs- und Gesundheitswesen wurde schon in satten Zeiten versäumt. Und die von Putin nun installierte Elite wird sich um sie trotz gegenläufiger Rhetorik auch in den nächsten Jahren nicht kümmern. Russland droht der weiter beschleunigte Abstieg in Richtung Dritte Welt. Putins nächste Amtszeit steht unter dem Stern des Zerfalls: Die neue Dritte Welt - taz.de (http://www.taz.de/!78808/)
M67 26.02.2012
4. Lachnummer
Diese Anzahl der Demonstranten bei einer 11 Millionenstadt wie Moskau ist einfach nur lächerlich. Was soll dieser Bericht eigentlich bedeuten. Kohl war 16 Jahre Bundesknzler der BRD, darüber regt sich keiner auf. Laßt doch endlich Russland in Ruhe und kümmert Euch um die Ungerechtigkeiten in diesem Lan, da haben wir alle Hände voll zu tun. Einfach nur langweilig das ewige Gezedere.
michaelslo 26.02.2012
5. Der Übereifer des Westens
Zitat von sysopWladimir Putin wird aller Vorraussicht nach neuer Präsident Russlands. Trotz der seit Monaten anhaltenden Proteste gegen ihn und das politische System, welches sich unter ihm in den vergangenen 12 Jahren etabliert hat. Was denken Sie - ist Putin der Richtige, um Russland in den kommenden Jahren zu führen? Oder ist eine Erneuerung des Landes mitsamt der politischen Institutionen überfällig?
hat den Wunsch zum Vater des Gedankens. Eine starke Persönlichkeit - der richtige Mann für dieses Riesenreich - ist gut für Russland, schlecht für den Westen. Eine Marionette wäre dem Westen lieber. Jedwede "Proteste werden so aufgebauscht, als ob diese von Wladiwostok bis Smolensk reichen würden. Die ständigen Kritiker Putins sollten die Wahlbeteiligung in der BRD beachten - darauf kann der Westen nicht stolz sein.
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