Ukraine-Proteste Hunderte strömen zu Klitschko-Kundgebung in München

"Ohne Kampf gibt es keinen Sieg", rief der ukrainische Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko Hunderten zu, die zu seiner Kundgebung in München gekommen waren. Auf der Sicherheitskonferenz streiten die USA, EU und Russland immer offener über die Entwicklung in der Ukraine.

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München - In Richtung Europa soll es mit seiner Heimat Ukraine gehen, nicht in Richtung Russland. Das forderte Vitali Klitschko, ukrainischer Oppositionspolitiker und Boxweltmeister, am Samstag - dieses Mal auf dem Platz am Sendlinger Tor in München. Klitschko hält sich an diesem Wochenende in der bayerischen Landeshauptstadt auf und besucht die Sicherheitskonferenz.

Etwa 500 Menschen haben laut Polizei an der Klitschko-Kundgebung in München teilgenommen. Die Teilnehmer feierten den 42-jährigen Chef der Udar-Partei mit Sprechchören und Klitschko-Rufen. Unter den Demonstranten waren zahlreiche Exilukrainer, viele trugen ukrainische Nationalflaggen. Klitschko sagte: "Ich weiß besser als jeder andere: Ohne Kampf gibt es keinen Sieg. Wir werden kämpfen."

Klitschko forderte dabei eine Ausrichtung seines Heimatlands in Richtung der Europäischen Union und nicht nach Russland. "Wir sind Europäer", rief Klitschko. "Wir wollen ein modernes, europäisches Land werden." Zu der Kundgebung kamen vor allem Exilukrainer. Am Nachmittag soll laut "br online" auch ein Autokorso von der Domagkstraße über den Mittleren Ring auf den Kampf um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine aufmerksam machen.

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Klitschko-Kundgebung in München: "Ohne Kampf keinen Sieg"
"Die einzige Sprache, die Diktatoren verstehen"

Im Rahmen der Sicherheitskonferenz traf sich Klitschko mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), US-Außenminister John Kerry sollte er auch treffen. Über das Gespräch mit Steinmeier sagte Klitschko am Rande der Konferenz, sie hätten darüber beraten, wie eine mögliche Lösung gefunden werden könne. "Auf keinen Fall" dürfe die Eskalation weitergehen, sagte Klitschko. "Man muss vermeiden, einen Bürgerkrieg anzufangen." Klitschko sprach sich für Sanktionen gegen sein Land aus. Dies sei die einzige Sprache, welche "die heutigen Diktatoren der Ukraine" verstünden.

Klitschko nannte auch die Unterstützung durch Kerry "sehr wichtig". In Europa seien alle daran interessiert, dass das größte Land Europas wirtschaftlich und politisch stabil bleibe. Eine instabile Ukraine könne die ganze Region in Instabilität bringen. Kerry sagte in seiner Rede am Samstag: "Die USA und die EU stehen dem ukrainischen Volk in diesem Kampf zur Seite." Kerry unterstrich die Verbundenheit der USA und der EU mit der ukrainischen Bevölkerung. "Die übergroße Mehrheit der Ukrainer strebt nach Freiheit und Sicherheit und will in einem prosperierenden Land leben. Sie kämpfen für das Recht, sich die Partner auszusuchen, die ihnen helfen, diese Hoffnungen zu erfüllen", sagte Kerry. Kerry schloss sich dabei ähnlichen Äußerungen des Nato-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen und von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy an.

Russland wirft EU Doppelzüngigkeit vor

Während die amerikanische Regierung und die EU der ukrainischen Opposition derart demonstrativ ihren Rückhalt versicherte, warf der russische Außenminister Sergej Lawrow dem Westen im Gegenzug Doppelzüngigkeit und sogar ein Anheizen der Spannungen vor. "Wieso gibt es keine Verurteilung derer, die Regierungsgebäude besetzen, Polizisten attackieren oder rassistische, antisemitische Nazi-Slogans verwenden?", sagte Lawrow mit Blick auf die Entwicklung in Kiew. "Wieso wird das von der EU noch ermutigt, während ein solches Vorgehen in den EU-Staaten sofort geahndet werden würde?"

Lawrow betonte außerdem, dass die ukrainische Führung bei einer Eskalation der Gewalt das Recht habe, die Freiheitsrechte einzuschränken. Seit Tagen gibt es die Sorge, dass die ukrainische Armee in den Konflikt zwischen Opposition und Regierung eingreifen könnte.

Der ukrainische Oppositionsführer und ehemalige Außenminister Arsenij Jazenjuk hatte Russland heimliche Verhandlungen mit der ukrainischen Führung vorgeworfen.

Der Regierung in Moskau wird vor allem vorgeworfen, die Führung der Ukraine unter Druck zu setzen, damit diese das EU-Assoziierungsabkommen nicht unterzeichnet. Westliche Diplomaten fürchten zudem, dass Russlands Führung nach den Olympischen Spielen in Sotschi den Druck auch auf die früheren Sowjetrepubliken Moldau und Georgien erhöhen könnte, die anders als die Ukraine beide EU-Partnerschaftsabkommen unterzeichnet haben. Der moldawische Vize-Regierungschef Eugen Carpov sagte: "Wenn Russland Druck auf Moldau oder Georgien ausübt, brauchen wir definitiv Solidarität und Hilfe."

lgr/dpa/AFP/Reuters

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EvaBaum 01.02.2014
1.
Genau genommen war so gut wie niemand da, habs selbst gesehen. Die Rolle der Ukrainischen Opposition is völlig überbewertet. Noch unbedeutender ist nur die O. hier in Bayern!
EvaBaum 01.02.2014
2.
Genau genommen war so gut wie niemand da, habs selbst gesehen. Die Rolle der Ukrainischen Opposition is völlig überbewertet. Noch unbedeutender ist nur die O. hier in Bayern!
radamriese 01.02.2014
3. wieso bietet man diesem Putschisten so eine Bühne
Zitat von sysopAP"Ohne Kampf gibt es keinen Sieg", rief der ukrainische Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko Hunderten zu, die zu seiner Kundgebung in München gekommen waren. Auf der Sicherheitskonferenz streiten die USA, EU und Russland immer offener über die Entwicklung in der Ukraine. http://www.spiegel.de/politik/ausland/klitschko-marschiert-mit-hunderten-demonstranten-durch-muenchen-a-950568.html
wer ist er ?Bei jeder Wahl hat er verloren. Er ist nur ein Boxer, Und unsere Politiker haben vergessen, was Demokratie ist. Janukowitsch, mag er sein, wie er ist, er ist demokratisch gewählt worden.Demokratie, Deutschland hat keine Ahnung
benutzer8472 01.02.2014
4. Schnell schnell schnell
Ja, willkommen im Jahre 2014, wo alles schnell schnell schnell gehen muss, weil es sonst eh vergessen wird. Damals haben Lech Wales und Tausende andere jahrelang gegen ein System gekaempft, um es schliesslich zu Fall zu bringen - Klitschko will das in 3 Wochen machen. Da biegt man sich die Rechte halt etwas zurecht und manipuliert wo es nur geht.
krasmatthias 01.02.2014
5.
Zitat von sysopAP"Ohne Kampf gibt es keinen Sieg", rief der ukrainische Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko Hunderten zu, die zu seiner Kundgebung in München gekommen waren. Auf der Sicherheitskonferenz streiten die USA, EU und Russland immer offener über die Entwicklung in der Ukraine. http://www.spiegel.de/politik/ausland/klitschko-marschiert-mit-hunderten-demonstranten-durch-muenchen-a-950568.html
SPON ist immer noch im Kalten Kriegs Modus. Schade und ich hoffte, der Kalte Krieg sei vorrüber. Er wird aber derzeit vom Westen wiederbelebt. Zumindest sind dann die Verhältnisse klar und die Seiten brauchen aufeinander keine Rücksicht mehr zu nehmen.
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