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Gas-Deal mit Russland: Klitschko wirft Janukowitsch Ausverkauf der Ukraine vor

Oppositionspolitiker Klitschko: "Ich will Janukowitsch im Ring sehen" Zur Großansicht
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Oppositionspolitiker Klitschko: "Ich will Janukowitsch im Ring sehen"

Der Gas-Pakt mit Russland befeuert die Proteste der ukrainischen Regierungsgegner: Oppositionsführer Klitschko wirft Präsident Janukowitsch vor, die nationalen Interessen des Landes zu opfern. Deutschlands neuer Außenminister Steinmeier springt Klitschko zur Seite.

Moskau - Der ukrainische Oppositionsführer Vitali Klitschko hat Präsident Wiktor Janukowitsch wegen des Hilfspakets Russlands für sein Land scharf kritisiert. "Er hat die nationalen Interessen der Ukraine aufgegeben, er hat unsere Unabhängigkeit und die Aussicht auf ein besseres Leben für alle Ukrainer geopfert", sagte Klitschko bei einer Kundgebung auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew.

Janukowitsch hatte mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin am Nachmittag ein Hilfspaket für das finanziell angeschlagenes Land ausgehandelt. Russland will 15 Milliarden Dollar (10,9 Milliarden Euro) in ukrainische Staatsanleihen investieren und seinem westlichen Nachbarn billigeres Gas zur Verfügung stellen. Die Ukraine hat wegen Gaslieferungen hohe Schulden bei Russland und stand kurz vor dem Staatsbankrott. Janukowitsch missbrauche die Ukraine als Pfand für den Milliardenkredit, sagte Klitschko.

Seit Janukowitsch Ende November ein mit der EU ausgehandeltes Assoziierungsabkommen offenbar auf Druck Russlands auf Eis gelegt hatte, sieht sich seine Regierung mit Massenprotesten proeuropäischer Demonstranten konfrontiert. Die Opposition fürchtet eine zu starke Hinwendung des Landes zu Russland.

Der Deal mit Russland bringt die proeuropäischen Demonstranten, die seit Wochen gegen Janukowitschs Politik demonstrieren, zusätzlich auf die Barrikaden. Klitschko wiederholte seine Forderung nach einem Neuwahlen mit einer Anspielung auf seine aktuell unterbrochene Karriere als Boxer: Er wolle Janukowitsch "im Ring" sehen.

Für den Dienstagabend wurden weitere Proteste in der ukrainischen Hauptstadt erwartet. Etwa 30 Abgeordnete der Opposition blockierten aus Protest gegen die Regierung das Parlament. Die Sitzung des Hauses wurde daraufhin nach wenigen Minuten abgebrochen.

Der frisch vereidigte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte das Vorgehen Russlands in der Ukraine-Frage. Es sei "völlig empörend, wie die russische Politik die wirtschaftliche Notlage der Ukraine für sich genutzt hat, auch um den EU-Assoziationsvertrag zu verhindern", sagte er bei der Amtsübernahme von seinem Vorgänger Guido Westerwelle im Außenministerium. Auch kritisierte er das gewaltsame Vorgehen der ukrainischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in Kiew.

ade/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 84 Beiträge
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1. Wer kann, der kann ...
ihawk 17.12.2013
Vergessen wir eines nicht, Putin zahlt aus der Guthaben-Kasse ... Die EU müsste neuen Schulden machen um der Ukraine unter die Arme zu greifen. Das billige Gas wird in dem zu erwartenden strengen Winter wohl dringend benötigt. Was ist denn so verkehrt was Putin gemacht hat, außer dass er Russe ist ... und die sind nun mal grundsätzlich böse ...
2. 15 Mrd sind billig...
michi_ 17.12.2013
wenn man bedenkt, dass die Ukraine über sehr viel fruchtbaren Boden und einige Rohstoffe verfügt... vielleicht bietet die EU ja noch 16 Mrd... auf jeden Fall ist die Ukraine 50 mal mehr wert, als Griechenland!
3. Ach Ausverkauf?
nano-thermit 17.12.2013
Deswegen ist doch Timoschenko im Gefängnis, wegen Ausverkaufs der Ukraine an den Westen. Das selbe galt für Jelzin und Chordokowsky, die an den Westen ausverkauften. Wie immer bekommen große westliche Firmen die Ressourcen aber im Westen haben Volk und kleine Firmen nichts davon. Putin versucht den Ausverkauf aller Ressourcen an den Westen zu stopen, das hat einen Grund. Die Heuschrecken sitzen an der Wallstreet, nicht in Moskau!! Danke für diese superparteiische "Analyse" lieber SPON...
4. wieder zwei Maßstab
topguy001 17.12.2013
Sobald Osten(Russen oder Chinesen) was anders als die Westen machen, wird es kritisiert. Die Westen ist aber nicht der letzten moralischen Instanz. Ich sehe nicht irgendwas verwerflich von die Russen. Wenn die Amerikane dieselben gemacht hätte, würde man in Europa entweder jubeln oder schweigen. Diese Haltung finde ich ehe verwerflich.
5.
dieter.koester 17.12.2013
Von russland haben sie wenigstens konkrete hilfe und unterstuetzung erhalten. Von der eu haetten sie ausser der wirtschaftlichen totaloeffnung des landes und dem ruin der eigenen wirtschaft - 70 % der exporte gehen nach russland - gar nichts gekriegt. Und wenns engpaesse beim gas gibt, das waere der ei auch egal.
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Fotostrecke
Großdemos in Kiew: Die Wut ist immer noch da

Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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