Klimaschutz G8 bekennen sich zur Halbierung der CO2-Emissionen bis 2050

Die Gruppe der acht wichtigsten Industriestaaten hat sich klar zu dem Ziel bekannt, die Treibhausgasemissionen bis 2050 zu halbieren. Die USA lassen sich damit erstmals auf ein langfristiges Ziel beim Klimaschutz ein.


Toyako - Das teilte der japanische Ministerpräsident Yasuo Fukuda nach Beratungen der Gruppe mit. In der Gipfelerklärung zum Klimaschutz heißt es: "Wir wollen mit allen Parteien in der UNFCC (Uno-Klimarahmenkonvention) die Vision teilen ..., das Ziel einer Reduzierung der CO2-Emissionen um mindestens 50 Prozent bis 2050 zu erreichen."

G-8 in Toyako: Einigung beim Klimaschutz
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G-8 in Toyako: Einigung beim Klimaschutz

Mit diesem Ziel wollen die G-8 in die Verhandlungen über das nächste Klima-Abkommen Ende 2009 in Kopenhagen gehen, wie es weiter hieß. Diese Verhandlungen laufen unter dem Dach der Vereinten Nationen. Die G8 gehen damit über die Formulierung von Heiligendamm hinaus. Dort war lediglich festgehalten worden, die Halbierung "ernsthaft zu prüfen".

In Sachen Klimaschutz hatte es gestern, dem ersten Gipfeltag, eine Kontroverse über das weitere Vorgehen gegeben. Während US-Präsident George W. Bush nicht ohne die aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien bei der Reduzierung der Treibhausgase voranschreiten wollte, rief EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso dazu auf, in Vorleistung zu treten. Ansonsten werde man sich in einem "Teufelskreis" wiederfinden, sagte er.

Die Amerikaner hatten ihrerseits Deutschland unter Druck gesetzt, den Atomausstieg zu stoppen. Wer es mit dem Klimaschutz ernst meine, müsse auch die Kernkraft nutzen, sagte der Klimaberater Bushs. Merkel blockte den Vorstoß umgehend ab: "Ich glaube nicht, dass sich der Klimaschutz an der Frage der Kernenergie alleine entscheidet."

Die G-8-Staaten wollen außerdem ein Forum zur Förderung der Energiesicherheit abhalten. Das Treffen soll sich auf Energieeffizienz und neue Technologien konzentrieren, teilten die acht großen Industrienationen im japanischen Toyako mit. Das Forum könne zum Dialog zwischen Produzenten und Verbrauchern beitragen, hieß es in einer Erklärung. Details wurden nicht genannt.

Zudem sprachen sich die Staats- und Regierungschefs für eine Ausweitung der Ölproduktion aus. Die steigenden Öl- und Nahrungsmittelpreise stellten eine ernsthafte Herausforderung für ein stabiles globales Wirtschaftswachstum dar.

Insgesamt zeigte sich die G8 positiv gestimmt beim Ausblick auf die Weltwirtschaft. Hinsichtlich des internationalen Handels plädierte die Staatengruppe für einen raschen Abschluss der WTO-Verhandlungen mit einer weiteren Liberalisierung im globalen Austausch von Gütern und Dienstleistungen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich "sehr zufrieden" über die G-8-Arbeit an den Themen Klimaschutz, Öl und Nahrungsmittel.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon beklagte in Toyako, die Erderwärmung trage dazu bei, dass es immer schwieriger werde, die ehrgeizigen Millenniumsziele der Vereinten Nationen zur Halbierung von Hunger und Armut in der Welt bis 2015 zu erreichen.

Hilfsorganisationen und Umweltschützer haben in Toyako heftige Kritik an Biotreibstoffen geübt. Die starke Steigerung der Produktion von Agrartreibstoffen sei ein wesentlicher Grund für die akute Weltnahrungskrise. Subventionen, Steueranreize oder verbindliche Ziele für die Beimischung von Biotreibstoffen in Europa oder den USA müssten gestoppt werden, forderten Organisationen zum Kampf gegen Armut und Hunger sowie Greenpeace und der World Wide Fund for Nature (WWF).

asc/dpa/AP



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