Konflikt in der Ukraine Auf der Suche nach Janukowitsch

Wo steckt Präsident Janukowitsch? Die Hauptstadt Kiew hat er verlassen, dort haben Regierungsgegner die Kontrolle übernommen. Allerdings soll sich der ukrainische Staatschef noch im Land befinden. Oppositionsführer Klitschko will ihn nun vom Parlament absetzen lassen. Der Überblick.


Kiew - Schon seit Tagen überschlagen sich die Ereignisse in der Ukraine, so auch an diesem Samstag. Die Lage ist noch immer alles andere als stabil, trotz der Unterzeichnung eines Kompromissabkommens zwischen Regierung und Opposition am Vortag.

In der Hauptstadt Kiew hat die Opposition mittlerweile die Kontrolle übernommen, Präsident Wiktor Janukowitsch ist überraschend abgereist - und ist nicht auffindbar. Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick:

  • Wo sich Staatschef Janukowitsch aufhält, ist unklar. Sein Wohnsitz Meschigorje nahe der Hauptstadt sei verlassen, berichtete der Fernsehsender 5. Kanal, ebenso sein Büro. Auch Janukowitschs Vertreter im Parlament zeigte sich ahnungslos. Angeblich wollte er in die ostukrainische Stadt Charkow reisen, eine Hochburg seiner Anhänger.
  • Oppositionsführer Vitali Klitschko sagte, der Präsident habe die Hauptstadt verlassen. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen anonymen Informanten aus dem Sicherheitsapparat, wonach sich Janukowitsch aber noch im Land aufhalte.
  • Klitschko kündigte an, er wolle den Präsidenten durch das Parlament in Kiew absetzen lassen. "Das Parlament ist heute das einzige legitime Organ, das Entscheidungen trifft", sagte er. Es müsse - wie die Leute es forderten - nun eine Anordnung beschlossen werden, die zur Entmachtung des Präsidenten und zu vorgezogenen Präsidentenwahlen führe. Ein anderer Abgeordneter hatte einen Vorschlag für ein Amtsenthebungsverfahren in die Oberste Rada eingebracht. Das Parlament wollte zudem über eine Übergangsregierung entscheiden.
  • Die Hauptstadt Kiew steht, so sieht es derzeit aus, unter der Kontrolle der Opposition. Die sogenannten Selbstverteidigungskräfte kontrollierten das Parlament, den Regierungssitz und die Präsidialkanzlei, sagte Andrej Parubij, der Kommandant des Protestlagers auf dem Unabhängigkeitsplatz.
  • In der Nacht zum Samstag hatten erneut Tausende Menschen auf dem Maidan ausgeharrt. Sie finden: Das vorläufige Abkommen zwischen Janukowitsch und der parlamentarischen Opposition sei nicht ausreichend. Darin hatten die Konfliktparteien unter EU-Vermittlung vorgezogene Präsidentenwahlen, eine Übergangsregierung und eine neue Verfassung vereinbart.
  • Zuvor hatten radikale Oppositionsvertreter angekündigt, die Waffen nicht niederzulegen, bevor Janukowitsch nicht zurückgetreten sei. Auf der anderen Seite lehnen auch prorussische Gruppen das Abkommen ab, das am Freitag unterzeichnet wurde.
  • Die Einigung sei "sehr, sehr fragil", so schätzen die USA die Lage ein, wie ein Vertreter des US-Außenministeriums sagte. Die Ukraine brauche zur Umsetzung des Friedensabkommens internationale Unterstützung. Der stellvertretende Außenminister William Burns werde deshalb Anfang nächster Woche nach Kiew reisen und die Europa-Beauftragte der USA, Victoria Nuland, Anfang März, um bei der Umsetzung zu helfen.

otr/dpa/Reuters



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insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
genlok 22.02.2014
1. Martina Weisband
Da hatte die Dame ja mal wieder nur blödsinn geredet. Klitschko kennt ja scheinbar niemand in der Ukraine, ausser dass er der ist der Unterschreibt und wohl der nächste Premier sein wird. Ach Martina, das rumgetweetere scheint nicht besonders zuverlässig zu sein.
woltron 22.02.2014
2. Der Herr möge abhüten....
...von allem, was ein Frühling ist.
nutella67 22.02.2014
3. Er ist in Kharkov
Hat meine Frau (sie stammt von dort) aus erster Hand!!
jrmorrison 22.02.2014
4. Hilfe
Wer füttert jetzt die Tiere in seinem privaten Zoo?
rosaberg 22.02.2014
5. Wo wird er wohl sein?
Ich habe von Anfang an vermutet, dass er in Russland um Asyl bitten wird und wahrscheinlich ist er schon seit Stunden dort. Gehe davon aus, dass er auch dort genug Rubel gehortet hat. Wo ist denn seine Familie eigentlich? Vermutlich ist sie schon längst dort. Der Typ hat seinen Abgang ganz genau geplant.
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