SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

09. November 2015, 00:31 Uhr

Erderwärmung

Weltbank warnt vor wachsender Armut durch Klimawandel

Knapp 200 Staaten wollen in Paris eine gemeinsame Klimapolitik beschließen. Die Weltbank hat nun vor einem Scheitern der Gespräche gewarnt: Werde die Erderwärmung nicht gestoppt, könne das zusätzlich 100 Millionen Menschen in die Armut stürzen.

Die Weltbank hat vor einem Scheitern der Klimapolitik gewarnt: Sollte die Erderwärmung nicht gestoppt werden, könnte sich die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen bis zum Jahr 2030 um weitere hundert Millionen erhöhen. Besonders stark würde Afrika betroffen sein, heißt es in dem jüngsten Bericht der Institution.

Im Dezember werden sich Vertreter aus 195 Staaten in Paris zum Uno-Klimagipfel treffen. Sie wollen ein neues weltweites Klimaabkommen zur Reduzierung von Treibhausgasen aushandeln. Dabei sollen sich zum ersten Mal auch die Schwellen- und Entwicklungsländer zur Reduzierung ihres Kohlendioxidausstoßes verpflichten. Das Abkommen soll ab dem Jahr 2020 das Kyoto-Protokoll ablösen.

Bei Vorverhandlungen in Bonn hatte die Weltgemeinschaft Ende Oktober ein gemeinsam beschlossenes Dokument verabschiedet, das als Grundlage für einen Weltklimavertrag dienen kann. Doch in dem Schreiben gab es zahlreiche Widersprüche, Streitereien waren die Folge.

Die Weltbank appellierte nun eindringlich an die Teilnehmerstaaten, sich auf dem Uno-Gipfel einig zu werden - auch, weil der Klimawandel zu einer deutlichen Erhöhung der Lebensmittelpreise führen könne. Da in Afrika die ärmsten Haushalte 60 Prozent ihrer Ausgaben für Lebensmittel aufbringen, würde dies "einen sehr harten Schlag für die Region" bedeuten.

Auch für die Menschen in den Staaten Südasiens sehen die Experten besonders hohe Risiken. Allein in Indien könnten nach ihren Berechnungen durch den Klimawandel, Erschütterungen der Agrarwirtschaft und eine schnellere Ausbreitung von Krankheiten insgesamt 45 Millionen Menschen in extreme Armut geraten. Das heißt, ihnen stehen weniger als 1,90 Dollar pro Tag zur Verfügung.

Erklärtes Ziel der Weltgemeinschaft ist es, die globale Erwärmung auf zwei Grad über dem Temperaturdurchschnitt vorindustrieller Zeit begrenzen. Andernfalls droht ein Schmelzen der Gletscher, ein Anstieg der Meeresspiegel sowie eine Zunahme von Stürmen und anderer extremer Wetterphänomene.

Forscher: Auch bei Erreichen des Klimaziels Megastädte in Gefahr

Selbst bei Erreichen der internationalen Klimaziele sind Städte wie Shanghai, Hongkong oder Mumbai nach Einschätzung von Forschern auf längere Sicht bedroht. Eine Zwei-Grad-Erderwärmung "bedeutet langfristig eine existenzielle Bedrohung für zahlreiche Städte und Küstenregionen", heißt es in einer von dem Forschungsinstitut Climate Central veröffentlichten Studie.

Diese Städte - und damit ein Gebiet, in dem heute etwa 280 Millionen Menschen leben - könnten zu Teilen überflutet werden und unter den Wassermassen verschwinden. Bei einer Erwärmung um vier Grad wären demnach sogar 600 Millionen Menschen betroffen.

Bei der Zeitspanne, in der der Meeresspiegel so ansteigt, wollten sich die Forscher nicht festlegen. Ob in - wohl weniger wahrscheinlichen - 200 oder 2000 Jahren sei schwer abzuschätzen, hieß es in der Untersuchung. Es hänge auch von den Maßnahmen ab, die gegen den Ausstoß von Treibhausgasen und die Erwärmung umgesetzt würden. Die Prognosen beziehen die Ausdehnung der Meere bei einer höheren Wassertemperatur oder das Schmelzen der Gletscher mit ein.

apr/AFP

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH