Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Schlacht um syrische Grenzstadt: IS-Kämpfer greifen Kobane aus der Türkei an

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" eröffnet eine neue Front in Kobane. Erstmals haben die Dschihadisten von der Türkei aus angegriffen. Die kurdischen Verteidiger drohen, eingeschlossen zu werden.

Ankara - Die syrische Grenzstadt Kobane wird von den schwersten Kämpfen seit Wochen erschüttert. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) versucht offenbar, den Ort komplett zu umzingeln. Dabei sollen die Dschihadisten erstmals von türkischem Boden aus angegriffen haben.

Am Morgen sprengte sich ein IS-Selbstmordattentäter am türkisch-syrischen Grenzübergang am nördlichen Stadtrand von Kobane in die Luft. Kurz darauf soll nach Angaben der kurdischen Verteidiger von Kobane ein zweiter Angreifer an dem Übergang einen Sprengsatz gezündet haben. Bei den Bombenanschlägen und den folgenden Gefechten sollen mindestens 30 Menschen getötet worden sein. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet von 21 toten Dschihadisten und neun gefallenen kurdischen Kämpfern.

Die Selbstmordattentäter hatten sich von türkischer Seite aus dem Grenzübergang genähert, das Gebiet auf syrischer Seite wird von kurdischen Kämpfern gehalten. "Der 'Islamische Staat' hat uns bislang von drei Seiten aus angegriffen, heute kommen sie von allen vier Seiten", sagte Nawaf Khalil, Sprecher der kurdischen Verwaltung von Kobane.

Kein Kommentar aus Ankara

Journalisten in der Umgebung der Stadt berichten von heftigen Schießereien rund um den Grenzübergang zwischen Kobane und dem türkischen Ort Mürsitpinar. Dort haben IS-Kämpfer offenbar ein Getreidesilo eingenommen, von dem aus sie über die syrische Grenze hinweg nach Kobane schießen. Kurdische Fernsehsender veröffentlichten ein Video, das IS-Milizionäre auf dem Gelände des Getreidesilos zeigen soll.

Die türkische Regierung hat sich bislang nicht zu den Berichten geäußert.

Der IS versucht seit zwei Monaten, Kobane einzunehmen. Derzeit kontrollieren die Dschihadisten den Osten und Süden der Grenzstadt, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und die aus dem Irak zu Hilfe geeilten Peschmerga halten den Nordwesten des Ortes. Mit dem Angriff auf den Grenzübergang eröffnen die militanten Islamisten eine neue Front gegen die Kurden.

syd/AP/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 175 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
sdGe 29.11.2014
Wenn die Meldung wirklich stimmt, dass die Dschihadisten von türkischem Boden aus operieren, werden meine Zweifel, auf welcher Seite Erdogan steht, nur umso größer. Viele seiner Äußerungen der letzten Monate und insbesondere sein Verhalten gegenüber dem IS lassen den Schluss zu, dass er viele Sympathien für diese radikalen Islamisten hegt und gerne bereit ist die Kurden zu opfern.
2. Was ist das denn?
archi47 29.11.2014
Es fällt immer schwerer zu glauben, daß dies nicht im Einverständnis der türkischen Regierung geschieht. Der sonst so "empfindsame" Herr Erdogan, will hierauf nicht reagieren? Das spricht doch Bände. Wer solche Freunde im Bündnis hat, braucht eigentlich keine Feinde mehr.
3. Farbe bekennen
Incredibleois 29.11.2014
Jetzt muss die türkische Regierung wohl langsam Farbe bekennen und Worten Taten folgen lassen. Von türkischem Staatsgebiet in die Kämpfe auf syrischem Boden einzugreifen war ja bisher immer die rote Linie, die Erdogan nicht überschritten sehen wollte. Wenn ich mir dessen Äußerungen in den letzten Wochen so ansehe, schwant mir aber nichts gutes...
4.
behr22 29.11.2014
Wenn Kurden versuchen nach Kobane zu gelangen werden sie an der türkischen Grenze aufgehalten, aber mit ganzen Lastwagen Kolonnen von Lieferungen an die IS und Kämpfer von der IS hat die Türkei kein Problem. Was ist eigentlich bei Erdogan durchgebrannt? Früher schien er zumindest einigermaßen vernünftig zu sein. Heute wird sein Verhalten mit jedem Tag und jeder Äußerung immer verrückter.
5.
oswind 29.11.2014
Sollte der Nato Partner Türkei feindliche Kräfte auf seinem Boden dulden wird der internationale Druck zur Intervention zunehmen. Vielleicht entwickelt sich diese Aktion zum Bumerang für den IS. Mann darf gespannt sein...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: