Krieg in Syrien Deutsche Marxisten helfen beim Wiederaufbau von Kobane

Kobane liegt in Trümmern - schwerste Gefechte haben die syrische Stadt verwüstet. Die Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Nun hat ein linkes Bündnis aus Deutschland ein ehrgeiziges Projekt gestartet.

DPA

Eine Gruppe deutscher Freiwilliger unterstützt in der syrisch-kurdischen Stadt Kobane den Wiederaufbau. Insgesamt sollen zwischen Juni und Oktober rund 140 Freiwillige nach Kobane entsendet werden. Der Plan: Aus rund 800 Tonnen Zement soll ein 700 Quadratmeter großes Gebäude entstehen, das der Stadt als Gesundheitszentrum dienen wird.

Darin sollen mindestens ein OP-Raum, vier Sprechzimmer und zwei Wartebereiche eingerichtet werden. Letztere sollen auch für soziale Projekte genutzt werden können. Für den Betrieb des Zentrums wird die syrisch-kurdische Selbstverwaltung der Region verantwortlich sein.

Hinter dem Projekt steht das linke Bündnis "Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen" (ICOR), das um die marxistisch-leninistische Partei Deutschlands (MLPD) gebildet wurde.

Die deutschen Marxisten hatten dazu in den vergangenen Monaten in Deutschland bereits Sachspenden (Bauwerkzeuge, medizinische Ausrüstung) im Wert von geschätzt rund 130.000 Euro und Geldspenden über 110.000 Euro gesammelt. Die syrisch-kurdische Regionalverwaltung, die derzeit die Umgebung Kobanes kontrolliert, hat zugesichert, sich ebenfalls an dem Projekt zu beteiligen.

Ankara lässt nur selten Hilfe über die Grenze

Insgesamt wird damit gerechnet, dass die Gesamtkosten auf 600.000 Euro steigen könnten. Ob es gelingt, das Gebäude bis Oktober fertigzustellen, ist derzeit noch unklar.

Erschwert wird das riskante Projekt dadurch, dass die Türkei derzeit kaum humanitäre Hilfe in die syrisch-kurdischen Gebiete lässt. Die deutschen Freiwilligen befinden sich daher derzeit illegal in Syrien, wo seit Jahren Bürgerkrieg herrscht. Wie die insgesamt sieben Tonnen Sachspenden ins Land kommen sollen, ist noch unklar.

Die Stadt Kobane wurde international zum Symbol im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS). Im Januar gelang es einer Koalition von Milizen unter Führung der syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten, dem syrischen Ableger der kurdischen Arbeiterorganisation PKK, den IS wieder aus der Stadt zurückzudrängen. Unterstützt wurden sie dabei durch US-Luftangriffe. Seitdem sind etwa 80 Prozent der Stadt zerstört.

Im Juni hatte der IS Terroranschläge in der Stadt und umliegenden Dörfern verübt. Dabei wurden rund 170 Zivilisten von IS-Kämpfern ermordet.

In Kürze lesen Sie auf SPIEGEL ONLINE eine Reportage über den Einsatz der deutschen Helfer in Kobane.

Situation in Syrien (Stand: 23. Juni 2015)
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