Klagemauer in Jerusalem Frauen und Männer sollen gemeinsam beten dürfen

Die israelische Regierung hat beschlossen, an der Klagemauer in Jerusalem eine "gemischte Zone" einzurichten. Bisher dürfen Männer und Frauen an der heiligen Stätte ausschließlich getrennt beten.

Klagemauer in Jerusalem (Archivbild): 15 zu 5 für eine "gemischte Zone"
DPA

Klagemauer in Jerusalem (Archivbild): 15 zu 5 für eine "gemischte Zone"


An der Klagemauer in Jerusalem sollen nach dem Willen der israelischen Regierung künftig Männer und Frauen gemeinsam beten dürfen. Dafür soll eine "gemischte Zone" eingerichtet werden, beschloss das Kabinett von Premierminister Benjamin Netanjahu nach Angaben eines Sprechers.

Ein 900 Quadratmeter großer Bereich im südlichen Abschnitt der Klagemauer soll noch vor dem Sommer fertiggestellt und für das gemeinsame Gebet freigegeben werden. Dafür eingesetzt hatten sich in erster Linie die "Frauen von der Mauer", jüdische Feministinnen, die auch für das Recht von Frauen eintreten, laut zu beten und aus der Tora vorzulesen.

Orthodoxe Juden lehnen dies ab. 15 Minister stimmten nun für die Neuerung, die fünf von den beiden Parteien der Ultraorthodoxen gestellten Regierungsmitglieder stimmten dagegen. Sie verzichteten aber auf ein Veto, um die Koalition nicht zu gefährden.

Nicht-orthodoxe Juden hatten sich seit fast 30 Jahren dafür eingesetzt, neben den getrennten Männer- und Frauenbereichen an der heiligen Stätte auch einen Ort für gemeinsame Gebete und Feiern einzurichten.

Die Klagemauer gehört zum Komplex des Tempelbergs in der Altstadt von Jerusalem - einer der umstrittensten Orte der Welt, weil er Juden und Muslimen heilig ist. Auf dem Plateau stehen heute der Felsendom mit seiner weithin sichtbaren goldenen Kuppel sowie die Al-Aksa-Moschee. Juden haben dort lediglich ein Besuchsrecht und beten stattdessen an der Klagemauer, die zu den Resten der ehemaligen westlichen Stützmauer gehört.

aar/dpa/AFP



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